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Kampf gegen Klimawandel und globale Armut kann nur zusammen gewonnen werden
18|09|2010



Wilhelmshaven sollte über seine energiepolitischen Traumtänzereien auch noch einmal nachdenken.

MISEREOR und die Münchener Rück Stiftung haben gemeinsam mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung [PIK] und dem Institut für Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Philosophie München [IGP] den Report „Global aber Gerecht – Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen“ in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Bündnis aus Kirche, Wissenschaft und Finanzwelt fordert in seinem Report eindringlich dazu auf, Klima- und Entwicklungspolitik kohärent miteinander zu verbinden. Konkrete Schritte dafür haben Klimawissenschaftler, Ökonomen, Ethiker und Entwicklungsexperten in einem dreijährigen Projekt gemeinsam erarbeitet.

Der Vorsitzende der SPD Sigmar Gabriel begrüßte die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die der Studie zugrunde liege. „Die Politik braucht Druck aus der Mitte der Gesellschaft – sowohl auf nationaler wie auf internationaler Ebene. Deshalb ist die breite Allianz aus Wissenschaft, Entwicklungshilfe  und Finanzwelt so wichtig. Wenn die Weltgemeinschaft nicht schnell und entschlossen handelt, wird der Klimawandel zu einer moralisch und im Übrigen auch ökonomischen Katastrophe führen. Deutschland war lange der Motor der europäischen und internationalen Klimapolitik. Leider droht die Bundesregierung diese Vorreiterrolle gerade zu verspielen.“

„Wer mutige Ziele formuliert und die notwendigen Mittel als utopisch denunziert, untergräbt seine eigene Glaubwürdigkeit. Wir unternehmen mit diesem Buch den Versuch, die erforderlichen Maßnahmen im Sinne eines ‚Global Deal’ für die Klima- und Entwicklungspolitik konkret zu formulieren“, erklärte Ottmar Edenhofer, stellvertretender Leiter und Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung [PIK].

Hierzu gehörten, so Edenhofer, unter anderem eine Obergrenze für die weltweiten Emissionen, die gerechte Verteilung von CO2-Emissionsrechten und der Handel mit CO2-Zertifikaten. Gleichzeitig müssten die hochentwickelten Länder sowohl die Entwicklung und den internationalen Austausch klimafreundlicher Technologien fördern als auch die Anpassung der ärmeren Länder an den unvermeidbaren Restklimawandel unterstützen. Hierfür sei eine deutliche Stärkung der Entwicklungspolitik notwendig, so Edenhofer.

Auch Hans-Werner Sinn, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung [ifo] unterstützte die Forderungen nach einem internationalen Emissionshandel: „Das Recht zu Leben haben alle Menschen. Wenn sich die Industrieländer der Luft als Endlager für das CO2 bedienen und den Entwicklungsländern ihre Lebensgrundlagen entziehen, müssen sie dafür einen Ausgleich leisten. Die Luft kann nicht mehr als freies Gut behandelt werden, dessen man sich nach belieben bedienen kann, ohne dafür zahlen zu müssen“, erklärte Sinn.

MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer kritisierte, dass sowohl in der Klima- als auch in der Entwicklungspolitik viele gute Vorschläge gemacht würden, es aber kaum überzeugende Taten gäbe: „Die Herausforderungen des Klimawandels und der Entwicklungspolitik werden bisher nicht konsequent genug aufgegriffen. Wir erwarten von der Bundesregierung mutigere Schritte in Richtung Vermeidung des Klimawandels und Förderung erneuerbarer Energien. Ebenso erwarten wir, dass die finanziellen Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit zur Anpassung an den Klimawandel rasch und deutlich ausgebaut werden“, so Sayer.

„Deutschland hat die Möglichkeiten und damit nach den Gerechtigkeitsüberlegungen im Report auch die Verantwortung, die Anstrengungen zum Klimaschutz zu intensivieren. Gleichzeitig dürfen die Bemühungen für die Armutsbekämpfung nicht vernachlässigt werden“, betonte Johannes Wallacher vom Institut für Gesellschaftspolitik. Thomas Loster von der Münchener Rück Stiftung erklärte: „Wir können zeigen, dass auch mit wenigen Mitteln große Hebel in der Anpassung an den Klimawandel bewegt werden können. Die Optionen liegen auf dem Tisch.

Die Zeit ist knapp, es gilt sie rasch umzusetzen.“


Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung [PIK]


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