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Schilddrüsenkrebs in Fukushima - erste sichtbare Folge der Atomkatastrophe?
09|09|2013



Japan scheint die Atomkatastrophe und die Folgen aussitzen zu wollen.

Die Ärzteorganisation IPPNW sieht die drastische Erhöhung der radioaktiven Strahlenbelastung an den Katastrophenreaktoren in Fukushima mit großer Sorge.

Auch im Hinblick auf die gesundheitlichen Folgen gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil: Die erschreckende Zunahme der Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern unter 18 Jahren in der Präfektur Fukushima bestärkt die Befürchtung der IPPNW, dass in den kommenden Jahren eine außerordentliche Zahl weiterer Krebsfälle zu erwarten ist. Zweieinhalb Jahre nach Beginn der Atomkatastrophe ist die Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle auf 18 gestiegen. 25 weitere Kinder unter 18 Jahren haben vermutlich ebenfalls Schilddrüsenkrebs, wurden jedoch bislang noch nicht operiert.

Einen guten Überblick über die tatsächliche Anzahl von Schilddrüsenkrebsfällen in Fukushima gibt es immer noch nicht. Bisher wurden in der Präfektur Fukushima insgesamt 192.886 Kindern auf Schilddrüsenkrebs untersucht. Bei ungefähr 44% fanden die Mediziner im Ultraschall Auffälligkeiten. Mehr als 100.000 Kinder aus weiter entfernten Ortschaften in Fukushima warten immer noch auf ihre Erstuntersuchung. 1.280 Kinder mit auffälligen Befunden wurden für Zweituntersuchungen wieder einbestellt, aber 655 von diesen Kindern wurden bislang noch nicht nachuntersucht. Besonders besorgniserregend ist dabei die Situation in der Stadt Koriyama: hier wurden 442 Kinder bei auffälligen Befunden in der Erstuntersuchung für eine Zweituntersuchung einbestellt. Lediglich 5 dieser Kinder haben die Zweituntersuchung jedoch bislang beendet. Bei 2 dieser Kinder wurde allerdings schon bösartiger Schilddrüsenkrebs festgestellt. Nach dem Unfall hatte es die japanische Regierung versäumt, die Behörden anzuweisen, Jodtabletten auszugeben.

Die IPPNW widerspricht der Analyse japanischer Wissenschaftler, die den sogenannten „Sreeningeffekt“ für die hohe Rate an Schilddrüsenkrebs in Fukushima verantwortlich machen. Von einem solchen Effekt spricht man, wenn durch eine Reihenuntersuchung eine höhere Rate an Erkrankungen festgestellt wird als in der Normalbevölkerung durch Symptome normalerweise auffallen. Die IPPNW geht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon, aus dass ähnlich wie nach dem Super-GAU von Tschernobyl, die Schilddrüsenraten über viele Jahre kontinuierlich ansteigen werden.

“Kindern mit Schilddrüsenkrebs muss in einer aufwändigen Operation die gesamte Schilddrüse entfernt werden. Sie müssen nicht nur für den Rest ihres Leben Schilddrüsenhormone schlucken, die mittels regelmäßiger Blutuntersuchungen genau eingestellt werden, sondern auch regelmäßig zu Nachsorgeuntersuchungen kommen, da Rezidive nicht selten sind“, erklärt der Kinderarzt Dr. Alex Rosen [IPPNW]. Schilddrüsenkrebs sei trotz der guten Behandlungsoptionen für die betroffenen Familien ein schwerer Schicksalsschlag. Und Schilddrüsenkrebs ist nicht die einzige gesundheitliche Folge von Strahlenexposition. Auch Leukämien, solide Tumore und andere Formen von Krebs, eine Schwächung des Immunsystems, Schwangerschaftskomplikationen, angeborene Fehlbildungen und Fehlgeburten können in Fukushima erwartet werden. Die Untersuchungen in Japan müssen daher dringend auch auf andere Bevölkerungsgruppen und weitere mögliche Erkrankungen ausgeweitet werden.nabhängig von den Gründen für die gegenwärtige Eskalation der Spannungen können die jüngsten Präsentationen atomarer Macht durch Nordkorea und die USA im Namen ihrer südkoreanischen Verbündeten nur zwei Ergebnisse zur Folge haben: entweder treten beide Seiten einen Schritt zurück vom Abgrund oder die Abschreckung versagt und Millionen von Menschen erleiden das Schicksal von Hiroshima und Nagasaki“, heißt es in dem Offenen Brief an die Präsidenten Kim, Lee und Obama.

Die Ärzteorganisation verweist auf die verheerenden humanitären Folgen eines atomaren Angriffes, die wissenschaftliche Experten und Mediziner vor einem Monat auf einer Konferenz in Oslo erörtert hatten. Unabhängig davon, von wem oder wo Atomwaffen eingesetzt würden: Es gäbe Millionen Tote, Millionen würden an Verletzungen, Verbrennungen und der Strahlenkrankheit leiden – ohne Hoffnung auf medizinische Behandlung. Die Folge wäre der soziale und ökonomische Zusammenbruch der betroffenen Länder. Zudem kann es zu globalen Klimaveränderungen und in deren Folge zu Ernteeinbußen und Hungerkatastrophen kommen, womit nach neuen Berechnungen bereits nach dem Einsatz einer relativ geringen Anzahl von Atomwaffen zu rechnen ist. Die 122 teilnehmenden Staaten riefen auf der Konferenz zu verstärkten Anstrengungen auf, Atomwaffen zu ächten und abzuschaffen.

Quelle: IPPNW



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