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Deutschlands erster Tiefseehafen
09|11|2011



Wilhelmshaven liegt da, wo Deutschlands Hafenlobbyisten am Strand Schlagzeilen dichten!

Das Wunder der südlichen Nordsee

Oh große Technik, die solches schafft: eine Tiefsee im Jaderevier. Mit Riesenkraken, Blauwalen, fluoreszierenden Meerestieren, Kolonien von Tentakelwürmern und Bakterien?

Nein, so denn doch nicht: Gewiss handelt es sich nicht um die lichtlosen, fast nicht mehr von der Oberfläche beeinflussten Tiefen, in denen Schwankungen der Lebensbedingungen erst in Zeiträumen von Jahrzehnten bis Jahrhunderten wirksam werden. Aber welche „Wahrheit“ verbirgt sich dann hinter dem Wort „Tiefsee“, wenn es im Zusammenhang mit dem im Bau befindlichen Containerhafen [JWP] genannt wird?

Tiefseen sind in der Form, Entstehung, Sedimentologie, Hydrographie, Biologie und Ökologie klar abgrenzbar von anderen Meeren, z.B. dem zu den Kontinenten gehörenden Schelfmeer [Schelf = Boden küstennaher Flachmeere]. Die Nordsee mit ihrem südlichen Jaderevier ist Paradebeispiel eines Schelfmeeres. Das Wort „Jade“ stammt von „Gat“, einer Bezeichnung für die Öffnungen zwischen Inseln und Sandbarren der südlichen Nordsee. Eigentlich sollte jedem einleuchten, dass die Bedingungen hier völlig anders sind als in der Tiefsee. Bodensedimente werden ständig verlagert, Temperaturen, Salzgehalte und Strömungen wechseln in kurzen Zeitabständen, Fauna und Flora sind völlig anders.

Umso überraschender ist es, das Wort Tiefsee im Zusammenhang mit dem JWP zu lesen. Zunächst dachte ich, dass jemand Tiefwasser sagen wollte und versehentlich Tiefsee sagte. Über Dimensionen von „Tiefwasser“ bzw. „tiefem Fahrwasser“ kann man streiten, da sie, anders als „Tiefsee“, nicht geografisch festgelegt sind. Beim Nachschauen, unter anderem im Internet [Stichwort: „Tiefseehafen Wilhelmshaven“] fand ich dann, wie selbstverständlich und bewusst das Wort bereits im Sprachgebrauch um den JWP verankert ist [Auszug im Anhang].

„Deutschlands erster tidenunabhängiger Tiefseehafen“:
Wie gut das auf der Zunge zergeht, wie wohl das klingt für die nach wie vor mit der höchsten Arbeitslosenquote geschlagene Stadt: sind wir doch wieder wer im Gerangel um die Seehandelsmacht!


Man mag einwenden, dass Tiefsee und Tiefseehafen zwei getrennte Dinge seien. Aber auch, wenn die Anlegestelle der Containerschiffe auf -16,5 m SKN ausgebaggert wurde, sind die erzeugten Tiefen nicht die einer Tiefsee. Hinzu kommt, dass ein Hafen seiner Funktion nur gerecht wird, wenn er angrenzende Zu- oder Abgangswege hat. Diese liegen für den JWP zunächst einmal in der Außen- und Innenjade und damit nicht in einer Tiefsee. Es sind Gezeitenrinnen [Gats], für deren Fahrwassersolltiefen konstant Unterhaltungsbaggerei betrieben werden muss. Diese dient zwar nicht nur den erwarteten Containerschiffen, sondern dem gesamten Aufkommen an tiefgehenden Schiffen. Jedoch wird die mit Fertigstellung des JWP erwartete Zunahme des Schiffsverkehrs durchaus als risikoreich mit Umweltfolgen gesehen, wobei die Aussage nicht besonders tröstlich scheint, dass dem Risiko von Havarien „eine Entzerrung der Verkehrsströme im Bereich der Elbe und Weser bzw. der Nord-Range gegenüber [stünde], auf die sich die zukünftigen zusätzlichen Verkehre sonst konzentrieren würden“ [Zitat aus: ‚Umweltfolgenabschätzung BioConsult Schuchardt & Scholle’].

In Enzyklopädien kommt nicht der Begriff ’Tiefseehafen’ vor; sondern nur seine Einzelelemente [Tiefsee, Hafen, auch ‚Seehafen’, manchmal ‚Tiefwasserhafen’]. Seehafen, ggf. auch Tiefwasserhafen, sind zur Benennung des JWP akzeptabel, aber die Nutzung des Begriffs Tiefseehafen grenzt an Gigantomanie, die denn auch typisch ist für Wilhelmshaven, seitdem man meint, mit Hilfe der Großtechnologie die sensible Flachmeerküste in jeder Weise an globalisierte Warenströme anpassen zu können.

Zurück zur Eingangsfrage:
Welche „Wahrheit“ verbirgt sich hinter dem Wort „Tiefsee“ im Gebrauch für den JWP? Mir scheint, die Antwort ist Indoktrination mit der Absicht, der Bevölkerung individuelle Ziele und Partikularinteressen als Allgemeingut zu verkaufen und Kritik auszuschalten. Der einseitige Begriff Tiefseehafen ist ein Vehikel für den Transport von Vorstellungen. Wie ein konstanter Tropfen den Stein höhlt, so kann bei ständigem Gebrauch des falschen Begriffs die Zahl derjenigen steigen, die bereit sind, negative Nah-, Fern- und Nebenwirkungen der großtechnischen Veränderungen der Landschaft und Umwelt ohne Kritik hinzunehmen, weil sie dafür etwas Einmaliges bekommen: nämlich einen „Tiefseehafen“.[Huxley mit seiner „Schönen neuen Welt“ lässt grüßen].


Vielleicht aber macht der sprachlich emotionale Größenwahn [oder besser Tiefenwahn] nur deshalb Schule, weil heute „objektive Wahrheit“ im sprachlichen Umgang mehr und mehr durch individuelle Rechthaberei abgelöst wird und Begriffe, die einst der Verständigung, Abgrenzung und Eindeutigkeit dienten, nach Belieben umgemünzt werden. Wie anders ist es zu erklären, wenn Journalisten, Politiker und Mitläufer das Wort Tiefsee für ein Gezeitenmeer so widerspruchslos übernehmen. Oder sollte an vielen vorbei gegangen sein, dass der Begriff Tiefsee nicht für die Verhältnisse im Jaderevier zutreffen kann?

Schließlich liegt Acapulco, mit dem Wilhelmshaven gerne verglichen wird, ja auch an einer Tiefsee.

Dr. Gisela Gerdes

Auszüge aus Presseformulierungen:
„Weil die Häfen in Hamburg und Bremerhaven an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, machen sich Unternehmer und Politiker im Norden über Ländergrenzen hinweg für einen neuen Tiefseehafen in Wilhelmshaven stark …“.
Süddeutsche Zeitung, 11.09.06

Tiefseehafen für Deutschland: Vier Liegeplätze mit insgesamt 16 Post-Panamax-Containerbrücken für jährlich 140 000 Ladeeinheiten: Der JadeWeserPort vor Wilhelmshaven soll von 2010 an Deutschlands wichtigster Tiefseehafen sein.“
Fachportal für Wirtschaft und Technik, 2006/010

„… Neben den ARA-Häfen wird in der Zukunft noch der erste deutsche Tiefseehafen in Wilhelmshaven, der so genannte JadeWeserPort, mit dem sich die deutschen Hochseehäfen auf die Containergiganten der neuesten und nächsten Generation einstellen, für die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen an Bedeutung gewinnen.“
Seehafentag Köln: 30.01. 2007: [Ausschnitte aus dem Positionspapier zur Entwicklung der Binnenhäfen in NRW]


“Russlands Ex-Energieminister Sergej Generalow hat sich in Deutschlands einzigen Tiefseehafen eingekauft.“
Wiwo.de Portal Unternehmen Märkte, 30.04.2008


„Guido Westerwelle informierte sich über den JadeWeserPort und die anderen Großvorhaben an der Jade….. Sein Blick auf den künftigen Tiefseecontainerhafen JadeWeserPort [JWP] ist seit gestern jedenfalls deutlich geschärft …“
FDP-Chef Guido Westerwelle beeindruckt ... – 16.08.07

„Wilhelmshaven: Tiefseehafen droht Verzögerung“
Hamburger Abendblatt, 27.10.2010


Tiefseehafen - Eine Werbetour durch Asien soll den Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven bekannter machen. Außerdem wollen der zukünftige Betreiber des Containerterminals, Eurogate, und die Stadt für die Ansiedlung von Logistikunternehmen in der Umgebung des JadeWeserPorts werben. …“
Verkehrsrundschau – Das Portal für Spedition, Transport und Logistik, [kurz vermeldet], 01.03.2011


„… Der JadeweserPort wird Norddeutschlands einziger Tiefseehafen werden. Ab 2012 sollen dort Tausende Container täglich von großen Frachtern gelöscht und weiter transportiert werden. ..“
NDR Regional, 18.10.2011


„Auf Sand gebaut: In Wilhelmshaven entsteht Deutschlands erster Tiefseehafen. Den Baugrund holen Bagger aus dem Meer….“.
Frankfurter Rundschau, 23.10.2011


„…Die Jadestadt ist in vielfältiger Weise mit dem Meer verbunden, über den Umschlag von Rohöl, die privilegierte Lage als tidenunabhängiger Tiefseehafen an der Nordsee …
[aus der Rede des Kommandeurs der Einsatzflottille 2 zum Neujahrsempfang am 10.01.2010]



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