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Die Ostsee erstickt an Steuergeldern
13|08|07


Presseinmitteilung
des WWF hier direkt einsehen
Die Ostsee erstickt an Steuergeldern

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Die Ostsee erstickt an Steuergeldern


Stralsund/Hamburg - Die EU-Agrarpolitik trägt laut einem
WWF-Report entscheidend zu Algenblüten und Sauerstoff-
mangel in der Ostsee bei. Jeder EU-Bürger an der Ostsee
zahle pro Jahr 72 Euro in den Brüsseler Agrartopf – und
fördere damit ein System, dass die Überdüngung in der
Landwirtschaft belohne. Vor allem über die Flüsse gelangen
überschüssige Nährstoffe ins Meer und zerstören wertvolle
Lebensräume. „Die Ostsee hat sich mit tatkräftiger Unter-
stützung aus Brüssel von einem Meer mit klarem Wasser
in ein trübes, überdüngtes Gewässer vor dem Kollaps ent-
wickelt“, so Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros in
Stralsund.

Ein Sechstel des Meeres, eine Fläche von 70.000 Quadratkilometern,
habe sich in Todeszonen verwandelt. Wegen des Sauerstoffmangels
sei hier kein Leben mehr möglich.

„Vermutlich wissen die meisten

Touristen und Bewohner nicht,

dass der schleichende Tod der

Ostsee auch aus ihrer Brieftasche

finanziert wird“, so der WWF-Sprecher.

Zwar sind die Badestrände in diesem Sommer von Algenblüten verschont
geblieben. Das Ausbleiben der Algen liege jedoch am Wetter.

„Algenteppiche an der Küste sind

nur das sichtbare Zeichen einer

ökologischen Katastrophe, die sich

auf dem Meer ungehindert fortsetzt“,

so Lamp.

Das Ostseewasser enthalte heute acht Mal mehr Phosphor und vier
Mal mehr Stickstoff als vor hundert Jahren. Jährlich kämen eine
Million Tonnen Stickstoff und 35.000 Tonnen Phosphor hinzu.
Trotz früherer Schutzprogramme nehme die Belastung seit zehn
Jahren wieder zu. Die industrielle Landwirtschaft verursache den
Nährstoff-Overkill. Preiswerter Kunstdünger verleite die Bauern dazu,
ihre Felder kräftig zu überdüngen. Hinzu komme die Gülle aus
der Massentierhaltung. Die industrielle Landwirtschaft im Ostseeraum
werde aus Brüssel mit 10,4 Milliarden Euro jährlich gepäppelt.

Die Situation spitzt sich laut WWF

weiter zu. Allein in Polen und den

baltischen Staaten soll der Dünger-

verbrauch in den kommenden zehn

Jahren um bis zu ein Drittel steigen.

Hühner- und Schweinemasten würden

von West- nach Osteuropa verlagert,

wo geringere Umweltauflagen gelten

würden.

Auch durch unzureichende Kläranlagen,

Phosphate in Waschmitteln und ungeklärte

Schiffsabwässer werde die Ostsee zur

Kloake.

Der WWF fordert ein Ostsee-Rettungsprogramm und hat dazu
eine
Kampagne rund um die Ostsee gestartet. EU-Gelder sollten
nur
noch fließen, wenn Landwirte die Überdüngung eindämmen.
Im November treffen sich zudem die Regierungen der Ostsee-
staaten
im Rahmen des HELCOM-Abkommens. „Derzeit blockiert
die Mehrheit
jedoch einen wirkungsvollen Umwelt-Aktionsplan.
Sollte die Konferenz
scheitern, wäre das der Todesstoß für die
Ostsee“, warnt Lamp.

[Video: Tagesschau zum Thema Ostsee 13|08|07]
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>PRESSEMITTEILUNG: 13|08|07
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