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Kritikerbändigung
19|07|2013



Wer seine Stadt kritisiert wandert schnell auf deren Index.

„Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.“

Benjamin Franklin

Kritiker sind "Miesmacher" und gehören nicht in unsere Stadt.


Diese Phrase hört man oft in Wilhelmshaven, wenn man sich mit seinen wunden Punkten auseinandersetzt - ins Gefängnis kommt man aber noch nicht.

Prozesse, um Kritiker zu diskreditieren, gibt es aber schon genügend. Da ist die Verschwörungstheorie, die mangelnde Recherche oder einfach das jeweilige Gesicht, das immer wieder auftaucht, wenn es nicht ins "jeweilige" Gebetbuch der jeweiligen Lobby passt.

Der fehlgestartete Containerhafen, die höchst umstrittenen Kohlekraftwerke, die Ansiedlung von Alu-Swisse [heute INEOS], der Ausbau von Grünflächen zu Industriegebieten, eine Bahnumgehung in Sande, die Fäkalieneinleitungen an Wilhelmshavens Südstrand, die Wilhelmshavener Schulpolitik uvm. Alles Beispiele ungeliebter Themen in der Öffentlichkeit in und nahe Wilhelmshaven, die mit Hilfe des "Lokalen Heimatblattes" und im vielbeschworenen Schulterschluss mit der Wilhelmshavener Wirtschaftslobby, also den Wilhelmshavener Dauerprotagonisten, untern Zuhilfenahme bizarrer Argumentationsblasen kleingeredet werden.

In Russland verfährt man mit seinen Kritikern weniger zimperlich und dichtet ihnen seltsamerweise immer wieder Steuerhinterziehung oder Korruption an, damit man gleich Fakten schaffen kann. Sind die Kronzeugen nicht willig ganz im Sinne der Regierung mitzuagieren, dann gibt es Druck, d. h. da wird dann mit ähnlichen Mitteln Haftstrafen angedroht, wie im Fall Nawalni, der nur wegen einer erpressten Aussage eines Bürgermeisters zu zunächst 5 Jahren Lagerhaft verurteilt wurde.

Alexej Nawalny ist mit 37 Jahren jung und hätte, würde man ihn lassen, eine echte Chance im zukünftigen politischen Tagesgeschehen Russlands. Michail Borissowitsch Chodorkowski, der schon mehr als 8 Jahre weit weg von Moskau im Gefängnis schmort, soll jüngsten Nachrichten nach auch nicht mehr den Weg in die Freiheit finden. Ihm droht eine neue Anklage mit entsprechender Haftverlängerung, weil er sich ursprünglich als Oligarch zu sehr in Putins Russland aufspielte. Demonstranten, die am 50zigsten Geburtstag von Chodorkowski nahm man selbstverständlich gleich fest.

Pussy Riot darf auch nicht mehr in einer x-beliebigen Orthodoxen Kirche singen "Ich liebe Russland, ich hasse Putin" und der Putin-Kritiker Jewgenij Urlaschow, der die Putin Partei Einiges Russland" demütigte, der selbst einige Jahre in Putins Partei Mitglied war und sich für Transparenz einsetzen wollte, sitzt längst im Gefängnis. Die neueste Diskreditierungsform bei ihm lautet, dass er eine Großdemonstration mit Lesben und Schwulen plane.

Trotz dieser gefährlichen Situation für Urlaschow Freihiet, die er noch vor den kommenden Kommunalwahlen am 8. September wiedererlangt, will er wieder zur Bürgermeisterwahl antreten.

So ist das in Russland, wenn man in Russland ins Lager der Opposition wechselt und in Jaroslaw den Kandidaten des Präsidenten mit 70 Prozent der Stimmen schlägt.

Die deutsche Kanzlerin zeigt ihr Entsetzen über Russlands Vorgehensweise. Sie und die EU und kritisieren das Urteil scharf, um dann aber wieder zur Tagesordnung überzugehen, damit die "guten" Handelsbeziehungen nicht so sehr leiden, ähnlich kryptisch, wie bei Rüstungsgeschäften.

In Sachen Wirtschaft drückt man eben auch das letzte Hühnerauge zu, so wie in Wilhelmshaven, wo die Stadt mit China, also einem kommunistischen Regime, Offshore-Geschäfte machen möchte. Das muss eigentlich auch dem Wilhelmshavener CDU-Oberbürgermeister Andreas Wagner zu denken geben, denn Kommunisten zählen zu den Erzfeinden seiner Partei!

Egal, Geld stinkt nicht und die paar Menschenrechte!

In den USA ist man ebenfalls nicht zimperlich, was Regimekritiker angeht. Bradley Manning droht lebenslange Haft und Edward Snowden verweilt auf dem Moskauer Flughafen, Reiseziel unbekannt und die demokratischen Vereinigten Staaten bestehen auf Auslieferung. Auch die Amerikaner kolportieren ihre eigenen Prinzipien, indem sie Terroristen auf Kuba, also auf dem Terretorium des Erzfeindes im Lager Guantanamo festhalten.

In Venedig gibt es auch Miesmacher, die den entarteten Immobilienspekulantenmarkt jeden Tag kritisieren. Der Film "Das Venedig Prinzip" zeigt die ungestüme alte adlige Dame Tudi Sammartini, die noch dort wohnt und "die die Stadtverwaltung mit Hohn überzieht".

Sie sagt von sich:
Zitat: " ... Ich prangere alles an, was schief läuft und selten und das wenigste läuft hier glatt und Schuld ist immer der Heilige Geist... "

Das Problem:
In Venedig leben z. Zt. noch 58.000 Menschen und täglich kommen 60.000 Touristen zu Besuch, Tendenz steigend. Immobilienmarkler kündigen die Mitverträge der Einwohner und verkaufen die Wohnungen. 2030, so wird geschätzt, wird dort kein Venezianer mehr leben. Der Film ist ein "Ein Lehrstück darüber, wie öffentliches Gut zur Beute einiger Weniger wird " und "ein Hohelied auf die letzten Venezianer, ihren Witz und ihr Herz".

Der Aufstand der Wenigen und nicht so gut organisierten Nörgler wird oft als überflüssige Kritik am falsch verstandenen Lokalpatriotismus gedeutet. Letztendlich ist er aber bitter nötig, wie auch die Kritik am Wilhelmshavener Containerhafenprojekt zeigt. Es sind längst nicht mehr immer die gleichen Gesichter, die das "Wilhelmshaven Prinzip" infrage stellen, wie eine Veranstaltung bei NDR-Info am 15. Juli 2013 zeigte. Das Wilhelmshavener Ratsmitglied Michael von den Berg  [Bündnis 90 | Die Grünen] sprach von einem Fehlstart des Containerhafen Wilhelmshaven und der neue Geschäftsführer Andreas Bullwinkel wiedersprach selbstverständlich, natürlich so, als wäre doch alles auf einem guten Weg, es bräuchte nur mehr Zeit, eine der Phrasen, deren Haltbarkeitsdatum nie enden wird.

Die neue Vermarktungsgesellschaft mit dem Namen "Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketing" zeigt schon im Namen die Widersprüchlichkeit des Unternehmens, denn bis heute konnte man sich nicht auf einen einheitlichen Namen einigen [Anm. d. Red.: "Container Terminal Wilhelmshaven" oder "JadeWeserPort" – wie denn nun] und wenn alles so gut läuft, warum braucht man dann einen neuen Geschäftsführer in einer neuen Public Relation Firma, die keine Webside hat und die auch nicht anders kann, als um Ladung zu betteln und sich den Bedingungen der Reeder unterzuordnen?

Russlands Politiker, die lokalen Mechanismen oder ähnlich "demokratische Systeme" mit Kritikerbändigungsmechanismen werden die Kritik jedoch nicht zu verhindern wissen, aber die Verblendung und Schönrednerei wird ebensowenig abebben.

Die Gegenwart zeigt sehr, wie sehr man sich an den Status Quo klammert, der da heisst, ewiges Wachstum", eine völlig absurde Theorie, mit der nur einige wenige zu Reichtum und Wohlstand gelangen. Freiwillig werden sie ihre Pfründe nicht aufgeben und ihre Eliten , d. h. ihre Organisatinen weiterspinnen, so lange, bis sich dieser entartete Neoliberalismus selbst "vor die Wand fährt".

Die jüngsten Datenskandale zeigen, wie sehr dieser Kontrollstaat, den George Orwell in seinem Buch "1984" beschrieb, schon in unserer demokratischen Gesellschaft implementiert ist.

Orwell beschrieb schon in seinem Buch "Farm der Tiere", das sich antidemokratische Systeme seltsame Tugenden auferlegen, die letztendlich zu deren Untergang führen.

Wilhelmshaven könnte durch den Ausschluss seiner Kritiker ähnliches passieren, wie Venedig und am Ende mit riesigen Containerschiffen am Pier leer stehen, und es regiert der Kommerz, dessen Tenor in der Not ist, für den Profit sogar noch die eigene Mutter zu verkaufen.

Boomtown wäre gut beraten, seine Kritiker nicht weiter als Aussätzige zu behandeln, sondern endlich ernst zu nehmen und "seine liebgewonnenen Mechanismen" zu ihrer Diskreditierung zurückzufahren, sonst steht eines Tages schon am Ortsschild: "Vorsicht: Klein Russland" und im Stadttheater läuft gerade "Der große Diktator" wiederholt in einer entarteten Form – gefühlt sind wir schon lange auf dem besten Weg.


Wolf-Dietrich Hufenbach
Dokumentarfilmer | Wilhelmshaven


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