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Thatcher
15|04|2013



Beliebt und verhasst zugleich, die ehemalige Premierminsterin Margaret Thatcher.

"Über Verstorbene nichts Schlechtes"

Ist das der Grund, daß führende Meinungsbieger der deutschen Presse so voll des Lobes sind? Kann man nicht einmal eine Ausnahme machen? Der Ehrlichkeit wegen.

Der Tod von Margaret Thatcher wird in ihrem Heimatland vom sogenannten einfachen Volk begeistert gefeiert. Die Leute versammeln sich zu Hunderten und singen: "Ding dong the Witch is dead". Sind die alle ohne Pietät und Takt, oder haben sie gute Gründe für ihre inoffizielle Freude?

Auf facebook schrieb jemand:
"Möge sie in der Hölle schmoren". Das klingt schlimm und herzlos. War die Lady wirklich so verheerend? Einer der Feiernden begründete seine Teilnahme an der Party damit, daß Thatcher "unserem Land so viel Schaden zugefügt hat". Die Profiteure zeigen ihr ehrenvolles Trauergehabe, die Betrogenen feiern. Und Helmut Kohl verneigt sich tief.


Ein Leserkommentar auf bild.de blickt bereits in die Zukunft und meint:
"Ähnliches wird sich wohl auch hier in Deutschland abspielen, wenn Leute wie Kohl und seine "Ziehtochter" das Zeitliche segnen. Ich werd jedenfalls ein Fass aufmachen."

"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder ..."
Woran liegt es nur, daß Menschen, die aus einfachen Verhältnissen zu Macht gelangen, die dort verbliebenen so gern mit Füßen treten? Sie nennen es Strukturreform, wenn andere den Halt verlieren.

Margaret Thatcher gilt als Mutter des Neoliberalismus. Sie war die Erste, die die soziale Gesetzgebung "deregulierte". Das, was man in Deutschland unter Schröder und Fischer "Reformen" nannte und die dann alle, die keine Arbeit fanden, weil keine da war oder niemand sie bezahlen wollte, in die Sozialhilfe zwangen.

Sie hat das, was allen gehörte, zum Besitz einiger weniger gemacht. Ihrer Privatisierungswelle zum Opfer fielen Englands Trinkwasserversorgung, die Elektrizitätsunternehmen, British Telecom, die Fluggesellschaft British Airways und BP, also Staatsunternehmen, die sie nur im Sinne der Staatsbürger zu verwalten beauftragt war.

Sie hat eigentlich alles verhökert, wofür Generationen gearbeitet haben.

Zu ihren Raubzügen gehörte auch die englische Eisenbahn, British Rail. Die Regierung Thatcher hatte in den 80er Jahren beinahe alle ehemaligen Staatsbetriebe verkauft, ausgenommen das Schienennetz. Dann, 1992, sahen es die Konservativen als ihre Pflicht an, auch die Eisenbahnen zu privatisieren. Viele Strecken waren bereits stillgelegt worden, 2363 Bahnhöfe geschlossen. Die privatisierte Bahn erhöhte massiv die Preise, investierte nicht mehr in den technischen Bestand und wurde weltberühmt durch Unfälle und Verkehrszusammenbrüche. Gewinnsucht ging vor Sorgfaltspflicht.

Diese staatliche Form der Hehlerei ist heute der dünne Blutersatz, der das Scheinleben der FDP durchpulst.

Margaret Thatcher ist die Mutter der Finanzkrise. Die "Liberalisierung" des Finanzsektors  wurde von ihr durchgesetzt und fand eifrige Nachahmer auch in Deutschland. Das von ihr deregulierte, britische Bankwesen war der Start für den heutigen Casino Kapitalismus, mit den von der Realwirtschaft abgekoppelten Finanzblasen.

Sie ist auch die Mutter des "TINA"-Prinzips, "There is no alternative", das es in Deutschland als "alternativlos" bis zum Unwort des Jahres geschafft hat.

"Es gibt keine Alternative" floskelte bis zum Unwortsieg über jeder noch so verdrehten Entscheidung, begründete Sozialkahlschlag und Bankenrettung, duldete keinen Widerspruch. Die eiserne Lady ist selbst für bleierne Enten eine Inspirationsquelle.

Als Margaret Thatcher in den Krieg zog bestand sie darauf, daß ein original Schlachtenmaler an Bord war, um das heroische Geschehen vor den Falklandinseln in Oel zu bannen. Napoleon mit Handtasche. Vielleicht hängen die Schinken immer noch in Camerons Büro. In Argentinien betrachtet man sie als Kriegsverbrecherin, weil sie ohne Not den Befehl zum Versenken des Kriegsschiffes „General Belgrano“ gegeben hatte – und damit 323 Menschen in den Tod schickte.

Sie bekämpfte die Homosexualität, zerschlug die Gewerkschaften, ruinierte den öffentlichen Sektor durch Privatisierung, insbesondere den Nationalen Gesundheitsdienst. Gesellschaftliche Werte, auch die imateriellen, waren ihr gleichgültig. Die Arbeitslosenquote stieg auf über 12 Prozent und die Kriminalitätsrate erhöhte sich um 70 Prozent - wer nichts zu beißen hat, geht klauen - und die Polizei wurde militarisiert.

Sie war gegen die atomare Abrüstung und von einer Wiedervereinigung Deutschlands hielt sie gar nichts. Dem Diktator Pinochet war sie sehr freundschaftlich verbunden, aber in Nelson Mandela sah sie einen Terroristen.

Als sie für alle Briten die Kopfsteuer einführte, lief das Faß über, und man schmiß sie endlich raus.

Der Spiegel schrieb im März 1991:

„Um die ihr nahestehenden Haus- und Grundeigner zu erfreuen, hatte Frau Thatcher die Kommunalsteuer mit der ihr eigenen Radikalität reformiert. Nicht mehr der Immobilienbesitz diente als Rechnungsgrundlage, sondern die Zahl der Bewohner. Plötzlich zahlte der reiche Alleinbewohner einer Villa genausoviel Abgabe wie jeder einzelne Erwachsene in einer mehrfach belegten Mietwohnung. Das Volk reagiert mit anhaltender Verbitterung auf die eklatante soziale Ungerechtigkeit. ..."

Die Poll Tax verlangte von jedem Steuerpflichtigen den gleichen absoluten Steuerbetrag, ohne Rücksicht auf persönlicher Verhältnisse wie Einkommen, Vermögen, Familienstand, Leistungsfähigkeit oder Gesundheitszustand.

Es gibt auch Befürworter dieser Steuer. Sie sind der Meinung, das würde die Wirtschaft ankurbeln, weil nur mit einem festen Steuerbetrag wirtschaftliche Aktivität nicht steuerlich bestraft würde. ...

Wem das alles so rotgrün und schwarzgelb vorkommt und wer den Verdacht nicht unterdrücken kann, irgendwie von Thatcherzombies umzingelt zu sein, dem sei gesagt, er ist es. Nur heißen die anders, sind in allen Parteien - und sie klonen sich ständig neu. Die Thatcheritis hat das ganze europäische Festland durchseucht. Und nicht nur die politischen Parteien.

Gerade von Deutschland geht ein neoliberaler Impuls aus, der die Menschen in den Europäischen Ländern empört und zu Hunderttausenden auf die Straße treibt.

In einem Interview mit dem "Spiegel" sagte Margaret Thatcher 1993:
"Ihr Deutschen wollt nicht Deutschland in Europa verankern. Ihr wollt den Rest Europas in Deutschland verankern." Ob sie da wohl schon Merkel und Schäuble im Blick hatte? Daß "Bonnie and Clyde" ohne einen Schuß, bisher, die ganze EU dominieren und plündern und das ausgerechnet mit Thatchers neoliberalen Methoden, wird die eiserne Lady noch zum Spuken bringen.

„Man kann nicht sagen, dass sie außenpolitisch irgendwie erfolgreich gewesen wäre“, sagte Hans-Dietrich Genscher im Sender WDR 5 über Frau Thatcher. Er verkennt, daß der neoliberale "Krieg" die Außenpolitik bestimmt und übersieht die millionenfachen Kollateralschäden die er anrichtet, schon angerichtet hat. Denn die heutige Politik in Europa, der marktradikale Wahnsinn, dem sie zum Durchbruch verhalf, kennt keine Grenzen.

«Möge die Eiserne Lady in Frieden rosten» schreibt "Die Wochenzeitung":
"Margaret Thatcher hat vor allem zerstört und das Neue, das sie schuf, ausschliesslich den Reichen und Mächtigen zukommen lassen. Sie hat das Sozialgefüge Britanniens demontiert, die Wirtschaft deindustrialisiert, Kriege vom Zaun gebrochen, die Demokratie ausgehöhlt, Millionen ins Elend gesetzt, ganze Landstriche entvölkert. ..."

Und die WOZ fügt hinzu:

Sie hat "die Eliten verhätschelt, einen permanenten Klassenkrieg von oben geführt – und all jene kollektiven Organisationen zerstört, die ihr im Weg standen."

[Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind rein zufällig]

Frau Thatcher ist nicht mehr, aber ihr Erbe geistert weiter. Das Virus ist freigesetzt und verseucht die Welt. Die Profiteure verneigen sich, die Entrechteten singen und tanzen: "Ding dong the Witch is dead."

Die Massendemonstrationen in Spanien, Portugal und Griechenland versprechen, daß das Lied als Kondulenzgesang noch eine große Karriere vor sich hat.

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Wilhelm Schönborn
Investigativer Rentner

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Kommentare

Bettina Richer | Wilhelmshaven
Wilhelm Schönborns Einschätzung der Politik der Frau Thatcher kann man nur unterstreichen. Allerdings stimmt es nicht, dass die gesamte deutsche Presse jetzt nach dem Motto "de mortuis nil nisi bene" [über die Toten nur Gutes reden] in Lobgesänge auf die Verblichene ausbricht. Die Süddeutsche Zeitung jedenfalls hat sich sehr kritisch geäußert und auch die teilweise brutalen Kommentare britischer Thatcher-Gegner veröffentlicht. Von der hiesigen Lokalpresse kann man so etwas natürlich weniger erwarten.



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