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Grüner Salon: Höhn via Luge
03|11|2008



v.l.n.r.: Dr. Ingo Luge [Vorsitzender der Geschäftsführung
E.ON Kraftwerke GmbH], Bärbel Höhn [stellv. Fraktionsvorsitzende, Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion], Peter Sokolowski [Kreisvorsitzender der Grünen Wilhelmshaven]. 

85 Interessierte besuchten die Veranstaltung der Grünen in Wilhelmshaven. Bärbel Höhn diskutierte am 31. Oktober 2008 mit dem Eon Geschäftsführer aus Berlin Dr. Ingo Luge über Energiestrategien der Zukunft.

Zuvor am Nachmittag hatte Bärbel Höhn den neuen Typ der Offshore Windkraftanlagen der Bard Gruppe in der Nähe von Hooksiel besucht. Das 5 Megawatt Windkraftwerk ist die erste Anlage ihrer Art, die erstmalig nur vom Wasser aus aufgebaut wurde. Die Installation vor Hooksiel ist der Endpunkt einer Entwicklung, Windkraftanlagen auf See wie am Fließband aufzubauen.

Die Diskussion begann mit der Einführung in das Thema durch den Grünen Vorsitzenden in Wilhelmshaven, Peter Sokolowski. Er berichtete über seine Arbeit in der Zeche Rüstersiel, der Bürgerinitiative in Wilhelmshaven gegen Kohlekraftwerke und für Klimaschutz und wie intransparent das Thema Kohlekraftwerksansiedlung öffentlich gemacht wurde und mit welcher Geschwindigkeit die Verabschiedung der Bauleitpläne für den Rüstersieler Groden durch den Rat "gepeitscht" wurden.
Von den Gegnern der Kohlekrafterke wird diese Verfahrensweise mit den Bürgern als undemokratisch und intransparent interpretiert, was in der Ablehnung eines angestrebten Bürgerbegehrens gipfelte.

Im Zusammenhang mit dem Bau des neuesten Kohlekraftwerkes von Electrabel sind Ungereimtheiten mit dem sogenannten Baugrubenaushub aufgetreten. Das Gewerbeaufsichtsamt in Oldenburg hat Strafanzeige gegen den Bauherren gestellt, da dieser Aushub nur für den Untergrund von Kohlehalden bestimmt ist und nicht andernorts deponiert oder verwendet werden darf. Zusätzlich wurde das Material vor seinem Abtransport nicht einmal untersucht.

Peter Sokolowski erläuterte, dass bei voller Ausschöpfung der Bauleitpläne Wilhelmshaven der drittgrößte Emitent von CO2 in der Welt wäre. Kohlekraftwerkstechnologie, so Peter Sokolowski, ist Steinzeittechnologie und muß möglichst schnell durch Energieeffizienz, Energieeinsparungen und erneuerbare Energien ersetzt werden, damit der Klimawandel noch eingedämmt werden kann.

Nach seiner Einführung übergab der Grünen Vorsitzende aus Wilhelmshaven die Diskussionsleitung an Christoph Hinz vom Jeverschen Wochenblatt.

Die Diskutanten stellten zunächst ihre grundsätzlichen Standpunkte über die Energiestrategien der Zukunft dar.

Während sich Bärbel Höhn für den Atom- und Kohleausstieg sowie die Forcierung der erneuerbaren Energien starkmachte, berief sich Dr. Ingo Luge auf die drei Standbeine der Eon Firmenphilosophie: Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltschutz. Die Klimaziele der Bundesregierung definierte er als ambitioniert.

Bärbel Höhn erläuterte, daß, wenn die Klimaziele einhalten werden sollen, maximal 10 Kohlekraftwerke zum bestehenden Kohlekraftwerkspark hinzugebaut werden dürften. Das belegt sogar eine Studie des Bundesumweltministeriums, die Umweltminister Sigmar Gabriel selbst in Auftrag gab und die z. Zt. noch unter Verschluß gehalten wird.

Die erwartete Souveränität des Eon Geschäftssführers aus Berlin schwankte im Laufe des Abends, zumal es Bärbel Höhn sehr gut verstand sachlich argumentativ und schlüssig zu überzeugen. Unangenehme Randbemerkungen, wie die Einpreisung der kostenlos erhaltenen CO2 - Zertifikate, die Bärbel Höhn als "riesengroße Schweinerei" betitelte, konnte der Dr. Ingo Luge nicht plausibel relativieren.

Sie wies weiter daraufhin, dass die Erzeugung von Strom mit Windenergie schon billiger sei, als der Strom aus Atomkraftwerken. Auf Dauer ist abzusehen, dass die Stromerzeugung in herkömmlicher Weise teuer wäre, als durch die Erzeugung mit erneuerbaren Energien.

Dr. Ingo Luge wiederholte des öfteren, daß der Strom an der Leipziger Strombörse über die sogenannte Merit Order erzielt wird, d. h. das teuerste Kraftwerk im Stromangebot für den kommenden Tag bestimmt den Preis.Dieses Verfahren aber ist nicht unumstritten und wird im Zusammenhang mit Preismanipulation gebracht.

Die vielbeschworene gerechtefertigte Preispolitik kann Bärbel Höhn in den Aussagen der Energiekonzerne der großen Vier nicht wiederfinden, da sie immer erst bei juristischen Druck die Bezugspreise offenlegen, wie z. B. im jüngsten Kartellverfahren der Bundesnetzagentur gegen Eon, in dem festgestellt wurde, dass das Gas zu überhöhten Konditionen an die Endverbraucher weitergegeben wurde. Eon zahlt nun 55 Millionen Euro an die Verbraucher zurück und verschob die nächste Gaspreiserhöhnung um zwei Monate, um so ein weiteres kostspieligeres Verfahren zu vermeiden.

Bärbel Höhn führte weiter aus, daß sie den Eindruck habe, daß die vier dominierenden Energiekonzerne ein massives Interesse daran hätten, den Energiemarkt auch in Zukunft beherrschen zu wollen.

Am Beispiel der Offshore Windenergie-Politik wurde dies besonders deutlich. Während die großen Energiekonzerne immer nur Probleme beim Bau der Windgeneratoren im Meer sehen, bringt es ein mittelständisches Unternehmen in kürzerer Zeit zur Serienreife und das sogar für größere Wassertiefen als 30 Meter.
Während Eon noch am ersten Windpark mit insgesamt 60 Megawatt tüftelt [12 Anlagen], baut die Bard Gruppe ab dem kommenden Frühjahr 400 Megawatt in die Nordsee vor Borkum [80 Anlagen].
Zusätzlich haben die großen Energiekonzerne sämtliche Flächen für Windenergiestandorte in der Nordsee aufgekauft, was die Konditionen für die Konkurrenz zusätzlich erschwert und den Ausbau der Windenergie offshore zusätzlich verzögern wird.


Dr. Ingo Luge verwies in seinen Ausführungen immer wieder auf den Einsatz modernster umweltschonenderer Technologien, effizientere Kraftwerke und die Förderung veschiedenster wissenschaftlicher Projekte, um seine Unternehmensstrategie plausibel zu machen.

Allerdings machte Bärbel Höhn deutlich, dass auch die modernsten Technologien den Ausstoß von Tonnen von schädlichen Stoffen nicht verhindert werden könnte, wodurch in Ballungszentren mit fossilen Energieerzeugungssystemen oder Müllverbrennungsanlagen vermehrt Allergien und Lungenkrankheiten wie z. B. Bronchitis auftreten würden. Der massive Ausbau von Kohlekraftwerken wäre somit hingegen gegenteiliger Aussagen der Kohlekraftwerksbefürworter eine Verschlechterung für Wilhelmshaven und das durch den Tourismus dominierte Umland.

Würden wir den Kandidaten eine Gewichtung in Plausibilität und schlüssiger Argumentation geben müssen, so hätte sie an diesem Abend Bärbel Höhn verdient.

Sie konnte ungemein überzeugend darlegen, warum erneuerbare Energien kombiniert mit dem Ausstieg aus dem Ausbau der fossilen Ernergieerzeugung unabdingbare Bedingungen sind, um den Klimawandel einzudämmen. Außerdem belegte sie an diesem Abend zum wiederholten Male, dass auch mit der Abschaltung der Atomkraftwerke genügend Strom vorhanden wäre, denn Deutschland war auch nach der Abschaltung von 6 Atomkraftwerken im Jahre 2007 immer noch in der Lage Strom zu exportieren und es sei auch nicht bekannt, dass irgendwo in Deutschland Lampen aufgrund eines Stromausfalls geflackert hätten.

Eine zentrale Bindung an Energieerzeugungsstätten für die Zukunft wäre somit kontraproduktiv und würde Innovationen im Energieerzeugungsbereich unnötig verschleppen.

Dezentralisierung, Bio- und Windenergie, Solarstrom, Geothermie, Stromeinsparung, moderne Energiespeichersysteme, effiziente und intelligent vernetzte Stromerzeugung aus verschiedensten Quellen erneuerbarer Energieerzeugungssysteme, kombiniert mit effizientem Stromtransport über Gleichspannungsnetze werden die zukünftige Energieversorgung auch in der Grundlast sicherstellen.

Nach Beantwortung verschiedenster Publikumsfragen ging nach etwa zwei Stunden ein hochinformativer Abend zu Ende, nicht ohne die Arbeit der Ärzteinitiative Wilhelmshaven und der Zeche Rüstersiel hervorzuheben. Ausdrücklich dankte Bärbel Höhn Dr. Ingo Luge für sein Kommen, was nicht unbedingt selbstverständlich ist, in einer Zeit des wachsenden Widerstandes gegen Kohlekraftwerke und dem Wiederaufflammen der ablehnenden Haltung gegenüber Atomkraftwerken.


Wolf-Dietrich Hufenbach

Links:
Strombörse [Wikipedia]
Leipziger Strombörse
www.BARD-OFFSHORE.de
Strom aus der Nordsee für 71 Millionen Haushalte
Offshore-Windkraft: BARD beginnt mit Bau einer Testanlage vor Hooksiel
Neue Windparks auf See
www.ASSE2.de
www.AufpASSEn.org
Atomkraft ist lebensgefährlich
Tschernobyl
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