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JadeWeserPort: Gigantisch
22|09|2012



Blühende Landschaften?

Wilhelmshaven hat einen Containerhafen.

Endlich, werden viele sagen, schade, viele andere. Für Leuchtturmprojekte opfert der Wilhelmshavener schon ´mal einen florierenden Campingplatz, aber auch den letzten verbliebenen Sandstrand – vielen noch bekannt als Geniusbank.

Sieht man sich den Gesamtzustand Wilhelmshavens einmal genau an, dann hat Wilhelmshaven unterm Strich bis jetzt unter der Bevormundung einer Wirtschaftslobby leiden müssen, die sich nicht zu schade ist, ihr Spiel um Macht und Geld auch in die Zukunft zu transferieren.

Auch bei früheren Projekten ging es immer um den Aufbruch in eine rosige Zukunft und das Gegenteil trat ein. Nicht zuletzt die Umwandlung einer Raffinerie in eine Tankfarm hätte den Feierabendpolitikern zeigen müssen, daSs der eingeschlagene Weg, das Heil der Stadt in ihrer bedingungslosen Industriealisierung zu suchen, mehr Risiken, als Vorteile bietet.

Die Stadt an der Jade ist hochverschuldet und Besserung nicht in Sicht. Da klammert man die ganze Aufmerksamkeit an ein neues Leuchtturmprojekt und weckt zum wiederholten Mal Hoffnungen für alle Wilhelmshavener und umzu, die man gar nicht erfüllen kann.


Ein Bild aus dem Archiv: Joachim Tjaden†, einer der Hafengegner, der im Mai diesen Jahres vestarb – hier am 14. Mai 2006, bei der Saisoneröffnung des Geniusstrandes, dem einzigen verbliebenen Sandstrand, über den der Containerterminal gebaut wurde.

Einige derer, die gegen das angebliche Jahrhunderprojekt waren meiden dieses Fleckchen Erde heute, weil ihre Vorbehalte weitestgehend eingetreten sind, was die Wirtschaftlichkeit und die hineininterpretierte Bedeutung angeht. Allein die Pannenserie liest sich wie eine Schreckensliste von Fehleinschätzungen, für die höchstwahrscheinlich die Steuerzahler einstehen müssen.

Inzwischen rangiert der Containerhafen an der Jade mit seinen explodierenden Kosten irgendwo zwischen Elbphilharmonie und neuem Berliner Flughafen, aber all das blendet man selbstverständlich fein säuberlich aus. Nachdem man das Hafenprojekt mit einer Anlaufzeit von 40 Jahren versah, sind es seit dem Auftritt von John H. Niemann auf dem Roten Sofa des NDR nun 100.

Seit diesem Fernsehauftritt des angeblichen "Hafenvaters", der am Ende der Sendung ein Containerschiff an die Moderatorin überreichte, soll es Wilhelmshavener geben, die sich in Grund und Boden schämen.


So sieht effektives Marketing am 21. September 2012 auf dem Gewerbegebiet des angeblichen "Jahrhunderthafens" aus: ein ganzer Investor.

Man ist guter Dinge, feiert, obwohl das Hafengelände aussieht, als plane man hier eine Wüste. Von den 130 Hektar Gewerbegebiet auf den Containerterminal Wilhelmshaven sind gerade 30 durch nur einen einzigen Investor belegt, dessen erster Container mit Nashi-Birnen aus China schon vor dessen Ankunft gefeiert wurde, als wäre Obst in Blechkästen etwas ganz aussergewöhnliches.

Schon an diesem Beispiel lässt sich ablesen, was für eine Qualität die PR hier in Wilhelmshaven hat, zumal der Container in Bremerhaven abgeladen wurde, um dann über die Autobahn nach Wilhelmshaven gebracht zu werden.

Nun wartet man händeringend auf weitere Investoren, die den Hafengroden füllen sollen. Obwohl hier kein Land in Sicht ist, spielt man schon mit dem Gedanken, den dahinterliegenden Voslapper Groden, der z. Zt. Naturschutzgebiet ist, ebenfalls als Gewerbegebiet "umzugraben".

Schon heute weiss man, dass das schwierig bis unmöglich wird, denn das Lärmkontingent ist voll und ausserdem liegt da diese "verfluchte" Chlorgasleitung, die schon den Bau eines Containerdorfes für geplante 5.000 Arbeiter verhinderte. Dafür gründete die Stadt Wilhelmshaven eigens eine neue Firma im undurchsichtigen Dschungel der stadteigenen ausgelagerten Beteiligungen mit dem Namen "workcare". Inzwischen ist Gras über die Sache gewachsen und nun nimmt man auf dem Gelände des ehemaligen Campingplatzes einen erneuten Anlauf, wohlwissend, dass man sich damals selbst die Baugenehmigung entziehen musste.

Mit Leuchtturmprojekten lassen sich innerstädtische Probleme spielend leicht kaschieren, so wie in den USA, wenn Präsidenten mit dem Finger auf Europa mit seiner Depression zeigen, um so von ihrer eigenen Verantwortung für die weitere Verschuldung abzulenken. So machen wir das "hier in Boomtown" auch, der Mechanismus ist im Großen wie im Kleinen der gleiche. Wilhelmshaven bildet so einen idealen Nährboden für rückwärtsgewandtes Gedankengut und kann sich hier wie dort ungehindert fortpflanzen.

Transparenz hat sich diese Stadt auf die Fahnen geschrieben, Bürgernähe - alles mit einem Oberbürgermeister, der einer für alle sein will.

Inzwischen ist auch hier Ernüchterung eingekehrt und er polarisiert wie der alte. Auch er musste begreifen, dass er trotz aller prognostizierten Wirtschaftskompetenz das System Wilhelmshaven nicht in den Griff bekommen kann, da Vetternwirtschaft und Gesellschaftsverflechtungen diese Kommune beherrschen, wie zu Zeiten des "Dreckigen Sumpfes", und das, obwohl die alten Akteure sich sukzessive von der öffentlichen Bühne verabschieden, teilweise mit lobenden Abschiedsworten vom neuen Oberbürgermeister Andreas Wagner für ungeheure Verdienste im Sinne der Bürger Lobby.

So schliesst sich der Kreis.

Neben den alten Wilhelmshavener Problemen werden sich neue Fässer auftun, wie z. B. der Klimawandel mit seinen enormen Kosten, die schon zu Anfang der weltweiten Diskussion fleissig in die Zukunft verschoben wurden. Jeder weiss, dass der Meeresspiegel steigt, nur noch nicht, wie schnell, was langfristig auch zu einem Problem für die Häfen wird.

Der WWF forderte eine koordinierte Hafenwirtschaft, ein Anliegen, das schon lange auf der Agenda von Politikern steht. Das sich die PolitikerInnen nicht durchsetzen werden ist schon abzusehen, weil Lobbyistenverbände hier schon längst die Zügel in der Hand halten und schon einmal drohen Arbeitsplätze abzubauen. Eurogate demonstrierte sein Machtpotential in den letzten Tagen mit der Forderung, die Senkung der Hafengebühren um 70 Prozent nochmals zu überdenken, um den Anreiz den Hafen anzulaufen nochmals zu erhöhen.

Nun kommen die weltgrößten Containerschiffe eben erstmal nicht hierher – aber dafür wurde der Hafen doch gebaut?! – na gut, in ein paar Jahren – vielleicht aber auch schon in diesem Jahr – wer weiss schon, wie die Verhandlungen zwischen den zerstrittenen Parteien laufen werden.

Prognostiziert werden dem Containerverkehr etwa 5 - 6 Prozent Wachstum im Jahr. Jeder, der rechnen kann sagt sich dann: "Boah ... 50 - 60 Prozent in den nächsten zehn Jahren, 100 - 120 Prozent in den nächsten 20 Jahren" ... schon hier dürften bei jedem klar denkenden Bundesbürger und Feierabendpolitiker die Alarmglocken läuten - ewiges Wachstum - wers glaubt!


Weil das Gefahrenpotential der havarierten Flaminia inzwischen gesunken sein soll, feiert man die Eröffnung des Containerterminals direkt daneben.

So richtig fertig ist der Hafen denn doch noch nicht, denn da fehlt noch der zweite Teil, da wo die ausgebrannte MSC Flaminia liegt und man fragt sich unweigerlich, wieviel Schlosssprengungen da noch dem Steuerzahler in Rechnung gestellt werden. Schon die sanierten 1.000 Meter belaufen sich laut dem NDR auf geschätzte 70 Millionen Euro.


Ein Wegweiser zum Eröffnungsfest auf dem Containerterminal Wilhelmshaven.

Aber an einem solchen Eröffnungstag zählt das alles nicht, da wird ausgeblendet - Reden, Schnittchen, Rahmenprogramm!


Andreas Wagner auf der Großbildleinwand während seiner Eröffnungsrede des Containerhafens.

Die neuen Hafenarbeiter freuen sich - klar - aber auch die Arbeitsplatzversprechen wurden locker unterboten. Von 6.800 Stellen sprach einmal der ehemalige Landtagsabgeordnete Wilfrid Adam. Als Sigmar Gabriel wieder Ministerpräsident werden wollte, prangten da noch orange Aufkleber mit der Zahl 3.000 auf den Wahlplakaten. Nun sind es 1.000 direkte in 3 Schichten und von 1.000 weiteren drumherum, spricht der neue Oberbürgermeister Andreas Wagner.

Im Hamburger Abendbatt war der Containerterminal Wilhelmshaven am 21. September 2012 seltsamerweise eher eine Randnotiz unter ferner liefen, obwohl John H. Niemann doch auf dem roten Sofa sitzend behauptete, Hamburg sei mit im Boot, weil Eurogate dort einen Terminal betreibe, so, automatisch, meint er wohl, fragt sich nur, warum sich die dann nicht mit Wilhelmshaven freuen und keine 80 Seiten Sonderbeilage drucken?!

Der Ton wird nach der Eröffnung wieder rauher werden, das versprechen jedenfalls die noch offenen "Baustellen" zwischen den am Bau beteiligten Parteien.

Nun hat Wilhelmshaven, einen gigantischen Hafen mit einer gigantischen Kostenexplosion nach gigantischen unhaltbaren Versprechen, einen gigantischen Wattenmeerverlust, aber auch immer noch gigantische innerstädtische Probleme, gigantische Schulden, ein gigantisches Krankenhausproblem und letztendlich ein gigantisches Problem mit sich selbst ... da fragt man sich zwangsläufig: Merken solche Menschen eigentlich noch irgend etwas?


Wolf-Dietrich Hufenbach
Dokumentarfilmer | Wilhelmshaven

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