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Stadtbaurat Kottek zieht Bilanz
21|01|2011



Klaus-Dieter Kottek während seines Vortrages beim Ortsverein West [SPD].

Wilhelmshavens Stadtbaurat referierte im SPD Ortsverein West über die Stadtentwicklung.

Zu Beginn seiner Ausführungen sprach Klaus-Dieter Kottek über die Ausrichtung der Stadt als Vorrangstandort für Kraftwerke, Chemiebetriebe, Raffinerieen, Häfen und natürlich hafenaffine Wirtschaftsbetriebe.

Dann folgte ein Statistiküberblick, der verrät, dass in Wilhelmshaven die Bevölkerung sichtbar schneller altert und auch die Bevölkerungszahl deutlich schneller sinkt. Vor 4 - 5 Jahren war man noch deutlich euphorischer, denn es kündigten sich Investitionsvorhaben von etwa 5 Milliarden Euro an. Inzwischen gab die Firma INEOS ihre Pläne für einen eventuellen Neubau auf, Eon baut das angekündigte Kraftwerksprojekt 50 Plus wegen technischer Schwierigkeiten nicht und die Zukunft der Wilhelmshavener Raffinerie steht in den Sternen.

Übriggeblieben aus dem angkündigten Investitionspool seien der Kohlekraftwerksneubau, der im Bau befindliche Containerhafen [CTW] und die Niedersachsenbrücke, an der nach ihrer Überholung und Fahrrinnenanpassung auch größere Schiffe anlegen können, was eine Kostenersparnis für die jeweiligen Reeder bedeutet und die Attraktivität für potentielle Kunden erhöht, wenn sie denn kommen.

Die Zukunftsentwicklung des im Bau befindlichen CTW sei nicht vorhersehbar und die Flächen hinter dem eigentlichen Hafengelände für eventuelle Investoren werden erst dann erschlossen, wenn auch klar ist, ob sie auch kommen, was für etwa 140 ha gilt. Man geht sozusagen vom "worst caste" aus, also vom schlechtesten Fall, d. h. erst selbst investieren, wenn die Interessenten auch wirklich investieren wollen.

Auch die versprochene Anzahl der Arbeitsplätze im Containerterminal, die einmal mit 3.500 angegeben wurden [Anm. d. Red.: ... und noch mit viel mehr] sei nicht prognostizierbar. Damit ist die Einnahmequelle Hafen ein fragiles Instrument, was darauf hinweisen könnte, das leisere Töne vor der Wahl auf dem städtischen Abarbeitungsplan angeschlagen werden, damit man die WählerInnen nicht vollends enttäuscht, wenn dann doch der "worst case" eintritt.

Nachverdichtung steht ganz oben auf dem Zukunftsplan der Stadt und so plant man neue Wohn- und Baugebiete. Im Stadtteil Sengwarden will man auch darauf achten, dass nicht zuviele Wilhelmshavener aus dem Stadtzentrum abwandern, d. h. vorrangig will man orstnahe Bewerber in die Auswahl einbeziehen.

Aber es gäbe neben dieser Negativentwicklung auch positive Nebeneffekte, wie z. B. einen Investor aus der Windenergiebranche, der auf der sogenannten Schleuseninsel [längst bekannt] in den ehemaligen Schleusenbecken Potential sieht, die Gondeln von Windkrafträdern zu reparieren und damit zu warten. Das Gelände eigne sich dazu, da es seeseitig und vom Innenhafen erreichbar ist. In diesem Zusammenhang sprach er von der möglichen Realisierung eines "kleinen JadeWeserPorts", der wahrscheinlich auf der Seeseite verwirklicht werden würde, und dann, im Weltnaturerbe Wattenmeer, für Schiffe gut anfahrbar wäre.

Feststehen würde das aber nicht, lediglich ein Investor hätte für dringend benötigte Flächen Interesse bekundet und man könne noch gar nicht abschätzen, was auf der Schleuseninsel wirklich einmal verwirklicht wird.

Kottek ist seit kurzem Chef der sogenannten Grundstücke und Gebäude Gesellschaft Stadt Wilhelmshaven [GGS], von der im letzten Jahr lediglich ein Grundstück verkauft worden sei. Deshalb will man jetzt eine bundesweite Grundstücksoffensive starten, eine Kampagne mit Internetauftritt und Anzeigen z. B. in der Tageszeitung "Die Welt". Die oldenburger Kommunikationsagentur Stockwerk 2 soll es nun richten, was in den voherigen Jahrzehnten mit mindestens zwei Kampagen nicht klappte, so wie die Jadebay, die die Wirtschaftswerbung gebündelt abarbeiten soll, die in den Jahren vorher nach diversen Versuchen nicht fruchtete.

Thalen Consult wird das wie immer für die Stadt koordinieren, der Partner, der auch vorher für die Stadt in Erscheinung trat und wir sind echt gespannt auf das neue Ergebnis. Das Verhalten der Stadt Wilhelmshaven wirkt immer wie ein Déj?-vu, etwas, was man schon kennt, ein Aprilscherz und ganz genau wie etwas, das zum x-ten Male aufgewärmt und nur anders verpackt wurde, damit es möglichst schmackhaft aussieht.

In Zusammenarbeit mit den derzeitigen Großinvestoren verspricht man sich in einer Art Synergieeffekt, das mögliche Investoren nicht ins Umland abwandern. Die Konkurrenz ist eben beinhart und der Haushalt Wilhelmshavens schwer angeschlagen. Ob das Konzept jemals aufgeht erhofft man sich, sicher ist das aber wie immer nicht.

"Wir haben das Angebot und die Infrastruktur, deshalb die Offensive," fügte Kottek hinzu.

In Zukunft will man weg von der Fremdanmietung. Das Gymnasium am Mühlenweg wird hier als Beispiel angeführt, d. h. die Stadt baut einen Bildungscampus und die GGS stellte fest, das sich dies für die Stadt [Laufzeit 50 Jahre] durch die Aufgabe anderer Schulstandorte rechne. Karlheinz Föhlinger hatte schon vor etwa einem Jahr gefordert, die Realisierung wegen der Bevölkerungsentwicklung zu überdenken und bekommt jetzt recht, da das Gymnysium etwas kleiner verwirklicht wird.

Die Jadeallee soll zum optischen Hoffnungsträger für die Südstadt werden, um die herum Wilhelmshaven förmlich aufblühen soll. Ein Kreisel, der an Stelle einer Kreuzung gebaut wurde, so Kottek, schafft Entlastung beim Verkehrsabfluss. Das daneben liegende Gelände, die ehemalige Prince Rupert School, soll vorwiegend für wassernahe Wohnbebauung genutzt werden, auch südlich des Banter Sees, wobei das jährlich auftretende Blaualgenproblem zunächst gelöst werden müßte, denn wer will schon an einem stinkenden See wohnen oder Freizeit oder seinen Ruhestand verbringen.

Darauf angesprochen, ob das Gelände der ehemaligen Prince Rupert School immer noch so verseucht wäre entgegnete Kottek, das dem nicht so wäre. Die Häuser auf "Stelzen", wie im Heimatblatt vor einigen Tagen veröffentlicht, würden nur deshalb so hoch gebaut, damit man dann einen schöneren und attraktiveren Ausblick hätte. Inzwischen weiß man sehr genau, was sich im Erdreich befindet wie z. B. Hausmüll und von einer Giftigkeit des Bodens kann gar keine Rede sein.

"Man könne auch 30 Zentimeter Erde draupacken und gut is" so seine Worte.

Ein Gutachten aus dem Jahre 1989 sagt aber ganz anderes und auf dem daneben befindlichen Gelände, auf dem heute das Columbia Hotel steht, wurden völlig überraschend noch gefüllte Schwerölleitungen entdeckt und mühsam entsorgt. Nach dem Krieg sprengte man einen Öltank samt Inhalt und bis heute ist der Boden auf dem ehemaligen Prince Rupert School Gelände [ehemalige U-boot-Kasernen] schwer kontaminiert.

Raymond Kiesbye, der "Tourismuschef" Wilhelmshavens, gab Mitte letzten Jahres auf einer Veranstaltung zu verstehen, das man dort höchstens Parkplätze bauen könnte.

Wilhelmshavens Visionäre sollten sich das mit der Wohnbebauung noch einmal gut durch den Kopf gehen lassen und nicht wieder Träume spinnen, die jeder Realität entbehren - das nervt langsam.

Die Kaiser Wilhelm Brücke, Wilhelmshavens Wahrzeichen, ist doch wesentlich maroder, als vermutet und deren Restaurierung wird sich verlängern. Bis zum Oktober soll die Nordseite durch sein, so die Planung, damit man nicht im Winter arbeiten muß, was durch die Beheizung der geschlossenen Einhausung teurer würde. Die Arbeiten werden wegen der Gefahr von nicht auszuschliessenden Altlasten an der Brücke fachgerecht entsorgt. Ende Januar sei ein Pressetermin geplant und im März sollen die Arbeiten der Öffentlichkeit vorgestellt werden, damit sich auch die ein Bild machen kann.

Der Banter See ist wie beschrieben ein schwieriges Kapitel und die Stadt mit der Behebung des Blaualgenproblems überfordert. Ein Institut, von drei zur Auswahl stehenden, soll diese Arbeit in Zukunft übernehmen.

Das Hertie-Kaufhaus soll auch einer Nachnutzung zugeführt werden. Der Verwalter [ein sogenannter Fonds] wurde angeschrieben, weil der Bestandsschutz bald auslauen würde, woraufhin dieser aktiv geworden sein soll. Allerdings handle es sich nur um zwei Etagen des Gebäudes. Angefragt wurde auch, ob man den Fußüberweg zur Nordseepassage unter der Fußgängerbrücke verglasen könne. Das würde zwar nicht sehr gut aussehen, aber möglich sein, auch mit dem Autoverkehr, der dann irgendwie mit dieser angefragten Verglasung kombiniert werden müßte - warten wir mal ab, wie solch eine eventuelle Lösung aussehen könnte - wir sind gespannt.

Die Hydraulik Pneumatik Kontor Jade GmbH [HPKJ] zieht von der Bismarckstraße in die Südstadt, auf das Gelände des ehemaligen Schlachthofes, um dort erweitern zu können und auch damit sie nicht aus Wilhelmshaven abwandert.

Das ehemalige Bauernhaus an der Kirchreihe wird von der Gemeinnützigen Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit mbH [GPS] für behinderte Kinder umgebaut. Der ehemalige Investor, die Firma Cornelius, soll laut Kottek mit der Finanzierung nicht vorangekommen sein und jetzt zusammen mit dem Lieblingsprivatinvestor der Stadt Wilhelmshaven, Bodo Behnke, das angefangenen Bauvorhaben vollenden.

Viele in der Runde [es war mit 39 TeilnehmerInnen übrigens sehr voll und eng] dachten natürlich sofort an die ehemalige Schule Neuende die so betrachtet wesentlich besser geeignet scheint, als das beschriebene Bauernhaus. Klaus-Dieter Kottek meinte, dass kein Konzept für die Nachnutzung der ehemaligen Grundschule vorhanden sei und das sich die GGS auch keines einfach so "schnitzen" könne. Das deutet natürlich auf die Weisungsbefugnis von Rat und Verwalltung hin und ohne Konzept keine Nachnutzung, sondern, wie von einer Stadt ohne Geld: verkaufen.

Das Kaufland Gelände dümpelt vor sich hin, weil der Investor feststellte, dass er doch Pfähle in die Erde verbringen muß, um dort seinen Supermarkt auf eine solide Basis stellen zu können. Kottek sagte, dass die Stadt sich mit einem Betrag an den Rammarbeiten beteiligen muß, was vorher mehr oder weniger geleugnet wurde.

Insgesamt betrachtet wirken die Ausführungen nicht wie ein Konzept, das sichtbar macht, wohin die Reise, d. h. der genaue Umbau Wilhelmshavens, hingeht. Zuviele wirtschaftliche Unsicherheiten lassen die Projekte wie einen Strohalm erscheinen, an den man sich nun klammert, da die Kritik an Wilhelmshavens Politgrößen immer lauter wird.

Es klingt so, als müsse man sich vor den Wahlen etwas einfallen lassen, nicht mehr ganz so großartig, wie die Schlagzeilen aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten, das aber dennoch als sichtbares Zeichen des "wir machen etwas" wahrnehmbar sein soll.

Die Stadt sieht mit ihrer kontinuierlichen "Patchwork-Politik" einer ungewissen Zukunft entgegen, trotz verbliebener Großprojekte, daran ändert auch der Vortrag Kotteks nichts. Zu viele Ungereimtheiten durchziehen den Versuch, Wilhelmshaven wieder nach vorne zu bringen. Sehr skeptisch macht einen, dass man wieder mit den ausgelutschten Vokabeln hausieren geht und sich nicht eingesteht, dass ein politischer Wechsel dringend nötig ist, damit der Mief des ewiggleichen aus Wilhelmshaven entweichen kann.

Wir konnten nicht alles erschöpfend erläutern, besonders nicht für unsere Leser "umzu" aber andere Städte machen es Wilhelmshaven vor und verwandeln Ruinen, wie z. B. in Bochum, zu einer Jahrhunderthalle, während in "Boomtown" die Südzentrale, gleich neben der Kaiser-Wilhelm-Brücke, förmlich vergammelt oder wie jetzt zu befürchten die ehemalige Grundschule Neuende, während für den Kanzlerinnenbesuch ein Fünftel [100.000 Euro] des Wirtschaftsförderungsetats ´mal eben so von der CDU geopfert wird, weil so ein Besuch aus dem Kanzleramt natürlich über die Stadt hinausstrahlt und unglaublich rentierlich sein wird.

Andere "Maritime Konferenzen" sind ebenso wirkungslos verblasst, wie auch die kommende verblassen wird, das ist so sicher, als wenn man eine Klimakonferenz abhält oder in Heiligendamm einen Gipfel.

Das angesprochene Unwohlsein der "Wilhelmshavener Vorstellungen" liegt sicherlich nicht an der Person Kottek, sondern an den aufgehübschten und längst bekannten Konzepten und den Steuerungsinstanzen aus Verwaltung und Rat, sowie denen, die immer noch und immer wieder im Hintergrund wirken, das ist zu offensichtlich. Die BürgerInnen werden nach wie vor nur ganz ganz selten, wenn überhaupt einmal, in das Geschehen eingebunden.

Wilhelmshaven braucht dringenst eine "Luftveränderung", das war auch während und nach dem Vortrag deutlich zu spüren.


Wolf-Dietrich Hufenbach
Dokumentarfilmer | Wilhelmshaven

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Die Darstelllung des "Trio Infernale Wilhelmshavens" sorgt für Aufregung.
Eine Menge Wilhelmshavener Bürgerinnen protestieren unter dem Motto "Planungswahnsinn am Banter See tut 5.000 Menschen weh" für den Erhalt des Banter Sees, so, wie er ist. Sie wehren sich gegen eine Wohnbebauung für "Priveligierte". Mehr dazu in einem Video ... [das Bild ist vom 15-07-2014] ... .... zum Video | youtube ...



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