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Deutschlands politische und wirtschaftliche Oberschicht
13|10|2015



Das Image des Wirtschaftswunders wird von den eigenen Führungskräften ramponiert.

Ist sie nur Bestandteil einer globalen Jauchegrube oder ist sie die Jauche selber?

Diese Frage drängt sich auf durch die ständig neuen Hintergrund-Enthüllungen seit Bekanntwerden der verbrecherischen Abgasmanipulationen an den [Diesel]Antriebsaggregaten aller Modellreihen der zum VW Konzern gehörenden 12 internationalen Automarken.

Gingen Anfangs die geschockten Bundesbürger in ihrer Verständnisbereitschaft für diese Vorgänge noch davon aus, es mit einer, durch weltweiten Wettbewerbsdruck aus Not und Sorge um den Bestand des Konzerns und der Hunderttausende damit verbundenen Arbeitsplätze getriebenen Firmenspitze zu tun zu haben, so hat sich das in der deutschen Öffentlichkeit darauf gründende Mitleids- und Verständnisbild drastisch gewandelt.

Warum ist das nur so, mag sich vielleicht immer noch manch einer der vielen dauerblinden Zeitgenossen im Lande fragen.

VW ist doch ein Unternehmen mit einer Vielzahl gutdotierter, zur Hälfte von den Anteilseignern, den Inhabern, und zur anderen Hälfte von den Arbeitnehmervertretern als Gewerkschaftsfunktionäre, ernannter Aufsichtsräte. VW ist doch eine Firma mit einer gut besetzten und mit Millionenbeträgen fürstlich honorierten Geschäftsführung. VW ist doch als ehemalige hundertprozentige Landestochter immer noch mit einer satten Sperrminorität und durch Landesgesetz gesichert mit den Interessen des Landes Niedersachsen aufs Engste verbunden.

Wie nur haben die "Aufseher" nichts davon bemerkt?

Wer da immer noch erschüttert zweifelt und immer noch nicht versteht, der hat schlicht und einfach die Wandlung innerhalb der Führung des Imperiums VW zum Lustreisen- und Selbstbedienungszentrum für Manager und leitende Angestellte verpennt.

Wenn von Vergünstigung und Vorteilsnahme – bzw. -gewährungspraktiken innerhalb des Wolfsburger-Vorzeigeunternehmens VW einmal etwas öffentlich wurde, dann wurden schnell jeweils mehr oder weniger großspurig eine Handvoll Bauern geopfert, um auf der Bühne den Anschein der Gesetzmäßigkeit zu wahren, während hinter den Kulissen fröhlich und unbedarft weiter geschoben, getrickst und gemauschelt wurde.

An der jetzt aufgeflogenen jahrelangen und weltweiten Trickserei mit den Abgasmanipulatoren an ihren Triebwerken haben sich die Trickser aber offenbar gehörig verhoben.

Gezwungenermaßen werden sie sich mit schmerzhaften finanziellen Folgen für das Werk – und da sind es mit Sicherheit in erster Linie unschuldige Mitarbeiter innerhalb des Fertigungsprozesses – von dieser Methode der Manipulation verabschieden müssen.

Wovon man sich in Wolfsburg innerhalb des Eigentümergeflechtes allerdings nicht, oder nur in Teilen, verabschiedet hat [und wird es auch wohl künftig nicht freiwillig tun] ist das im Kern marode und zum Teil von den jetzt geschaßten Managern innerhalb der Konzernmauern gezüchtete Trägergeflecht, das nun zum Zuge kommt.

Bei VW scheint man Feuer mit Feuer bekämpfen zu wollen – wenn sich Brandstifter und Brandbekämpfer gegenüberstehen, dann mag es manchmal die richtige Strategie sein – es ist aber keine erfolgversprechende Lösung, wenn Verursacher und Verhinderer aus dem gleichen Holz geschnitzt sind bzw. teilweise schon über Jahrzehnte von der gleichen Mutterbrust gestillt wurden.

Da wird auch kein Vertreter einer Landesregierung als Aufsicht des Anteileigners Niedersachsen auch nur den kleinsten Dreh an irgendeiner Schraube vornehmen, denn wer beraubt sich schon gerne seiner eigenen Pfründe. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass ein zu einem erheblichen Teil landeseigenes Unternehmen eine im Steuerparadies Cayman-Inseln registrierte und technologisch exzellent bestückte Fluggesellschaft [die "Lion Air Services"] allein zu dem Zwecke der kostenlosen, luxuriösen weltweiten Beförderung von hochrangigen Konzernmitarbeitern unterhält? Allein DAS wäre schon ein Grund, die politischen und gewerkschaftlich autorisierten Vertreter in den Gremien zu entlassen und dementsprechend zur Verantwortung zu ziehen.

Ewald Eden



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