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Afghanistan: Willkommen zu Hause
02|02|2012



Besser kann man den Vortrag nicht visulaisieren.

Am 26. Januar 2011 hatte der "Gesprächskreis für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn" [GELB] zu einer bemerkenswerten Veranstaltung im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Krieg eingeladen.

Der Bundestag hatte am selben Tage über eine Mandatsverlängerung entschieden und damit beschlossen, dass sich die Bundesrepublik weiterhin am asymmetrischen Krieg am Hindukush bis zum 31. Januar 2013 beteiligt.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren etwa 100.000 Soldaten im Einsatz und 1.800 kehrten traumatisiert zurück.

Traumatisierung war auch das Thema des Referenten, der an diesem Abend über die posttraumatische Belastungsstörung [PTBS] sprach und über seine Funktion als Militärpfarrer von Soldaten.

Bernd Göde, selbst Kriegsdienstverweigerer, hatte seine erste Pfarrstelle von 1989 bis 1998 in Varel. Weiterhin war er Kurseelsorger in Bad Zwischenahn und ist seit 2004 als Militärpfarrer in den Diensten der Bundeswehr. Er selbst ist kein Soldat, d. h. kein General kann ihm Weisungen erteilen und auf den Schulterstücken seiner Uniform befindet sich ein Kreuz anstelle eines Dienstgrades.

Um in das Thema PTBS "einzusteigen" wurde ein Teil des Filmes "Willkommen zu Hause" gezeigt, ein Spielfim, der Situationen schildert, die Familienangehörige von Soldaten erleben, die aus dem Afghanistan-Krieg heimkehren. Beim Umgang mit den Soldaten wurden vielen Fehler gemacht. Im familiären Kreise wurde die Rückkehr zeitnah gefeiert, obwohl diese Soldaten noch gar nicht richtig zu Hause angekommen waren.

In Neuseeland, so Göde, werden die Heimkehrer zunächst einmal für vierzehn Tage auf eine Insel geschickt, um sich zu "aklimatisieren". In Deutschland werden die Soldaten inzwischen nach ihrem Einsatz erstmal befragt, damit man sich ein Bild von deren physischen und psychischen Zustand machen kann.

Ein Drittel sei von vornherein traumatisiert, bei einem weiteren Drittel bestehen Angleichungsschwierigkeiten und beim letzten Drittel besteht die Tendenz einer Traumatisierung.

Bernd Göde selbst war dreimal in Afghanistan und berichtete, dass es viele Faktoren gäbe, die physisch und psychisch krank machen können. Dort herrschen schwierige Umweltbedingungen. Die Zivilbevölkerung verfüge nicht über ausreichend sauberes Wasser, die Kindersterblichkeit sei hoch und die durchscnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 40 - 45 Jahren.

In der Luft gäbe es sogenannte Fäkalbakterien und es wird davon abgeraten Sport im Freien zu betreiben.

Die humanitäre Unterstützng sei auch nicht so einfach, wie gedacht, denn im Land herrscht sehr viel Korruption und der Beliebtheitsgrad der deutschen Soldaten sei in der Zwischenzeit zurückgegangen, aber immer noch kein Vergleich zur Unbeliebtheit der Amerikaner, die als Besatzer empfunden werden.

Seine Arbeit betrifft nicht nur die Soldaten in Afghanistan, d. h. Gottesdienste abzuhalten und seelischen Beistand zu leisten, sondern auch eine Todesnachricht direkt zu überbringen, wobei die Presse meistens schneller sei.

Es sind nicht nur Soldaten, die traumatisiert zurückkehren. So berichtete Göde auch von einer Krankenschwester, die mehrmals Leben nicht mehr retten konnte und deren Sohn auch noch an Krebs starb.

Der Einsatz selbst werde immer gefährlicher, z. B. durch sogenannte Schläfer, die in den eigenen Reihen Bomben zünden oder durch ferngezündete Sprengfallen unter Straßen. Die Soldaten haben 5 Tage Dienst und einen Tag frei und arbeiten bis zu siebeneinhalb Monate, etwa 3 Monate über die reguläre Einsatzzeit hinaus, wenn es mit der Ablösung nicht klappt.

Eine Traumatisierung kann auch erst Jahre später eintreten und ihre Gründe sind vielfältig. Das direkte Erlebnis eines Soldaten mit dem Tod, wobei sein benachbarter Kamerad durch den Helm erschossen wurde, führte dazu, dass die Familie zerbrach und er selbst in der Psychiatrie endete. Auslöser können Gerüche sein, wie z. B. im Film "Willkommen zu Hause" anhand von Grillfleisch, also verbranntem Fleisch verdeutlicht wurde oder man zuckt schon einmal zusammen, wenn ein Geräusch an einen Raketeneinschlages erinnert.

In der Bundesrepublik lehnt die Mehrheit der Bevölkerung den Afghanistan-Einsatz ab, der mehrheitlich als unsinnig angesehen wird. Die Soldaten selbst suchen ihrerseits nach einem Sinn, der sich weitestgehend in einem Füreinander der Kameraden untereinander erschöpft.

Inzwischen begegnet man den zunehmenden Problem mit einem Psycho Sozialem Netzwerk vor Ort. Es besteht auch die Möglichkeit die Soldaten vorzeitig nach Hause zu schicken.

Die Soldaten brauchen Zeit, um zu Hause anzukommen. Auch untereinander helfen sich die Veteranen und leisten in Gesprächskreisen Selbst-Kameradenhilfe.

Bernd Göde zeichnete an diesem Abend ein vielschichtiges Bild des Afghanistan-Einsatzes, der damit begann, das Deutschland angeblich die Demokratie am Hindukush zu verteidigen hätte.

Der Export von Demokratie, so wie es sich der gemeine Europäer vorstellt oder wie es ihm vorgegaukelt werden soll, hat sich längst als Irrweg erwiesen. Die Afghanen sagen inzwischen, dass es ihnen schlechter ginge, als 2002, was Fragen aufwirft, ob man humanitäre Einsätze mit Soldaten überhaupt Sinn machen und ob man nicht einmal grundsätzlich darüber nachdenken sollte, ob man eine Kultur durch eine andere ersetzen kann. Daran scheiterte nicht nur Russland mit seiner Oktoberrevolution, sondern auch die Amerikaner mit ihrem Ansinnen, den Irak zu demokratisieren. Gleich nach deren Abzug erhöhte sich die Anzahl der Selbstmordanschläge schlagartig und ob das Land so zur Ruhe kommt, wie durch das Beseitigen eines Diktators, sehen, wie im Dokumentarfilm "Irak - Das Erbe der Amerikaner" vom 30. Januar 2012 selbst harte Gegner der Truppenpräsenz mit gemischten Gefühlen.

Die deutschen Soldaten werden in den nächsten Jahren aus Afghanistan abziehen und die Bundesregierung sieht den Weg zu einem stabilen Staat letztendlich in einer politischen Lösung - ein indirektes Eingeständnis für das eigene Scheitern und damit der Idee mit Waffengewalt humanitäre Einsätze durchzuführen?

Etwa 50 Tote deutsche Soldaten starben im Afghanistan Krieg, während 1.862 amerikanische Soldaten fielen.

Auch der humanitäre Auftrag dürfte gescheitert sein, denn Bernd Göde konnte nicht viele Beispiele für eine Sinnhaftigkeit, d. h. für eine dauerhafte und nachweisbare Verbesserung der humanitären Zustände erbringen, die die Protagonisten vorausgesagt hatten.

Der Bundestag protestiert auf seine Weise gegen den Krieg, in dem auch Kinder zum Einsatz kommen:
Zitat: " ... Auf Anregung von Kindern und Jugendlichen unterstützt die Kinderkommission die Aktion Rote Hand mit einem eigenen Stand, an dem sich auch das Deutsche Bündnis Kindersoldaten beteiligt. Hier können Politiker, Mitarbeiter und Besucher des Bundestages ihre Handabdrücke abgegeben und so gegen den Einsatz von Kindersoldaten protestieren. ... "
[Quelle: Pressemitteilungen | Bundestag | 01.02.2012]

Wenn man weiss, das Kinder in Afghanistan Waffen "zusammenschrauben" ist diese Nachricht geradezu als "kindisch" und zynisch einzustufen. Die Realität ist doch eher, dass die Bundesrepublik weltweit betrachtet der drittgrößte Waffenproduzent ist, sich gerade über ein zu platzendes Eurofighter-Geschäft mit Indien beklagt und sich eine Berufsarmee zulegt und den Wehrdienst ad akta gelegt hat.

So zeigt der Film "Töten für den Frieden" ein wesentlich ungeschminkteres Bild, als "Willkommen zu Hause", ein Dokumentarfilm, der bei Bernd Göde nicht zu seinen persönlich Favoriten gehört.

Die NDR-Dokumentation aus dem Jahre 2010 stellt viele Fragen und erhält wenig Antworten und auch hier wird die Afghanistan Mission für gescheitert erklärt. So sollte von Deutschem Boden nie wieder ein Krieg ausgehen und es ist abzusehen, dass die Lobbyisten der Waffenindustrie alles daran setzen werden, weiterhin Waffen zu produzieren, um diese auch in Krisenregionen zu exportieren und natürlich, damit die Zahl der Arbeitslosenstatistik nicht um die aus der Waffenindustrie erweitert wird - ganz im Sinne der Politiker?

So wird das sinnlose Sterben und die Traumatisierung weiterer Menschen im Rahmen von zweifelhaften Demokratieexportversuchen zukünftig weitergehen und in Kauf genommen werden, auch mit deutscher Hilfe.

Warum das Thema so wenig in Wilhelmshaven kursiert, hängt vielleicht such mit der Präsenz der Bundeswehr zusammen, deren Auftrag, Fregatten auf Piratenjagd vor die Küste Somalias zu entsenden die Frage aufwerfen würde, ob man nicht einmal grundsätzlich deren Probleme analysieren sollte, damit diese Konflikte gar nicht erst entstehen.

Dazu, und darin liegt die Tragik, scheint die Menschheit, die hauptsächlich nach Wohlstand, Konsum und damit einer "Leichtigkeit des Seins" strebt, noch lange nicht bereit zu sein.


Wolf-Dietrich Hufenbach
Dokumentarfilmer | Wilhelmshaven

Links:
26|01|2012: Soldaten mit psychischen Problemen: Traumatisiert und vergessen
26|01|2012: Enttäuschte PTBS-Kranke: Politik nahm seelische Wunden lange nicht ernst
Faces of the fallen: Tote Amerikaner im Irak Krieg

Videos:
Töten für den Frieden
Willkommen zu Hause | Ausschnitt

weitere GELB-Veranstaltungen:
09|02|2012: Was ist denn so schlimm an der grünen Gentechnik?

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