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Boomtown taumelt
21|04|2011



Beinahe idyllisch und einem Fischkutter auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich: Ein Saugbagger auf der Jade gegen 6 Uhr morgens.

Der Rückhalt für den im Bau befindlichen Jahrhunderthafen bröckelt?

Eigentlich darf es gar keine Kritiker des Milliardenprojektes am Tiefen Fahrwasser geben, für den, laut des noch amtierenden Oberbürgermeisters Eberhard Menzel [SPD], extra dicke Containerschiffe gebaut werden. Inzwischen wird sogar öffentlich mitten in der Anhängerschaft gezweifelt.

Wir haben recherchiert und bei Radio Jade unseren Ohren zunächst nicht trauen wollen. Da gab es einen Beitrag über die "Sillensteder Gespräche" mit dem Thema "Zukunft der Arbeit". Debattiert wurde in einer Podiumsdiskussion mit Experten aus Wirtschaft, Forschung und der Kirche.

Aus Arbeitgebersicht äusserte sich Lutz Bauermeister vom Allgemeinen Wirtschaftsverband Wilhelmshaven Friesland über die Einschätzung zur Entwicklung der Arbeit in der Region wie folgt:
Zitat: " ... Die Zahlen sind nicht beliebig veränderbar, Wilhelmshaven schrumpft, die Zahl der Arbeitsplätze wird schrumpfen, der Zuwachs an Arbeitsplätzen im Hafenbereich wird das Schrumpfen etwas abmildern, aber nicht verhindern, das muss man erkennen, dass darf man auch nicht bejammern, sondern man muss sich damit einrichten, einrichten heisst aktiv diese Situation zur Kenntnis nehmen und dann für sich selbst die Stelle suchen, auf der man am besten seine Vorstellungen verwirklichen kann. ... "

Diese Prognose klingt ungewohnt düster, im Gegensatz zu dem, was wir im lokalen Heimatblatt fast täglich zu Gesicht bekommen.

Weiter berichtet Melanie Pust [Radio Jade]:
Zitat: " ... Ebenso nüchtern auch Bauermeisters Aussagen zu einer gerechten Entlohnung: Ein Unternehmer habe nur ein Ziel, und das ist Gewinn zu machen. Ob ein Beschäftigter von seinem Lohn leben könne, habe den Arbeitgeber nicht zu interessieren. ... "

Zu dieser Einstellung gegenüber den Arbeitnehmern oder den Kommunen, denen eigentlich viel mehr Steuern aus den Unternehmensgewinnen zufliessen müssten, passt natürlich das Jahresergebnis von Eurogate, dem Wilhelmshavener Lieblingshafenbetreiber der Zukunft:
Zitat: "Die EUROGATE-Gruppe hat ihr Ergebnis des Geschäftsjahres 2010 gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert und konnte den Jahresüberschuss um 28,9 Prozent auf 61,6 Millionen Euro steigern. So ist es dem Konzern gelungen, dank umfassender Kosteneinsparungs- und Flexibilisierungsmaßnahmen bei einer deutlichen Reduzierung der Investitionen die schwierige Situation des Vorjahres zu überwinden und die Unternehmensgruppe frühzeitig auf die geänderten Rahmenbedingungen einzustellen. Damit ist die EUROGATE-Gruppe für die künftige Entwicklung, wie beispielsweise den Aufbau des EUROGATE Container Terminals Wilhelmshaven, gut gerüstet. ... "
[Quelle: Pressemitteilung Eurogate | 20-042011]

Gezieltes Lohndumping?
Kosteneinsparungs- und Flexibilisierungsmaßnahmen - klingt doch weltmännisch - aber darunter fallen z. B. auch die Fahrer bei Eurogate, die die vielen Autos auf die Schiffe steuern und die dürfen seit der Krise nur noch für 10 Euro in der Stunde arbeiten, vorher waren es 13 Euro! Bisher haben wir nichts von einem Lohnanhebung der übrigen Belegschaft gehört, deren Löhne bis heute um bis zu 20 Prozent gekürzt asugezahlt werden.

Was für einen Segen die Hafenwirtschaft für einen jeweiligen Standort haben soll, bleibt somit im Dunkeln. Niedrige Löhne und jeder soll sich selbst der Nächste sein, so sieht unsere soziale Marktwirschaft inzwischen aus, heruntergewirtschaftet für die Bedürfnisse von Privatinvestoren.

Wenn das der Gewinn nach der Krise ist und das Wachstum noch nicht auf Vorkrisenniveau, wieso hat Bremerhaven dann ein Loch von ca 1 Milliarde Euro in der Stadtkasse und weitergedacht, warum soll es den Wilhemshavenern mit ihrem Containerhafen besser gehen, als den Bremerhavenern?

Erklären lässt sich die globalisierte Unternehmensstrategie nur mit dem allseits bekannten Neoliberalismus, ein Instrument, das Grenzen öffnet und mit dem es möglich ist, die Gewinne europaweit zunächst für Investitionen zu "sortieren", um dann nur noch einen minimalisierten Restgewinn versteuern zu müssen.

So zynisch betrachtet macht die Aussage von Lutz Bauermeister natürlich erst Sinn:
Erst das Unternehmen, die Geschäftsführung, die Aufsichtsratsmitglieder und irgendwann die Arbeitnehmer.

Bauermeister ist aber bekannt für solche Aussagen. Schon 2008 hat er Auszubildenden aus dem Reinhard-Nieter-Krankenhaus in der Marktstrasse gesagt, die damals ca 30 Prozent unter der tariflichen Vereinbarung lagen, dass Ausbildungslöhne nicht dazu da sind, um von ihnen leben zu können.

Das war natürlich ein "Super-Trost" für die Auszubildenden und gleichzeitig hochmotivierend für die ArbeitnehmerInnen der Zukunft, nicht nur in Wilhelmshaven.

Und so wird aus einer glänzenden PR-Grossprojekt-Fassade langsam eine durchsichtige Angelegenheit.

Schöne Ostern!


Wolf-Dietrich Hufenbach
Dokumentarfilmer | Wilhelmshaven

Links:
20|04|2011 Sillensteder Gespräche - Zukunft der Arbeit | Melanie Pust

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