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Auffällig zufällig 01|07|2010
 Karikatur vergrössern | zur Lieblings-Karikatur von Dr Rübsamen [Leiter Gesundheitsamt Wilhelmshaven]: Chorknaben
Die Badewasserqualität am Wilhelmshavener Südstrand fällt meistens gut bis besser aus, und das ist kein Zufall.
Gewissenhaft wird immer an der selben Stelle geprüft, im Strömungsschatten der großen Buhne in Höhe des ehemaligen Planschbeckens, der heutigen großen Liegewiese. Hier ist die Gefahr sehr gering, daß "irgendwas" das Wässerchen und die gute Badelaune trüben könnte. Sommer, Sonne, super Wasser.
Dem schönen Dreiklang will das Gesundheitsamt nicht im Wege stehen. Penibel alle 14 Tage in der Badesaison, wird dort die Wasserqualität geprüft, nach hoch wissenschaftlicher Prämisse, durch die sogenannten "Zufallsbeprobung". Diese amtlich und fachlich sich gebenden Wortschöpfung hat einen tieferen Sinn. Zufällig wird nämlich nie dann geprüft und beprobt, wenn regenbedingt große, ungeklärte Abwassereinleitungen am Badestrand entlang trudeln.
Wer geht auch schon bei Regenwetter an den Strand, wenn er 14 Tage "Probezeit" hat. Man kann doch auch bei schönem Wetter proben und hält sich und die Welt von ärgerlichen Erkenntnissen frei - probt dann, wenn Gift und Scheiß und Dreck und Schmier sich verdünnisiert haben könnten.
Auch, wenn die Prüfungsergebnisse auffällig gefällig zufällig sind: Für ein verträumtes Gemeinwesen ist es geboten, eine harmonisch ruhige Stimmungslage zu halten, schon der Gesundheit wegen. "Nicht erschrecken, erst recht nicht wecken !", ist eine Form der Fürsorge.
Für die Harmlosigkeit der Fäkalienschwemme am Südstrand gutachtet der Leiter des Wilhelmshavener Gesundheitsamtes, Herr Dr. Rübsamen, der durch eine etwas hemdsärmelige Gesundheits- und Hygieneauffassung dem zimperlichen Mitmenschen schon mal sagt, wie Narkose aussieht.
Auf einer Podiumsdiskussion zum Thema "Schwimmen in ungeklärtem Stadtabwasser" wurde aus dem Publikum die aufmüpfige Frage gestellt:"Wie ist das mit den Krankenhausabwässern? Werden die vorher geklärt, oder gehen die auch ungeklärt in den Jadebusen?"So eine blöde, egoistische Frage hatte ihm gerade noch gefehlt. Ihm, der für die Gesundheit einer ganzen Stadt sich sorgt und nun, bitte schön, nicht jedem sein gewünschtes Badewasser zubereiten kann. - Dem sprach er ein deutlich erhobenes Mittelfingerchen aus:"Die Krankenhausabwässer werden nicht extra geklärt. Das ist auch gar nicht nötig". - "Die Leute werden ja schließlich auch zu Hause krank." Eine solche Gesundheitslogik, unter Anerkennung der Selbstverständlichkeit von Fäkalieneinleitungen an einem Badestrand, müßte eiligst in betreute Obhut gebracht werden, denn sie ist echt krank. Wer sich noch nicht an die Argumentationsketten der örtlichen Verlautbarungsinhaber gewöhnt hat, dem sei gesagt: Diese Gesundheitsdoofheiten ragen keineswegs hervor, sondern passen fugenlos in die gewohnt pampige Rechthaberei Boomtownscher Hybris. Sie halten das bekannte Niveau sonstiger Aussagen zu zweifelhaften Praktiken.
Einmal, in den 130 Jahren sorgloser Fäkalentsorgung, wurden bei einer Einleitung ungeklärter Stadtabwässer - das können schon einmal 130.000 Kubikmeter schwarzer, stinkender Brühe sein - Wasserproben genommen ... und das Ergebnis bekannt gegeben.
Das wird wahrscheinlich einmalig bleiben, denn das Resultat war furchterregend. Die Belastungen des Badegewässers waren an einigen Meßstellen um das zwanzigfache über den EU Richtwerten.
Seitdem die EU die Richtwerte aus Bedenklichkeitsgründen noch einmal drastisch gesenkt hat, wären die Meßergebnisse heute vierzig- bis fünfzigfach über der Unbedenklichkeitsgrenze.
Doch auch, wenn diese Grenze eingehalten werden könnte - eine Sauerei bliebe es trotzdem.
Bei einer Fäkalieneinleitung via Banter Siel füllt sich sehr schnell [130.000 m3] das gesamte Becken zwischen Strandufer und Sandbank und man sieht, z.B. bei beginnender Ebbe, die Verfärbung des Wassers vom Siel bis zur Strandhalle - also über den gesamten Badestrand. Die Fäkalbrühe rauscht auch nicht husch mit der Ebbe davon, sondern bildet "Nester" und schaukelt sich über Stunden auf zu immer höheren Konzentrationen, die je nach Windrichtung mehr am Ufer oder stärker in der Schwimmerzone verweilen.
Übrigens: Eingeleitet wird immer, wenn es regnet - egal, ob das Wasser steht, kommt oder geht.
Die einzige echte Beprobung während einer Einleitung, mit vielen Meßstellen am Ufer und vom Schiff aus, ist dokumentiert in einem Flyer der Bürgerinitiative "Die Kaiserlichen KanalarbeiterInnen", den man unbedingt sehen und lesen muß, um dem Harmloslabern der zuständigen Instanzen - vom Dezernenten für Umwelt und Kultur [!], dem Gesundheitsamt, den Wilhelmshavener Entsorgungs Betrieben, bis hin zum Oberbürgermeister - nicht mehr auf den Leim zu gehen.
Maßgeblich beteiligt an der gezielten Verdummung der Wilhelmshavener Bürger ist die hiesige "Zeitung" [WZ], die über Jahrzehnte ihre Jubelbeiträge ablieferte, wie sauber das doch sei, was aus dem Banter Siel kommt. Sogar von einem Ende der Einleitungen wurde jahrelang berichtet und, daß nun nur noch Süßwasser die Öffnung im Deich verläßt.
Titel: "Ab jetzt wird der Jadebusen versüßt." ... Auch zu den Lügengeschichten des Heimatblattes gibt es eine schöne Broschüre mit einer Sammlung unglaublicher Aussagen, die alle davon ausgehen: "Unsere Leser sind blitzdumm." Wir Wilhelmshavener werden im echten Sinne des Wortes, verscheißert.
Wilhelm
Schönborn Investigativer Rentner
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