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EVGN - Stellungnahme: Niedersachsens Bildungs-Struktur-Politik auf Abwegen
16|12|2010



Werden die Schulreformen auf dem Rücken der Kinder ausgetragen?

2. Bildungsgipfel in Niedersachsen bringt keinen Konsens

Die Ergebnisse der Beratungen zu den zwei Bildungsgipfeln in Niedersachsen vom 26.11 und 30.11.2010 treten die fachlichen Argumente und die vorab aus unterschiedlichen Blickwinkeln entwickelten Zukunftsperspektiven der Schullandschaft dieses Bundeslandes mit Füßen. 
 
Zwischen der ersten und der zweiten „Gipfelbesteigung“ fehlte mit einer Ausnahme jede gemeinsame Beratung darüber, wie denn ein gemeinsamer Weg für GUTE SCHULEN - mit langfristigem Bestand! - aussehen könnte. Der „Seilführer“ - Minister Althusmann - und seine Parteifreunde und Koalitionspartner hatten ihren Weg alleine festgelegt, so als wäre dies absolut alternativlos.

Dies obwohl die Planungen zur „Gipfelbesteigung“ von vielen Seiten vorgenommen wurden und damit alle Partner auch ein eminentes Interesse signalisierten, den Weg auf den Gipfel gemeinsam finden und  gehen zu wollen. 
 
Vielleicht wird es noch einsam für die Unbeirrbaren „da oben“. 
 
Der andauernde Streit um den richten Weg geht weiter und dies zu Lasten von Kindern, Eltern und Lehrern. Gut 180.000 Menschen - Eltern, Großeltern, Lehrer/-innen, junge Erwachsene - signalisieren mit ihrer Unterschrift zum Volksbegehren für gutes Schulen ebenso ein großes Interesse an einem anderen Weg wie die vielen Initiativen für neue, wohnortnahe Gesamtschulen und die über 3.500 abgewiesenen Eltern, die ihre Kinder an einer Gesamtschule angemeldet haben und abgewiesen wurden. Zur Zeit sind 16 Gesamtschul-Initiativen auf diesem Weg.
 
Der jetzt schon beginnende Run mehrerer Schulträger vor Ort um die Einrichtung von Oberschulen, ohne detailliertes Wissen um die Ausgestaltungsmöglichkeiten, zeigt den inzwischen aufgestauten Druck an vielen Orten um die einfache Frage, wie geht es bei u n s weiter?

Für jede Kommune ist es wichtig, den freien Elternwillen wohnortnah anbieten zu können. Doch kein Mensch weiß heute wie die nächste Landtagswahl ausgeht und welche Regierung dann wieder den eigenen, allein stehenden, „Wimpel auf dem nächsten Berg setzen“ möchte.
 
Wir Eltern, Initiativen und Freunde in und für Gesamtschulen in Niedersachsen wünschen uns und fordern:
 
- Gesamtschulen als Regelschule flächendeckend zu ermöglichen, um dem Elternwillen in allen Landesteilen wohnortnah ein Angebot machen zu können.
 
- Gesamtschulen mindestens mit andern Schulformen in der Ausstattung und in der Parallelzügigkeit gleich zu stellen. Die 3zügigkeit ist insbesondere in ländlichen Regionen oft zwingende Voraussetzung für die Ermöglichung.
 
- Die zeitliche Berechnungsgrundlage für das regionale Eltern-Interesse - entsprechend der demographischen Entwicklung - sollte auf 7 Jahre festegelegt werden.
 
- Die Zukunft aller Schulen arbeiten im Zeichen der Inklusion. Gemeinsames Lernen - mit und ohne Behinderungen - heißt Lernen ohne Aussonderung, leistungs- und anspruchsgerecht. Die dafür notwendige Ausstattung - fachlich ausgebildetes Personal, adäquates Schüler-Lehrerverhältnis, Flexibilität in der Unterrichtsgestaltung, schulpsychologische Begleitung, und bauliche Voraussetzungen sind zu gewährleisten.
 
- Zeit zum individuellen Lernen nach Neigungen und mit Blick auf eine wirtschaftlich erfolgreiche, sozial verträgliche sowie ökologisch und faire Zukunftsgestaltung ist und bleibt elementar. Der Erhalt des Abitur mit 13 Jahren und das „Abspecken“ und die Neuausrichten des Lernkanons gehören hier ebenso dazu wie das gemeinsame Lernen mit Binnendifferenzierung bis zum 9. Schuljahr. 


Quelle: Elternverband Gesamtschulen Niedersachsen


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