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Licht und Schatten in der Wasserstoffstrategie



Grünen Wasserstoff auch vorrangig für die Automobile zu nutzen, wäre zu kurz gedacht.

11-06-2020 – Fokus auf erneuerbarer Erzeugung richtig, Einsatz in Pkw und Heizung falsch

- Wasserstoff ist kein Allheilmittel für die Energiewende – Hintertür für blauen Wasserstoff aus fossilem Erdgas muss geschlossen werden – Wasserstoff zu teuer und ineffizient für Pkw und Heizung – Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen muss mit grüner Wasserstoffnutzung Schritt halten

Die vom Bundeskabinett verabschiedete Wasserstoffstrategie weist aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe [DUH] in die richtige Richtung. Insbesondere begrüßt die DUH den Fokus auf die Erzeugung von grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Das Ausbauziel von fünf Gigawatt Elektrolyseleistung bis 2030 muss aus klimapolitischer Sicht jedoch auf zehn Gigawatt in 2030 verdoppelt werden. Wasserstoff ist allerdings kein Allheilmittel: Die heutigen Erdgasmengen einfach durch Wasserstoff zu ersetzen, ist eine Illusion.



Grüner Wasserstoff ist ein rares Gut und zu wertvoll für eine Beimischung im Gasnetz und für die Nutzung in Heizungen oder Pkw. Er darf nur für die Bereiche eingesetzt werden, in denen es keine Alternative zu fossilen Energien gibt, wie zum Beispiel der Industrie.
Die Bundesregierung verschärft die Knappheit von grünem Wasserstoff zusätzlich, indem sie Wind- und Solarenergie fortlaufend ausbremst. Das offene Hintertürchen für blauen Wasserstoff, der aus fossilem Erdgas in Kombination mit der risikoreichen CCS-Technologie [Abscheidung und Speicherung von CO2] gewonnen wird, muss geschlossen werden. Die DUH fordert den Verzicht von auf fossilem Erdgas basierendem Wasserstoff.


Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der DUH: "Die Bundesregierung setzt einerseits auf das Pferd »Grüner Wasserstoff«, andererseits bremst sie den Ausbau der erneuerbaren Energien aus und verweigert dem Pferd damit das Futter. Man wird den Eindruck nicht los, dass die fossile Gasbranche mit ihrem blauen Wasserstoff schon in den Startlöchern sitzt, um doch noch das Rennen zu machen. Deshalb kommt es nun auf die konkrete Umsetzung der Wasserstoffstrategie und die Abarbeitung der vielen Prüfaufträge an: Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft trägt nur zur Energiewende bei, wenn Klima- und Nachhaltigkeitsziele in den Mittelpunkt gestellt werden und nicht die Wunschträume der fossilen Gasbranche."
Die Herstellung von Wasserstoff ist energieaufwendig und damit ineffizienter und teurer als die direkte Stromnutzung. Deshalb muss es weiterhin Priorität haben, den Energieverbrauch zu reduzieren und die erneuerbaren Energien auszubauen.

Dazu Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung der DUH:
"Grüner Wasserstoff hat in Pkw und Heizungen nichts zu suchen. Zum einen sind die Mengen begrenzt und müssen dort zum Einsatz kommen, wo keine Alternativen bereitstehen. Zum anderen fehlen die Abnehmer: Zwar sind allein in den Jahren 2006 bis 2016 700 Millionen Euro an Fördergeldern in das "Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie" geflossen und weitere vielstellige Summen sind in Aussicht gestellt. Aber keiner der deutschen Autobauer bietet auch nur ein Serienmodell mit diesem Antrieb an. Was die Hersteller interessiert, ist synthetischer Kraftstoff aus Wasserstoff als lebensverlängernde Maßnahme des Verbrennungsmotors. Das ist weder nachhaltig noch klimafreundlich und erweist dem Technologiestandort Deutschland einen Bärendienst. Politik und Industrie müssen sich anstelle von E-Fuels und Wasserstoff auf batterieelektrische Antriebe konzentrieren. Bis 2025 muss sich Deutschland vom Verbrennungsmotor verabschieden."



Eine pauschale Befreiung der Herstellung von Wasserstoff von Steuern und Abgaben, wie zum Beispiel der EEG-Umlage, lehnt die DUH ab. Für die Herstellung von grünem Wasserstoff wird zusätzlicher erneuerbarer Strom benötigt – deshalb müssen auch die Nutzer des Wasserstoffs mit der EEG-Umlage einen Beitrag zum Ausbau der Erneuerbaren leisten.



Für grünen Wasserstoff und andere strombasierte Kraftstoffe müssen nachhaltige Produktionsstandards gelten, um eine Treibhausgasminderung zu gewährleisten. Denn wenn der enorme Strombedarf andernorts durch verstärkte fossile Stromnutzung ausgeglichen wird, führt dies insgesamt zu hohen Mehremissionen.




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