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Der geistige und historische Hintergrund unserer Schulmisere
25|06|2012



Mit "5 vor 12"lässt sich der "Ist-Zustand" schon ganz gut charakterisieren.

Die allgemeine Schulpflicht wurde erstmals eingeführt in Deutschland 1717 im Königreich Preußen, durch König Friedrich Wilhelm den Ersten, Vater des später Friedrich der Große genannten Musen- und Schlachtenkönigs:

„Wir vernehmen missfällig und wird verschiedentlich von denen Inspectoren und Predigern bey Uns geklaget, dass die Eltern, absonderlich auf dem Lande, in Schickung ihrer Kinder zur Schule sich sehr säumig erzeigen, und dadurch die arme Jugend in grosse Unwissenheit, so wohl was das lesen, schreiben und rechnen betrifft, als auch in denen zu ihrem Heyl und Seligkeit dienenden höchstnötigen Stücken auffwachsen laßen.“
..."gegen zwei Dreier wöchentliches Schulgeld, ... , im Winter täglich und im Sommer, wann die Eltern bei ihrer Wirtschaft benötigt sein, zum wenigsten ein- oder zweimal die Woche, damit sie dasjenige, was im Winter erlernet worden, nicht gänzlich vergessen mögen." ...“Falls aber die Eltern das Vermögen nicht hätten; So wollen Wir dass solche Zwey Dreyer aus jeden Ortes Allmosen bezahlet werden sollen.“

Aus den Zitaten wird deutlich, wie es zu Beginn des Zeitalters der Aufklärung um die „Bildungsgesellschaft“ stand: Kinder der Land- und Stadtbevölkerung wurden in der Regel voll zur Erwachsenenarbeit auf dem Feld und an Webstühlen herangezogen und hatten keinerlei Chance zum Erlernen der Schrift etc. Sie wurden in eine Gesellschaftsklasse hineingeboren [„Holzklasse“ entsprechend der späteren 3. und 4. Klasse der Eisenbahnwaggons = harte Sitze], aus der sie von vornherein durch eigenständige Leistung nicht heraus kommen konnten, waren sie auch noch so begabt. Eine ähnliche Situation entsteht gerade in Deutschland des 21. Jahrhunderts in einem der reichsten und entwickelsten Land der Erde mit der Herausbildung eines neuen „Prekariats“, also der Hartz-Kinder und Eltern
[siehe auch: Schulen gestern und heute]

Friedrich Wilhelm I. sah die Einführung der Schulpflicht unter ganz „praktischen“ Gesichtspunkten:
Die Wirtschaftskraft und Wehrfähigkeit seines Landes sollte auf ein höheres Niveau gehoben werden. Kulturelle Entfaltung hatte er dabei nicht im Auge. Die Wissenschaften wurden von ihm nur dort gefördert, wo sie „der Wirtschaft“ oder dem Militär dienten. Alle anderen Bereiche der Wissenschaft, insbesondere der Geisteswissenschaften wurden von ihm zurecht gestutzt und „auf Linie gebracht“, was dazu führte, daß zwei renommierte Professoren unter Lebensgefahr das Land Preussen verließen.

Fazit:
seine Generäle und Wirtschaftsführer sollten Untertanen an die Hand bekommen, die schriftliche Befehle und Dienstanordnungen lesen und einige auch Forschungen auf dem Gebiet der Sprengstoffkunde leisten konnten. Andere Fächer standen nicht im Fokus der Aufmerksamkeit und Förderung.

Unser heutiges Schulsystem mit Frontalunterricht, Notenhierarchie, Sitzenbleiben, Betonung der naturwissenschaftlichen Kernfächer, Druck statt Motivation etc., trägt immer noch den Geist seiner einstigen Gründung im Soldatenstaat Preußen 1717 in sich, ob dies den beteiligten Protagonisten von heute nun bewußt ist oder nicht.

Für die Wohlstandsgesellschaft notwendiges „Wissen“, wie z.B. die konsequente Ausbeutung der Natur durch technisch ausgereifte Mittel wie Pestizid“-Behandlung von Nahrungspflanzen, professionelle Rodung von jetzt Regenwäldern, um „Platz zu schaffen“ für nur ein paar Jahre funktionierenden Palmöl-Anbau, intensiven Maschineneinsatz in der Landwirtschaft, Gentechnik, Pharmaindustrie zur „Volksgesundheit“, ist nur möglich, wenn eine gewisse „Ethik“ der Handelnden und Ausführenden dahinter steht. Ich kann die Natur nur zerstören, wenn ich meinen natürlichen Respekt vor der Natur vorher entsprechend ausgetrieben bekommen habe bzw. ein naturerhaltender, nachhaltiger Umgang mit Gottes Schöpfung vorher nicht von den Erwachsenen, Vorfahren etc. vermittelt wurde.

Nichts anderes stand zur Zeit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Preußen mit militärischem Hintergrund auf der Agenda:
Überwindung der natürlichen Tötungshemmung des Soldaten beim Drill auf dem Exerzierplatz und in der Kaserne war erforderlich, um eine mutige und schlagkräftige Armee aufzustellen. Diese natürliche Tötungshemmung kann einem „Ausbilder“ bei Rekruten nur durch Brechung seines Willens und anschließendem „Wiederaufbau“ unter soldatischen Gesichtspunkten gelingen. Die Militärerziehung in sämtlichen Nationen der Erde ist auf diese Weise ausgerichtet. Was für die soldatischen Ziele ja durchaus „Sinn“ macht.

Irgendwie ist dieser Geist und Ethos aber in unserem Schulsystem gelandet, in dem noch in den 50er Jahren unseres Jahrhunderts [des 20.] Alt-Nazis den Schülern Drill und Disziplin beibrachten, statt eigenständiges Denken und Entfaltung der jedem einzelnen Schüler individuell verschiedenen Kreativität und Begabungen.

In den 70er Jahren erfuhr unser Schulsystem eine Veränderung, als „68er“ Studenten inzwischen ihr erstes und zweites Staatsexamen absolviert hatten und in die Lehrkörper sämtlicher Schulen eindrangen und eine anderen Geist Einzug halten ließen. Auch die pädagogischen Hochschulen erfuhren eine Veränderung.

Von den bisherigen Herrschern unseres Landes, den Industrie- und Wirtschaftskapitänen und den von ihnen alimentierten konservativen Politikern wurde diese Entwicklung mit großem Argwohn betrachtet und an Gegenstrategien gearbeitet. Diese wurden seit der Machtergreifung Helmut Kohls mittels eines kombinierten Mißtrauensvotums [positiv] und anschließender Vertrauensfrage [negativ] konsequent umgesetzt. Ihre Krönung erfuhr die Gegenrevolution des deutschen Bildungswesens durch die reaktionären konservativen Kräfte in der Verkürzung der Gymnasialzeit um ein Jahr ohne Lehrinhaltseinbuße, das sogenannte „G 8“, das auf Druck „der Wirtschaft“ gegen sämtliche Elternverbände, Kultusministeriums-Fachkräfte und sonstige berechtigte Bedenken mit heißer Nadel gestrickt, brutalst schnell und „konsequent“ durchgeboxt wurde, mit verheerenden Folgen für die Schüler, die dies jetzt ausbaden mußten.

Ergebnis:
Wir sind jetzt wieder auf dem Stand von Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.. In einer technisch und intellektuell entwickelten Zeit, in der man so etwas kaum für möglich erachten mag.

Möglich ist dies, weil auch viele Eltern, obwohl sie sehen, wie ihre Kinder unter diesen Rückschritten in der Bildungs- und Schulpolitik leiden, so stur an ihrer eigenen Wohlstandsgesellschaftsgläubigkeit festhalten, daß sie dieses politisch letztendlich tolerieren und nicht dagegen konsequent vorgehen. Sie sind von ihrer eigenen Angst, ihren erreichten Wohlstand mit Zweitwagen, Zweitverdiener, Urlaub in Übersee, Flachbildfernseher im Wohnzimmer und überbillige Nahrungsmittel zu verlieren, geradezu hypnotisiert.

Da haben dann die Ideologen und Propagandisten der neoliberalen Welt [des Untergangs] leichtes Spiel.

Der Soldatenkönig von Preußen ist heute eine Frau, ebenfalls aus Preußen, das Dreiklassenwahlrecht von Preußen steht kurz vor der Wiedereinführung [Gewichtung der Wählerstimmen bei Landtags- und Bundestagswahlen analog der Aktiengesellschaft nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit – die Einführung eines „Gouverneurrates“ durch den anstehenden Fiskalpakt geht genau in diese Richtung], die Schlachten finden heute über Finanzzuweisungen der EZB, IWF etc. statt, gebunden mit Verpflichtungen empfangender Staaten, ihre demokratischen Rechte aufzugeben [siehe Griechenland, die nächsten Staaten folgen], und Wissenschaftler, die „eigenständige“ Wege gehen wollen, finden in der derzeitigen Hochschullandschaft mit „Drittmittelforschung“ [Einbruch der Privaten in unser öffentliches Hochschulsystem] keinen Platz mehr.

Theologen[innen], die in einer Silvesterpredigt Zweifel an militärischen Operationen Deutschlands in Vorderasien lautbar machen und artikulieren, werden sofort von Politikern angegriffen und denunziert. Eine Trunkenfahrt ohne Folgen bedeutet da schnell ein Aus, was bei anderen Trunkenheitsfahrern noch lange keine politischen Konsequenzen zeitigt.

Also, irgendwie hat der Geist Preussens des 18. Jahrhunderts wieder in unserem Land Einzug gehalten. Ob wir damit die Probleme des 21. Jahrhunderts, vor allem der sich erschöpfenden fossilen Rohstoffe, des dadurch menschengemachten Klima- und Agrarwandels, lösen können, bleibt in meinen Augen höchst zweifelhaft. Wir erleben eine Renaissance der „Disziplin“, „vorauseilenden“ und Kadavergehorsams, von dem fraglich ist, ob er dem Fortschritt der Menschheit dient, oder nur einigen Partikularinteressen einer neuen Schicht des Vermögens- und Wirtschaftsadels, der sich übrigens darin gefällt, genau die Ethik, Verhaltensweisen usw. des Adels der eigentlich überwunden geglaubten Zeit wieder zu übernehmen, wie z.B. nur „unter sich“ heiraten, starke Abgrenzung vom „Volk“, Herrschaftsattitüden usw. .

Konsequent wird deshalb jetzt auch wieder die Wiedereinführung der sogenannten „Kopfnoten“ propagiert. Mit „Kopf“ sind hier allerdings nicht die zum Denken befähigenden Gehirnzellen gemeint, sondern der „Kopf“ des Zeugnisses, also der obere Teil, auf dem vor den eigentlichen Fächernoten zwei Noten für Betragen und Fleiß dem Verwender des Zeugnisses auf einen Blick deutlich machen soll, ob es sich um einen „gehorsamen“ oder einen „aufmüpfigen“, „quer denkenden“ Schüler handelt. Die Einschränkung der Demonstrations- und Meinungsfreiheit, in den letzten Wochen und Monaten bläst ins gleiche Horn.

Wir wollen eine Wirtschaft, die „funktioniert“ und nicht zu viele Fragen.

Wenn dann die Katastrophe trotzdem kommt, weil sie nicht aufzuhalten ist, wird man um wohlfeile Argumente nicht verlegen sein. „Plötzliche Naturereignisse“ sind das dann, so wie z.B. inzwischen über 200 Spuntwandlöcher im Wilhelmshavener Prestige- und Ideologieprojekt „Tiefwasserhafen“ „JadeWeserPort“. Man kann es sich einfach nicht erklären. So was. Diese bösen Löcher! Ausmerzen sollte man die, diese aufmüpfigen Löcher. Hauptsache, die Verantwortlichen werden für ihre Nachlässigkeit und Lässigkeit nicht verantwortlich gemacht. Da ist nämlich viel Geld und Renommé im Spiel. Und die nächsten Wahlen.

So werden dann menschengemachte Löcher [wegen Rammverfahren ohne Führungsschienen, die nicht dem „gegenwärtigen Stand von Wissenschaft und Technik“ entsprachen, aber eben „billiger“ waren] kurzerhand zu „Naturereignissen“ erklärt. Und damit war niemand schuld. [Außer dem Steuerzahler.]

Damit die Bevölkerung bei solchen Katastrophen nicht aufmüpfig wird, braucht es halt ein entsprechendes Schulsystem. Kinder, denen bereits in der Schule kritisches und eigenständiges Denken „aberzogen“ wird [ausgetrieben wird], neigen später als Erwachsene auch nicht zu zu großer „Aufmüpfigkeit“ oder sogar „Miesmachens“.

Die eigentliche Wurzel des Übels und des Versagens in unserem Land sind die Miesmacher und Kritiker. Nicht die realen Verursacher. Das ist doch klar, oder?

In Deutschland gibt es z.b. jede Menge Miesmacher, die die Zerstörung der grünen Lunge unserer Erde [die Regenwälder] u.a. durch Anbau von Palmöl auf ehemaligem Regenwaldboden und Förderung des staatlich subventionierten Auto-Kraftstoffs „E 10“ [der genau aus diesem Palmöl hergestellt wird] „miesmachen“ [also dagegen sind]. Es gibt halt Leute, die sind [angeblich] „immer“ dagegen. Mit solchen Kritlern kann man keinen Staat machen. Jawohl!

Deutschland in Reih' und Glied! Das ist das, was wir wieder brauchen. Das haben nur einige noch nicht begriffen. Aber der Rohrstock der Arbeitgeber und Hartz Vier Drohkulisse wird es schon wieder jedem begreiflich machen.

Deutschland, das Land der Dichter und Denker. Oder der Richter und Henker? [Dürrenmatt, bitte vom Lehrplan nehmen!]

Bald schöne Sommerferien
wünscht
Heidi Berg

Als Nachruf und zugleich Plädoyer dafür, daß jedes Kind ein Recht darauf hat, eine reelle Chance zu bekommen in unserer Gesellschaft, und seinen eigenen ganz spezifischen Wert hat:

Der Bauer und sein Sohn

Der Bauer steht vor seinem Feld
und zieht die Stirne kraus in Falten.
"Ich hab den Acker wohl bestellt,
auf reine Aussaat streng gehalten;
nun seh mir eins das Unkraut an!
Das hat der böse Feind getan!"
Da kommt sein Knabe hochbeglückt,
mit bunten Blüten reich beladen;
im Felde hat er sie gepflückt,
Kornblumen sind es, Mohn und Raden.
Er jauchzt:" Sieh, Vater, nur die Pracht!
Die hat der liebe Gott!" gemacht!"

Julius Sturm [1816-1896]

... gefunden auf der Garten-Seite von Ratsherr Joachim Tjaden , der vor knapp einem Monat unerwartet von uns gegangen ist:

Lesehinweis:
29|05|2012: Schulen gestern und heute – der Irrsinn hat Methode


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