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Nährsalze und Fäkalbakterien im Jadebusen
20|02|2013



Prof. Dr. Gerd Liebezeit bei einem Vortrag in der Fachhochschule von Wilhelmshaven [Bild Archiv].

"Baden Sie nicht in Wilhelmshaven, fahren sie lieber nach Spiekeroog"

Die Subüberschrift war das Ende eines Vortrages von Prof. Dr. Gerd Liebezeit vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres [ICBM] in Wilhelmshaven, dessen Forschungsschwerpunkt die Meereschemie ist. Seine Arbeit beinhaltet "vor allem Einträge und den Verbleib von Stoffen, die in die Meere gelangen".

Der Vortrag in Jever beim Verein Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltchutz e.V. [WAU] begann mit dem Themenkomplex Nährsalze, deren Ursprung vielfältig sein kann. Neben Kläranlagen sind Siele zur Binnenlandentwässerung Eintragsstätten, Mischwassereinleitungsstellen, wenn die Kanalisation von Städten überlastet ist, Schafe, deren wasserlösliche Stoffe im Kot ausgeschwemmt werden oder die sogenannte Saline aus der Kavernenproduktion, d. h. das Abfallprodukt das beim Ausspülen von Salzstöcken entsteht. Aber auch die Papierfabrik in Varel hat eine spezielle Einleitstelle und eine entsprechende Genehmigung für 1 Million Kubikmeter Abwasser pro Jahr.

Ein erheblicher Anteil an Eintrag von Nährsalzen kommt aus Vechta mit seiner Massentierhaltung über die Atmosphäre nach Wilhelmshaven und gelangt über den Niederschlag ins Wasser.

Das Hauptuntersuchungsgebiet in Liebezeits Vortrag war der sogenannte Jadebusen, also die Nährstoffeintragsstellen sozusagen vor der Haustür Wilhelmshavens.

Im Wasser regen diese Stoffe das Algenwachstum an, was zu einem erheblichen Problem werden kann, wenn sie absterben und zu Boden sinken. Das kann dazu führen, dass Bakterien, die die Algen zersetzen, den Sauerstoff aus dem Wasser entnehmen und somit regelrecht verbrauchen. In diesen sogenannten toten Zonen fehlt dann die Nahrungsgrundlage für die Fische, worunter dann wieder die Fischindustrie leidet, die dort nichts mehr fängt. Eine Sammelstätte für die Nährsalze bildet sich nördlich von Weser, Elbe und Jade und könnte sich, wie Berichte über die Ostsee zeigen, zu einem riesigen Umweltproblem entwickeln, wenn der Mensch der Masse und der Zusammensetzung der Nährsalze auch zukünftig wenig Beachtung schenkt.


An der Niedersachsenbrücke in Wilhelmshaven wurden wegen dem Bau des Containerhafens die Rohre seitlich verlegt, über die massiv Saline aus Frieslands Kavernenproduktion ins Meer entsorgt wird.

Die sogenannte Saline aus der Kavernenproduktion besteht hauptsächlich aus Kaliumchlorid, nicht zu verwechseln mit Natriumchlorid, das wir zum salzen unserer Speisen benutzen. Die Menge, die bei der Salzstockausspülung anfällt ist entgegen beschwichtigender Behördenausagen eher bedenklich, besondes in ihrer Menge und trotz des hohen Verdünnungsgrades des Meeres, dessen Hauptsalzbestandteil Natriumchlorid ist.

Ein weiteres Problem sind die sogenannten Fäkalbakterien aus Kläranlagen, Mischwassereinleitungen über Entlastungssiele und gewöhnliche Siele zur Entwässerung des Binnenlandes. Wer glaubt, in Kläranlagen würden auch Fäkalbakterien "aussortiert" irrt. Neben den Mischwasserabschlägen, also den Einleitstellen von ungeklärten häuslichen Abwässern oder ungeklärten Krankenhausabwässern bei Starkregen, werden die Fäkalbakterien in Kläranlagen ebenfalls nicht "entsorgt". Über die städtischen Einrichtungen fliesst ein Vielfaches der sogenannten E.coli Bakterien ins Meer, als über die Mischwasserentlastungsstellen, wie z. B. an den Südstrand von Wilhelmshaven - auch während des Badebetriebes im Sommer.

Wilhelmshaven hat entgegen der Aussagen der Wilhelmshavener Behörden ein massives Fäkalbakterienproblem. Die E.coli Keime haften an Bestandteilen im Wasser, können bis zu einen Monat "überleben" und verursachen z. B. Durchfall oder Brechreiz. Die Fäkalbakterien, Bakterien, die wir alle in uns tragen und die durch die Wilhelmshavener Kläranlage wandern, könnten relativ kostengünstig mit ultraviolettem Licht eleminiert werden, was in Wilhelmshaven noch nicht geschieht.

Die Herkunft der Keime aus der Wilhelmshavener Zentralkläranlage im Jadebusen, und natürlich auch am Südstrand von Wilhelmshaven, konnte durch Messungen nachgewiesen werden.

Mit dem Banter Siel, über das ungeklärte Abwässer bei Starkregen ins Meer an den Wilhelmshavener Südstrand abgepumpt werden, hat Wilhelmshaven ein ganz besonderes Problem, da die Bakterien nicht, wie die Behörden immer wieder gerne versichern, mit der nächsten Ebbe verschwinden. Im Gegenteil, sie kehren mit dem auflaufenden Wasser, also der Flut, wieder zurück.

Die Messmethoden, die Prof. Dr. Gerd Liebezeit anwendete, um die Konzentration der Fäkalbakterien zu messen, bestand darin, 100 ml dem Wasser zu entnehmen und die Keime auszuzählen. Das offizielle Wilhelmshavener Messverfahren unterscheide sich aber und käme in der Bewertung zwangsläufig zu ganz anderen Ergebnissen. Hinzu kommt, dass die neuerlich abgesenkten Grenzwerte der EU in Niedersachsen nicht angewendet werden. Laut Aussage von Dr. Gisela Gerdes, einer Mitstreiterin der Bürgerinitiative "Die Kaiserlichen KanalarbeiterInnen", die sich auch unter den etwa 50 Zuhörern des Liebezeit Vortrags befand, liegen die niedersächsischen Werte etwa acht bis zehnmal so hoch, wie die Grenzwerte der EU.


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Die Grafik zeigt, wie sich das Wasser, das aus der Kläranlage kommt, im Jadebusen verteilt. Zusätzlich muss man wissen, dass sich das verunreinigte Wasser durch Ebbe und Flut hin- und herbewegt. Durch den mehrfachen Eintrag von Keinem besteht fast permanent die Gelegenheit, am Südstrand von Wilhelmshaven Bekanntschaft mit Fäkalkeimen zu machen.

Die Fäkalbakterien verbleiben in Ufernähe, entgegen behördlicher Aussagen oder denen einiger Kommunalpolitiker, die den Verdünnungsgrad als Massstab für eine gefühlte Unbedenklichkeit heranziehen.


Dr. Jens Graul, Kultur- und Umweltdezernent Wilhelmshavens [Anm. d. Red.: ...noch!].

Liebezeit widmete in diesem Zusammenhang auch dem Wilhelmshavener Kultur - und Umweldezernenten Dr. Jens Graul ein Kapitel in seinem Vortrag.

Besonders der Satz:
Zitat: " ... Wenn es keine Mikroskope gäbe, würde man gar nichts sehen. ... "
[Quelle: Video Extra 3 | Gequirlte Scheisse | 2007]
ist ihm im Gedächnis geblieben, weil nicht der Verursacher angeprangert wird, sondern die Wissenschaftler mit ihren Messinstrumenten.

Auf die abschliessende Frage, ob man seine Enkelin ohne Bedenken baden gehen lassen könne oder ob er selbst im Jadebusen schwimmen geht, antwortete er, dass er selbst tropenverwöhnt wäre und in kein Gewässer unter 25°C steigt. Er fügte noch hinzu, dass er den Jadebusen nicht als Badegewässer empfiehlt, sondern dass man lieber nach Spiekeroog fahren sollte.

Somit wäre aus einer weiteren Quelle geklärt, dass die Fäkalbakterien wohl doch eher ein Badewasserproblem sind und bleiben werden, trotz der im Bau befindlichen und städtischerseits vielgepriesenen Druckrohrleitung, die das ungeklärte Schmutzwasser direkt an der Zentralkläranlage vorbei leitet, um es dann nur an anderer Stelle [Heppenser Siel] weiterhin ungeklärt ins Meer zu pumpen.


Wolf-Dietrich Hufenbach
Dokumentarfilmer | Wilhelmshaven

Links:
wau-jever.de
Prof. Dr. Gerd Liebezeit
Die Kaiserlichen KanalarbeiterInnen

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