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Knapp vorbei ist auch daneben
04|12|2015



Auch im Rahmen des JadeWeserPort wurden Arbeitsplatz- und Wachstumsversprechen gemacht, die bis heute jeder Realität entbehren.

Der Allgemeine Wirtschaftsverband Wilhelmshaven-Friesland-Wittmund e.V. [AWV] hat sich ´mal wieder positioniert und verrät uns, dass es zu teuer ist, sich in Wilhelmshaven anzusiedeln, weil die Gewerbesteuern zu hoch sind.

Wenn sich keiner mehr ansiedelt, gibt es auch kein weiteres Wachstum. Das geht laut AWV-Denke zu Lasten der Arbeitsplätze, denn ohne Unternehmer kein Arbeitsplatz.

Und schon haben wir Angst. Wovor eigentlich?

Ein kleiner Blick zurück

Früher war das ´mal so, denn da gab es echtes Wachstum. Da mussten die Länder ihre Städte wieder aufbauen, die im Krieg zerstört wurden.

Nach dem Wirtschaftsboom entwickelte sich die Konsumgesellschaft, in der künstliches Wachstum als echtes geprägt wurde. Hinzu kam die Wegwerfmentalität, um den Effekt des "immer mehr und vor allen Dingen neu kaufens" zu verstärken. Originäres Wachstum, dass sich immer mehr verminderte, wurde dadurch ersetzt. Es wurde immer weniger repariert, ausgeliehen oder Gebrauchtes in den Kreislauf der Konsumenten wieder eingebunden. Weil kein echtes Wachstum mehr existiert, so wie wir es einmal kannten, entwickelten sich millionen- oder milliardenschwere "Leuchtturmprojekte", damit die Bauwirtschaft nicht flächendeckend Insolvenz anmelden musste.

Durch diesen künstlichen Prozeß wird versucht, Wachstum bis heute aufrechtzuerhalten.

Dadurch nährt man auch die These, dass immer mehr Arbeitsplätze nur durch immer mehr Wachstum entstehen, aber auch den Glauben es ginge immer so weiter.

Verwerfungen

Mehr und mehr wird deutlich, dass die Arbeitsplatzversprechen ohne künstliches Wachstum unhaltbar werden. Allmählich wurde das Wort "Arbeit" durch "Job" ersetzt. Die Arbeitswelt verändert sich zusehens und die Arbeitnehmer sind zu einer verhandelbaren Masse geworden.

Wenn man es noch krasser ausdrücken möchte und die Globalisierung mit ins Boot holt, werden die Induvidien entmenschlicht.

Die Industrie, die sich ehemals zum Heilsbringer in Sachen Arbeitgeber aufspielte, trägt mehr und mehr dazu bei, dass sich die Anzahl der Arbeitsplätze verringert. Automatisierung, Roboter, Effizienzsteigerung oder Restrukturierung sind Signale, dass es zukünftig weniger Arbeitsplätze geben wird und münden unternehmerisch betrachtet in einer gesteigerten Gewinnmaximierung, weil weniger Arbeitnehmer bezahlt werden müssen.

Um jeden Preis

Zur Profitsteigerung gehören auch günstige Rahmenbedingungen, wie die Gewerbesteuer, die, ist sie besonders niedrig, nichts anderes als eine Subvention ist.

Unternehmer wünschen sich Steuern und Abgaben gerne auf einem möglichst niedrigen Niveau, so dass viel Überschuss in der Kasse einer Firma oder einem Betrieb übrig bleibt.

Es entsteht ein zähes Ringen um Geld, das eine Stadt benötigt, die den Unternehmen und Betrieben eine Infrastruktur zur Verfügung stellen muss und dem, was ein Arbeitgeber letztendlich zu zahlen bereit ist. Die Arbeitnehmer werden dabei zum Spielball. Drohungen machen die Runde, d. h., Arbeitnehmer senden ihrerseits Signale in die Öffentlichkeit um anzuzeigen, dass sie auch bereit wären, die Stadt zu verlassen, wenn die Steuern nicht gesenkt würden. Das hätte zur Folge, dass sich in einer Stadt langfristig die Anzahl der Arbeitsplätze verringert.

Parallel zu diesem Streben nach Wachstum gibt es aber auch negative Effekte, denn die Umwelt kommt in dieser schönen Rechnung nicht vor. Artensterben und massive Umweltschäden sind die Folge einer zügellosen Expansion der Wirtschaft. Firmen und Industrie leisten inzwischen in fast jedem Bereich massive Lobbyarbeit, und diktieren den Politkern ihre Wünsche auch ´mal gern direkt per Fax in den Gesetzestext.

Ob das so gut für die Bürger ist, darf mit Recht bezweifelt werden, wenn man sich die jüngste Kreation der Wirtschaft mit dem Namen TTIP ins Gedächnis ruft. Hier recherchierten die Gegner des sogenannten Freihandelsabkommens zwischen Europa und den USA, dass damit grundlegende demokratische Strukturen und damit auch grundlegende Rechte ausgehebelt werden.

Zum reinen Irrsinn wird TTIP, wenn man sich vorstellt, dass Unternehmen ganze Länder auf Gewinnausfall, also Entschädigung, verklagen können, obwohl noch nicht einmal eine Fabrik gebaut worden ist.

Lobbyismus

Um Forderungen von Arbeitgebern artikulieren zu können, formiert man aus gleichgesinnten eine Lobby, die z. B. in einem Arbeitgeberverband wie dem AWV mündet.

Dieser Zusammenschluss und das was artikuliert wird, ist aber keine Garantie für wahrheitsgemäße Aussagen, sonst würden steigende Gewinne mit steigender Anzahl von Arbeitsplätzen korrespondieren.

Eine niedrige Steuervariable oder Subventionen sind also keine automatische Garantie für noch mehr Industrieansiedlungen oder für eine automatische Expansion von Firmen oder Betrieben.

Im Vordergrund des Interesses steht vielmehr der reine Gewinn, oftmals verbunden mit der Gier nach immer mehr. 

Die Zeiten ändern sich

Die bittere Realität ist jedoch, dass wir zukünftig immer weniger Arbeitsplätze haben werden. Die Rationalisierung hört sich zwar gut an und der Einsatz von Maschinen zur Arbeitserleichterung auch, aber diese fortschreitende technische Entwicklung fordert auch ihren Tribut.

Was der AWV verschweigt, ist eine unaufhaltsame Entwicklung, die in den nächsten 20 - 25 Jahren zu massiven Arbeitsplatzverlusten führen wird.

Ansatzweise kann man auch schon in Wilhelmshaven Veränderungen erkennen. In der Südstadt von Wilhelmshaven dürfen sich ein Jahr lang Jungunternehmer in dafür kostenlos zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten ausprobieren. 

Ob es sich Politiker leisten können, künstliches Wachstum durch schön skizzierte aber zweifelhafte Leuchtturmprojekte aufrecht erhalten zu können, darf bezweifelt werden.

Immer mehr Menschen wehren sich gegen Bauvorhaben, deren Sinn letztendlich darin besteht, künstlich Wachstum zu generieren.

Cradle to Cradle

In der Formel "von der Wiege bis zur Wiege" liegt ein gewaltiges Stück Zukunft, das die Wirtschaft, die wir jetzt kennen, revolutionieren könnte, wenn sich diese Einstellung zukünftig gesellschaftlich durchsetzen lässt.

Die Lobbyisten, die sich jetzt noch als Heilsbringer auf der Basis von ewigem Wachstum als zweifelhafte Arbeitsplatzretter aufspielen, werden dann automatisch mehr und mehr an Bedeutung verlieren, auch der AWV.

Arbeitgeber in Arbeitgeberverbänden sind gut beraten, nicht immer automatisch die Angstkeule als Druckmittel vermischt mit überholten Wirtschaftsvorstellungen getarnt als Pressemitteilung unters Volk zu streuen. Es gilt die sichtbaren Zeichen einer sich wandelnden Wirklichkeit zu erkennen und zu akzeptieren.

Die Forderung nach immer günstigeren Rahmenbedingungen durch die Arbeitgeber wird nicht die Zukunft sein, sondern eher der Mut zu einem grundlegenden Gesellschaftswandel, der nichts mehr mit dem Wachstum zu tun haben wird, das immer noch gegen jedwede Vernunft gepredigt und realisiert wird.

Ahoi! - Empört Euch!


Wolf-Dietrich Hufenbach
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