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Deutsche Bahn AG zensiert Aussage der Deutschen
Umwelthilfe in DB-Klimaschutzbroschüre
11|07|2008



Die Bahn würde sich ihre Pressemeldungen gern so schreiben,
wie es ihr gefällt!


Statement von DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen
Resch für den heute veröffentlichten Klimaschutz-
bericht der Deutschen Bahn AG passt dem Schienen-
monopolisten nicht – Umweltpolitischer Kritiker des
privatisierten Staatskonzerns wurde massiv unter
Druck gesetzt, die Bahn nicht wegen des zu geringen
Engagements in der Fläche zu kritisieren – Resch
forderte die Bahn in dem gestrichenen Beitrag auf,
die Bahn möge verstärkt „in regionale Verbindungen“
investieren, um Menschen überall im Land ein mobiles
Leben mit weniger Autos zu ermöglichen und außerdem
seine Busflotte mit Dieselrußpartikelfiltern nachzurüsten –
Deutsche Bahn AG will während der aktuellen Verhand-
lungen über Infrastrukturmittel des Bundes offensichtlich
jegliche Kritik an falscher Schwerpunktsetzung der DB
verhindern

Berlin, 10. Juli 2008: Die Deutsche Bahn AG hat unmittelbar
vor Drucklegung ihres Klimaschutzberichtes ein bereits
abgenommenes und im Layout gesetztes Statement der
Deutschen Umwelthilfe e. V.
[DUH] aus der Publikation
entfernt. Dieser Entscheidung vorausgegangen war die
ultimative Forderung, DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen
Resch als Autor des Statements solle darauf verzichten,
die Deutsche Bahn zu mehr Investitionen in den Regional-
verkehr aufzufordern.
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„Die Hilflosigkeit des Bahnvorstandes im
Umgang selbst mit dezent vorgetragener
Kritik zeigt, dass die DB AG noch nicht reif
für den Börsengang ist.
Die Deutsche Bahn kann offensichtlich immer
noch nicht mit Kritik umgehen und greift zum
Mittel der Zensur, wenn es ihr nicht gelingt,
durch massiven Druck Gefälligkeitsaussagen
durchzusetzen,“ bilanziert Jürgen Resch das
Verhalten des Bahnmonopolisten.
„Spätestens wenn die Finanzanalysten der
europäischen und amerikanischen Pensions-
fonds die DB AG bewerten, wird ihr diese Art
des Stakeholder Dialogs auf die Füße fallen."

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Vor rund einem halben Jahr hatte die Deutsche Bahn AG um
ein Statement von DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch
zum Klimaschutzprogramm 2020 der Bahn gebeten, das die
Bahn werbewirksam in ihrem Klimaschutzbericht verwenden
wollte. Neben anderen bekannten Persönlichkeiten aus dem
Klima- und Umweltschutz, sollte Reschs Beitrag die Klima-
schutzbemühungen der Bahn bewerten und einordnen.
In dem Beitrag für die umweltpolitische Selbstdarstellung
der Bahn hatte Resch das Klimaschutzengagement insgesamt
positiv gewürdigt, gleichzeitig aber zwei akute Problembereiche
angesprochen.
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Wörtlich lautet das zensierte DUH-Testimonial:
„Das Klimaschutzprogramm 2020 zeigt, dass
die Deutsche Bahn AG ihre Verantwortung als
Unternehmen für die gesamtgesellschaftliche
Aufgabe des Klimaschutzes erkannt hat.
Unerlässlich ist daher, dass die Bahn mehr
noch als bisher in die regionalen Verbindungen
investiert und Menschen überall im Land ein
mobiles Leben mit weniger Autos ermöglicht.
Wir müssen lernen, Mobilität als ein System
zu begreifen und die Bahn hat dank des weiten
Schienennetzes die einzigartige Gelegenheit,
dieses System flächendeckend zu schaffen.
Und selbst dort, wo keine Schienen mehr
hinführen, können Busse für umweltfreund-
liche Mobilität sorgen.
Im Übrigen muss die Bahn als Betreiberin
der größten Busflotte im Land schleunigst
Rußpartikelfilter in diese Fahrzeuge einbauen.
Das vermindert nicht nur die Luftbelastung,
sondern verbessert auch ihre Klimabilanz.“

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Der zweite Satz passte der Bahn nicht ins Konzept. Sie
forderte von der DUH, ausgerechnet die „Deutsche Bahn“
hier als Adressaten der Forderung herauszunehmen und
somit nur mehr allgemein mehr regionale Investitionen
zu fordern. Dies war für die DUH nicht akzeptabel, da sie
sehr wohl der Ansicht ist, dass die DB AG derzeit in der
Fläche z. B. dringend notwendige Instandhaltungsinves-
titionen unterlässt oder verschiebt.
Resch bot als „Kompromiss“ an, statt „regionale Verbin-
dungen“ die Formulierung „regionale Infrastruktur“ zu
gebrauchen. Dies jedoch wollte die Bahn erst recht nicht,
„das ist ja noch schlimmer“, war die spontane Reaktion.
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„Es ist bedauerlich, dass die Bahn mit ihrem
Verhalten deutlich werden lässt, wen sie für
die aktuellen Probleme im Regionalverkehr
für verantwortlich hält, nämlich den Staat.
Von der eigenen Verantwortung für den
vielerorts desolaten Zustand von Bahnhöfen,
Haltestellen und Schieneninfrastruktur will
sie ablenken.
Das Verhalten zeigt ganz klar: Wir haben
mit unserer Kritik ins Schwarze getroffen",
sagte Resch.

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Seit der Bahn-Privatisierung 1994 konzentriert sich die DB
AG zunehmend auf die profitablen Hauptverbindungen und
zieht sich systematisch aus der Fläche zurück, mit der Folge,
dass Bahnfahrer vergrätzt und Strecken durch Schäden
und Langsamfahrstellen unattraktiv werden.
__________________________________________
Diese seit Mitte der 1990iger Jahre verfolgte
Taktik wurde bereits vom Bundesrechnungshof
gerügt und mehrfach vom zuständigen Parla-
mentsausschuss kritisiert.
Im vergangenen Jahr hat die Bahn die Gewinn-
maximierung durch Kosteneinsparungen in
einer Studie untersucht, die laut Manager
Magazin
[vom 26.10.2007] die Investmentbank
Morgan Stanley durchgeführt hat.
Die Banker haben darin die Einsparungen der
Bahn nach von ihr kalkulierten Stilllegungen
von Tausenden Streckenkilometern berechnet.
Ziel der Bahn-Analyse und der Szenarien war
es, die sogenannten „Eigenmittelabflüsse" –
also das zu investierende Kapital – zu begren-
zen.
Die Studie kommt denn auch zu dem Schluss,
dass Gleise und Bahnhöfe nur noch auf „aus-
reichendem“ Niveau gehalten werden sollten.

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Für Rückfragen

Jürgen Resch
Bundesgeschäftsführer
Deutsche Umwelthilfe e.V., [DUH] 
Hackescher Markt 4, 10178 Berlin
Tel.: 030/2400867-10
mobil 0171/3649170
E-Mail: resch@duh.de

Ulrike Fokken
Politik & Presse
Deutsche Umwelthilfe e.V.
Hackescher Markt 4
10178 Berlin
Tel.: 030-24 00 867-22
mobil 0151 – 55 01 70 09
E-Mail: fokken@duh.de

Pressemitteilung:
www.DUH.de

Links:
Verschlossene Auster für Bahnchef Mehdorn [NR-Juni 2006]
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