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Dackeldame verfehlte den Labskaus-Weltrekord
28|07|2011



Lokalpatriotismus lässt sich am besten zusammen erleben und so ist das jährliche Labskausessen auch der lokale Schulterschluss.

War das ein Schietwetter am letzten Samstag ... und genau an dem Tag wollte sich mein Nachbar Gerd vor der Wilhelmshavener Nordsee-Passage auf der sogenannten Rambla so in der Mittagszeit eine Portion Labskaus einverleiben ... zumindest mal probieren, denn er stammt ursprünglich aus dem Ruhrpott, da kennt man dieses Wilhelmshavener „National“gericht kaum ...

Hatte er doch noch zuvor am 20. Juli 2011 in der WZ die Mittwochsfrage >Helfen Sie, den Labskaus-Weltrekord zu brechen?< aufmerksam gelesen und fühlte sich sofort angesprochen. Mehrere Mittwochsbefragte hätten sich sehr positiv für die Labskaus-Verköstigungen geäußert und zwei Personen dagegen nicht. Eine meinte sogar, sie möge das gar nicht, probiert hätte sie es natürlich schon, es sei aber nicht ihr Fall und es sehe auch nicht so appetitanregend aus ...

Hatte die betreffende Mittwochsbefragte denn überhaupt kein Verständnis für Wilhelmshavener Tradition, keine Ehre im Leib, dass man seine Heimatstadt Wilhelmshaven bei allen Gelegenheiten tatkräftig, auch an der Labskausfront, verteidigen, unterstützen und zum unbedingten Erfolg führen muss? Schließlich ist Wilhelmshaven eine Marinestadt, die etwas auf sich hält. Tja, dachte sich Nachbar Gerd, bevor er sich vorschnell ein persönliches Urteil erlaube, müsse er das Labskausgericht trotz Regenwetters schon selbst mal testen ...   

Nun band er seine Dackeldame Daika an die Leine und los gings durch die stürmische Marktstraße. Dort stiegen den beiden bereits ab Höhe Leffers so eigenartige Duftnoten in ihre feinen, vom Regen bereits triefenden Nasen. Nur ein paar Leute saßen auf den bereitgestellten Bänken an den doch überwiegend wegen des Regens verwaisten Tischen – dennoch: sie aßen gutgelaunt ihre Labskausportionen, die mit Rollmöpsen, Gurken, einem irgendwie farblich undefinierbar wirkendem Gemisch aus Roter Beete, Kartoffelbrei, zerkleinertem Rindfleisch, wer weiß noch was alles, sowie einem darüber ausgebreiteten Spiegelei garniert, serviert worden waren und einen ganz eigenen besonderen Duft verströmten ...

Doch der bereits ein wenig betagten Dackeldame behagte genau diese individuell auf das Feinste abgestimmte Duftnote, diese labskauskostgeschwängerte Luft überhaupt nicht und deshalb versuchte sie ihr Herrchen wieder in Richtung trockenen häuslichen Domizils zu ziehen ...

Nachbar Gerd aber gab nicht nach und dann trafen sie beide ca. 10 Minuten später auf der Rambla ein. Auch dort ein Bild überwiegender Leere an den vielen Tischen. Wie sollte Gerd da den Labskaus-Weltrekord brechen? Sollte er etwa allein tausende Portionen verdrücken, nur um vom Oberbürgermeister Menzel einen Labskausorden für herausragende Verdienste für die Heimatstadt namens der Stadt Wilhelmshaven umgehängt zu bekommen? Was könnte er sich für den Orden kaufen? Er sah seine Daika an und sie ihn und sie rümpfte, als hätte sie seine Gedanken lesen können, die Nase ...

Nee, dachte der mittlerweile vom Dauerregen durchnässte Nachbar Gerd, die tausende Portionen kann der Oberbürgermeister selber löffeln. Gerd wollte schließlich nur erstmal eine probieren, deshalb war er ja hergekommen. An einem der Labskausverkaufsstände bestellte er sich dann auch eine Portion und setzte sich anschließend auf eine der leeren Bänke.

Hm, dachte er sich bei den ersten Geschmacksproben, schmeckt ja irgendwie, also ... hm, „ist nicht so ganz meine Geschmacksrichtung“ murmelte er ... dann erhob er sich, und ging zu dem Labskausverkaufsstand und bat dort, man möge ihm die Portion für seine mittlerweile ebenfalls pudelnasse Dackeldame einpacken. „Wie bitte?“ erzürnte sich das Personal lauthals am Labskausstand „Für Ihren Hund?“ ...

Zwei Tage später, am Montag, 25. Juli 2011, folgte der Knaller: Die WZ titelte >Labskaus-Weltrekord verfehlt< - und die Unterzeile lautete >Rekordversuch – 8220 Portionen verkauft – „Tief Otto“ mag Seemannsessen nicht< und >Trotz heftiger Regenschauer, Windböen und Temperaturen um die 13 Grad kamen Tausende zum Labskaus-Essen. Am Ende reichte es nur für einen Schietwetter-Rekord.<
Auf einem großen WZ-Foto wurden die regennassen leeren Bänke sogar zum Beweis der Nachwelt dokumentiert, womit der Zahl von mehr als 8000 labskausgesättigten Menschen glasklar widersprochen wurde ... hatte sich da etwa jemand verzählt?

Donnerlittchen, dachte sich Nachbar Gerd ... hatte ja auch an dem Tag gegossen wie aus Eimern. So brauchte er sich wegen seiner von ihm nicht verdrückten Labskausportion nicht zu schämen, wenn sogar „Tief Otto“ das Seemannsessen nicht mochte.

Dass aber auch seine Dackeldame Daika zuhause viel lieber ein paar Leckerlis der Portion Labskaus vorzog, kann und darf man dem „Tief Otto“ also nun wirklich nicht anlasten. Nachbar Gerd musste die gute Portion letztlich in einem schmerzlichen Akt der Befreiung entsorgen ... somit war die von der WZ ausgegebene Zahl von 8220 Portionen um eine Portion zu hoch gegriffen ... Weltrekord somit im Eimer und Schwamm drüber ...

Dafür heftete sich der Oberbürgermeister einen Labskaus-Ehren-Orden selbst an seine heldenhafte Brust, weil er wieder, wie jedes Jahr seit elf Jahren stets drei Portionen verschlungen habe – schreibt jedenfalls die WZ. Der Mann hat wenigstens noch Ehrgefühl und Format, der weiß eben, dass man einen so gewichtigen Weltrekord in der deutschen Marinestadt auch beim allergrößten Schietwetter nicht im Regen stehen lässt ...

Wohl bekomm´s ...  

Und Nachbar Gerd? Tja, der grübelte, nach welchem Otto nun das meteorologische Hoch gleichen Namens benannt worden sein könnte ...

Etwa nach Otto dem Großen, der, aus dem Geschlecht der Liudolfinger hervorgegangen, von 912 bis 973 lebte, zunächst Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches, König von Italien und letztlich römisch-deutscher Kaiser wurde?

Oder vielleicht eher nach Nikolaus August Otto, der den Verbrennungsmotor erfunden hatte?

Oder möglicherweise nach Otto Waalkes, dem berühmtesten Sohn Emdens, der als Außerfriesischer in die Geschichte einging?         

Im Internet fand Nachbar Gerd darüber keine genauen Hinweise und das war ihm dann auch langsam so schietegal wie das Schietwetter vom Labskaustag.

Viel lieber erinnerte er sich, und das erklärte er jedesmal höchst bedeutungsschwanger, an das nach ihm persönlich benannte meteorologische sonnige und frühlingversprechende Hoch Gerd, das vom 19. bis zum 25. Februar 2006 andauerte und in die Annalen der Wetterfrösche Einzug gehalten hatte. Das war wenigstens etwas, auf das Nachbar Gerd so richtig stolz sein konnte und durfte ...

Andererseits darf die Hoffnung aber nicht aufgegeben werden, dass das, seit Jahr und Tag unser schönes Wilhelmshaven heimsuchende Dauerfrost-Hochdruckgebiet Eberhard jetzt im Herbst 2011 sich endlich verziehen möge ... über jenes  absonderliche, eher weniger meteorologische als kommunalpolitische Phänomen fand Nachbar Gerd leider keine Hinweise im Internet ... ist vielleicht auch besser so ...



Hans-Günter Osterkamp
erwerbslosenredaktion.de

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