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Bremser der Energiewende
27|02|2012



Und so sieht die Energiewende in Wilhelmshaven aus. Hier setzen die politischen Größen immer noch auf die Technik von Dampfmaschinen zur Erzeugung von Strom!

Menschen, die ihre Um- und Mitwelt wahrnehmen, machen sich Sorgen wegen der Beschleunigung des Klimawandels, wegen des dadurch schnelleren Anstiegs des Meeresspiegels, der die Existenz von Millionen Küsten- und Inselbewohnern gefährdet, und wegen der Zunahme extremer Wetterereignisse, die durch Dürren, Überschwemmungen und Orkane Hunger und Armut verstärken.

Dagegen machen sich die Minister Rösler [FDP] und Röttgen [CDU] Sorgen darüber, dass die Nutzung der Sonnenenergie durch die Fotovoltaik zu schnell wächst. Selbst Experten wie Stephan Kohler, Chef der Deutschen Netzagentur [Dena] fordern deutliche Einschränkungen beim Solar- und Windenergieausbau, da das Hochspannungsnetz das „derzeitige Ausbautempo nicht verkrafte“.

Herr Kohler weiß natürlich, dass die Sonne auch durch Ausbau der Hochspannungsnetze nicht immer scheint und dass man deshalb dezentrale Stromspeicher im Niederspannungsnetz benötigt [z.B.aufladbare Batterien in den Kellern der Solaranlagenbetreiber], mit deren Hilfe die Mittagsspitze der Solarenergie zeitlich über den ganzen Tag verteilt werden kann. Dann kann der Solarstrom ohne weiteren Ausbau der Hochspannungsnetze überall dorthin geleitet werden, wo Strombedarf herrscht.

Lediglich für Windstrom aus großen Offshore –Windparks in Nord- und Ostsee oder für Solarstrom aus Nordafrika müsste das Netz verstärkt werden. Da wir aber beides nicht benötigen1], brauchen wir auch keine neuen Hochspannungsnetze und können so Zeit und Kosten sparen. Scheinbar verdrängen die Herren drei wichtige Erkenntnisse: Erstens sollte man die dezentral auftretenden Primärenergien wie Sonne und Wind auch dezentral nutzen; zweitens zeigen die Daten des Statistischen Bundesamtes oder des BMU [AGEE Stat]2], dass keine Energietechnik schneller zu realisieren ist als der Ausbau dezentraler Anlagen zur Nutzung von Sonne und Wind; und drittens ist das Zeitfenster zur Klimarettung äußerst klein.

Jeder, ob Umweltschützer oder Schnäppchenjäger, der mit jetzt günstigen Solarzellen auf dem Dach und einer Speicherbatterie im Keller für seinen eigenen Strombedarf sorgt, entlastet das Netz ebenso wie diejenigen, die ihren selbst erzeugten Strom einspeisen. Sie reduzieren den Verbrauch fossiler Brennstoffe und bringen so den Klimaschutz voran, im Gegensatz zu Politikern, die einen „Mega-Boom“ beim Zubau von Fotovoltaik-Anlagen und zu hohe Renditen fürchten und deshalb durch drastische Kürzungen der Einspeisevergütung die Entwicklung der Fotovoltaik und viele zukunftssichere Arbeitsplätze gefährden und so die dringend benötigte Energiewende gefährlich verzögern.

Wir sollten so lebenswichtige Dinge wie die Energiewende nicht alleine der Politik überlassen3], sondern selbst aktiv werden.

Kurt Kress
Frankfurt am Main

Quellen:
1] Siehe „Über den Gebrauchswert von Offshore-Windparks“ in
sfv-Solarbrief  3/11, S. 16 und „Europa braucht weder Atom- noch
Wüstenstrom“ in  sfv-Solarbrief  1/11, S. 28
2] Siehe auch www.volker-quaschning.de und dort erneuerbare
Energien-Statistik.
3] Siehe Google: sfv „Brauchen wir internationale Klimaschutzkonferenzen?“

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