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Alleinstellungsmerkmal Dummheit und die WZ
15|11|2010



Ein Sorgenkind der Stadt Wilhelmshaven: die Stadthalle die jährlich fast ungenutzt 1 Million Euro an Miete verschlingt - bis 2019. In Wilhelmshaven puscht man natürlich auch diese Bausünde.

Anlaß für meine Betrachtungen ist ein Artikel von Norberz Czyz in der WZ vom Mittwoch, 10. November 2010: „Konzerte sind ein Alleinstellungsmerkmal für die Region“

Die Journalisten der WZ überbieten sich seit längerem in Schönfärberei und Auftragsschreiberei für die Mächtigen. Dabei benutzen sie die seit den 90ern regelrecht in Mode gekommenen neuen Wortschöpfungen der Initiative Neue Unsoziale Marktwirtschaft, die nach erfolgreicher Platzierung in der Medienwelt bereitwilligst auch von den Benachteiligten dieser neuen Bewegung aufgenommen werden, u.a. SPD-Politikern und nun sogar dem Kulturschreiber Norbert Czyz von der WZ.

Anlaß für den Artikel von Norbert Czyz sind die leeren Stuhlreihen bei Sinfonie-Konzerten in der Stadthalle. Norbert Czyz fordert die Wilhelmshavener Musikliebhaber und Freunde gehobener Kulturereignisse ultimativ dazu auf, die Konzerte in der Stadthalle zukünftig zu besuchen, auch wenn einem nicht gerade der Sinn danach stehe. Sonst würden die Konzerte in naher Zukunft wohl mangels Publikumsinteresses eingestellt werden.

Noch hätten die Konzerte ein Niveau, wie es ebenso „in Köln, Hamburg oder Berlin“ angeboten würde.

Ich fühle mich bei diesen hochtrabenden Worten sofort an meinen Städtevergleich „Hamburg-Wilhelmshaven“ erinnert. Die Wilhelmshavener wollen sich ebenbürtige mit den wahren Großstädten der Republik fühlen. Das poliert das Selbstwertgefühl auf gleich um ein Vielfaches. Drum brauchen wir ja auch einen Welt-Hafen mit Container-Lärm und allem drumunddran. Doch zurück zu der leeren Stadthalle.

Warum bleiben die Besucher aus? Liegt es an der angeblichen Abgehobenheit des Wilhelmshavener Publikums, die sich nach Czyz nur die „vermeintlichen Rosinen herauspicken“ wolle?

Czyz sucht die Gründe für die leeren Stuhlreihen in der Stadthalle beim Publikum. Genauso, wie Schuld an der Finanzmisere wohl die allgemeine weltweite Wirtschaftslage und die Miesmacher im Internet hätten, so laut OberUnterBürgermeister Menzel & Co. Schuld haben immer die Unschuldigen. Auf die kann man herrlich draufhauen, wenn's für einen selber eigentlich langsam super-peinlich wird. Die Sensiblen können sich nämlich nicht wehren. Ihnen fehlt dazu die Macht und ein Sprachrohr wie die WZ, die nur das abdruckt, was die hohen Herren der JadeWeserPortConnection wollen.

Daß diese Mentalität nun sogar beim eigentlich unpolitischen Musikkritiker Czyz angekommen ist, verwundert allerdings schon, und läßt Schlimmes erahnen. Wenn ein Musikkritiker nun auch die Sprache des Wirtschaftsheroismus für seine Musikkritiken benutzt, wird es nicht mehr lange dauern, bis Musikkonzerte und Gottesdienstbesuche und dadurch Kirchenrenovierungen etc.pp. ausschließlich nach Leistungsfähigkeits- und Wettbewerbskriterien entschieden werden. Das Wort  „Alleinstellungsmerkmal“ ist eindeutig ein Begriff der Arbeitgeber hinsichtlich des Aussiebens von „geeigneten“ Bewerbern für ihr Unternehmen. Wenn ein Arbeitnehmer oder auch ein Bewerber für höhere Aufgaben über „Alleinstellungsmerkmale“ verfüge, dann habe er erhöhte Chancen, die Stelle auch zu bekommen.

Beispiel:
Roland Koch war vor kurzem für ein paar Wochen selbstgewählt „arbeitslos“ und bewarb sich bei der Firma, die vom Flughafenausbau besonders profitierte [in Euro Gewinn], welchen er in politischer Funktion als Ministerpräsident in Hessen maßgeblich ermöglicht und gefördert hat. Seine bisherigen Verdienste in politischer Funktion sind offensichtlich solch ein Alleinstellungsmerkmal gewesen bei seiner Auswahl als neuer Vorstandssprecher der Bilfinger und Berger, demnächst jetzt also Bilfinger & Koch.

Allein seine politischen „Verdienste“, z.B. die „brutalst mögliche Aufklärung“ in der CDU-Spendenaffäre oder seine regelmäßige Ausländerhetze bei gleichzeitiger Absetzung von '“übereifrigen“ Steuerfahndern in seinem Ländle sind mit Sicherheit absolute Alleinstellungsmerkmale für einen Posten, der im gnadenlosen Wettbewerb ebenso gnadenlose Charaktereigenschaften verlangt.

Diesen Begriff verwendet nun Norbert Czyz im Zusammenhang mit leeren Zuschauerrängen in der Region. Wie kommt er bloß auf diesen Begriff?

Eine genauere Betrachtung der Kulturszene in WHV ergibt folgendes:
die Stadthalle ist schon an und für sich meines Erachtens und wohl auch in den Augen vieler Musikliebhaber in Wilhelmshaven nicht gerade der ideale Ort für edle Sinfoniekonzerte.

Der End-70er-Jahre Zweckbau, mehrmals umgebaut und dauerhaft ein Finanzloch für die Stadt, bietet als einziges „Alleinstellungsmerkmal“ gegenüber anderen Konzertsälen in der Stadt die Anzahl der aufstellbaren Stühle. Hier ist die Stadthalle wirklich Spitze. Aber das war's auch schon.

Die früher orangefarbene Stadthalle ist häßlich, paßt architektonisch überhaupt nicht ins Stadtbild, ist mehr eine Art Raumschiff wie das ICC in Berlin, daß sich irgendwie im Universum verirrt hat und aus Versehen dort gelandet ist, wo es nun steht. Die Besatzung hat sich ins Hubertus abgesetzt oder sucht auf dem Marinegelände nach brauchbaren Antennen für einen Funkspruch zurück nach Hause auf Aldebaran II.

In diesem Gebäude sollen nun Werke von Beethoven, Mozart oder Schostakowitsch aufgeführt werden. Da wundern sich rückwirkend und sich im Grabe umdrehend die genannten Komponisten, die sämtlich über echte Alleinstellungsmerkmale verfügten, dafür zu Lebzeiten aber nie gewürdigt wurden. Ihnen wurde NIE eine Glasenuhr [John Niemann an Wirtschaftsminister Bode WZ v. 2.10.2010] überreicht oder ähnliches. Ihnen wurde nie EINE HANDBREIT WASSER UNTER DEM KIEL gewünscht. Sie mußten von Hartz Vier leben, hieß damals aber anders [„Armut“].

Komisch:
das kürzlich stattfindende Kammerkonzert der Wilhelmshavener Gymnasien war voll, ebenfalls die Aufführung des „Paulus“ in der Banter Kirche. Norbert Czyz war dort auch anwesend und berichtete entsprechend für die WZ.

Waren das die Rosinen, die sich die Wilhelmshavener lediglich rauspicken? Oder fanden die Konzerte einfach nur in einem den aufgeführten Werken würdigen Rahmen statt?

Nicht nur der Ton macht die Musik. Manchmal auch ein Raum. „Zum Raum wird hier die Zeit“, dichtete Richard Wagner. Selbiger ließ extra einen eigenen Raum für seine Werke schaffen, das Festspielhaus in Bayreuth. Er erfand darin den „Orchestergraben“, in dem er – aus akkustischen Gründen – das Orchester versteckte, welches die Stimmen der Solisten nicht übertönen sollte. Auch den Standort für sein Konzerthaus wählte er sorgsam aus. Es steht auf dem „grünen Hügel“. In romantischer Landschaft am Ortsrand von Bayreuth, thronend über der Stadt. Allein beim Wandeln im Park an diesem Ort erhebt sich die Seele bereits, hervorragend Musik- und Kunstgenuß erwartend.

Solch ein „Gesamtkunstwerk“ [Richard Wagner] ist Wilhelmshaven fremd. Ein Konzertsaal am Wasser, ähnlich der ehemaligen Strandhalle [„Columbus“] wäre in Wilhelmshaven ein Ort mit Alleinstellungsmerkmal. Wer kann schon aus dem Konzertsaal heraus aufs Meer blicken? Stattdessen werden am Wilhelmshavener Meerbusen lediglich „profitable“ Immobilienprojekte verwirklicht und Kacke eingeleitet. Ein Gesamtkunstwerk der anderen Art. Mit OB Menzel als Dirigent.

Wilhelmshaven hat längst andere Alleinstellungsmerkmale erworben: DRECK, LÄRM UND GESTANK. Die stinkende Stadt am rußenden Meer mit dem seefischfreien boomtown-Hafen.

Mit einer Touristik und Freizeit GmbH, jetzt WTG, die nicht einmal Geld für Blumenschmuck auf der Bühne hat. Was etlichen Lesern der WZ und Besuchern der Sinfonie-Konzerte aufgefallen ist, dem Musikkritiker Norbert Czyz aber nicht. Wo hatte er bloß seine Augen und Ohren?

Der Sinfoniestandort Wilhelmshaven ist gefährdet! Nur nach den wahren Ursachen wird nicht geforscht. Schuld sind im Zweifel immer die anderen. Das hat Methode in Wilhelmshaven und ist wohl sein Haupt-Alleinstellungsmerkmal in der Region.

Vielleicht kann man ja demnächst Sinfonie-Bildungsgutscheine oder Chipkarten in den Wilhelmshavener Kindergärten und Schulen verteilen, um die Besucherfrequenz in der Stadthalle bei klassischen Konzerten zu erhöhen. Am besten verteilt man auch gleich noch Augenbinden, damit die Konzertbesucher bei ihrem Musikgenuß nicht durch ästhetische Störfeuer von der Kulisse abgelenkt werden.

Und Herrn Czyz spenden wir einen Gutschein für einen Manager- und Journalistenlehrgang bei der INSM [Initiative Unsoziale Marktwirtschaft], damit er sein Vokabular für zukünftige Musikkritiken und andere lokale Berichterstattungen noch verfeinern kann.

Augen zu, ich seh nichts, also bin ich nicht da.

Heidi Berg


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