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Pressekonferenz Flaminia: zur Zeit keine Gefahr?
11|09|2012



Hans Werner Monsees [Leiter Havariekommando] auf der Pressekonferenz im Hotel Columbia Wilhelmshaven.

Die Pressekonferenz begann mit einer Einleitung des Leiters des Havariekommandos Hans Werner Monsees, der den Vorgang beschrieb, wie und unter welchen Sicherheitsmassnahmen die Flaminia nach Wilhelmshaven geschleppt wurde.

Er erklärte immer wieder, dass von dem havarierten Containerfrachter zur Zeit keine Gefahr ausgehen würde, eine Grundbedingung ohne die das Schiff deutscher Gewässer nicht hätte befahren dürfen. Die gesamte Ladungsliste der Flaminia, und damit jede Position und der Inhalt jedes Containers lag dem Havariekomando schon vor, als es sich noch vor der Küste Englands befand.

Bis heute weiss man aber immer noch nicht, wie es zu dem Brand und den Explosionen kam, bei denen Temperaturen entstanden, das Container förmlich zusammenschweisste, ganz zu schweigen von den Stoffen, die während des Brandes entstanden sind und die sich vielleicht noch unter oder in den Containern befinden.

Trotz hoher Sicherheitsstandards kam es zu der Havarie. Im Moment könnte man nur spekulieren und darauf möchte man sich nicht einlassen, so Hans Werner Monsees.

Die Nachfrage, ob man bei den vielen verschiedenen Chemikalien an Bord von Containerschiffen, nicht darüber nachdenken müsse, ob man diese "Normalität" von solcher Gefahrguttransporte, bei denen in der Regel nichts passiert, überdenken müsse, beantwortete man salopp formuliert damit, dass 90 Prozent des Welthandels mit Schiffen transportiert würde und ein Restrisiko besteht – eine 100prozentige Sicherheit gäbe es nicht.

Bei zunehmenden Verkehren ist zu erwarten, das sich Schiffsunfälle häufen könnten. Auf die Anregung, die deutschen Sicherheitsstandards als Anregung auf andere Länder zu übertragen, gab es die Antwort, dass dies jedem Land selbst überlassen wird.

Eine unbefriedigende Antwort, wir wir finden, denn es müsste im Interesse aller Hafenstädte liegen, dass sich ein solches Unglück möglichst schnell bekämpfen und beherrschen lässt, soweit dies möglich ist. Das aber ist teuer und so erfuhren wir von Jörg Feddern [Greenpeace], der extra zu dieser Pressekonferenz aus Hamburg angereist war, dass Großbritannien sein "Havariekommando" um 50 Prozent reduziert hat.

Deutschland hat aus dem Unglück der Pallas gelernt, einem Holzfrachter, der 1998 mitten im Wattenmeer ausbrannte. Bei Wikipedia heisst es dazu:
Zitat: " ... Die Pallas war ein Frachtschiff unter der Flagge der Bahamas, das nach einem Brand an Bord am 25. Oktober 1998 vor der schleswig-holsteinischen Nordseeküste auf Grund lief. Die später festgestellten Unzulänglichkeiten bei der Koordination verschiedener Sicherheitskräfte und mangelnder Sicherheitsvorschriften in ökologisch sensiblen Seegebieten führten zu umfangreichen politischen Untersuchungen und zur Gründung des Havariekommandos. ... "

Die Globalisierung offenbart hier seine Tücken und eine Wirtschaftsordnung, die Chemikalien rund um die Welt schickt, weil es günstiger ist hier oder dort zu produzieren.

Ob solche Stoffe zukünftig noch so produziert werden müssen, stellt Professor Dr. Michael Braungart in Frage:
Zitat: " .... Seit der industriellen Revolution vor 200 Jahren tragen Produktionsverbesserungen kontinuierlich dazu bei, dass der Lebensstandard steigt. Diese Entwicklung führte zu erheblichen Problemen im Ressourcenverbrauch. Aus diesem Grund haben Professor Dr. Michael Braungart und William McDonough das Konzept Cradle to Cradle entwickelt und im Buch „Cradle to Cradle, Remaking the Way We Make Thinks“ publiziert. ...
... Eine Ökobilanz gewährleistet, dass bei der Gewinnung von Rohmaterial [Cradle] bis hin zur Entsorgung auf einer Deponie [Grave], keine schädlichen Einflüsse auf die Umwelt auftreten. ...
... Werden Produkte nach Cradle to Cradle konzipiert, so entsteht kein Abfall beziehungsweise wird dieser recycelt und es fallen keine negativen Einflüsse auf die Umwelt an. Die eingesetzten Materialien befinden sich also in einem geschlossenen Kreislauf ohne den Verlust von natürlichen Ressourcen. Eine neue Ökobilanz auf Basis von Cradle to Cradle anstelle Cradle to Grave bei einer vollständigen Verwertung der Rohstoffe, Wasser und Energie kann durch die Nutzung der „7Rs Golden Rule“ ermöglicht werden. "
[Quelle: Wikipedia | Cradle to Cradle]

Das hätte eine Industrierevolution zur Folge, der sich die Industrie weitestgehend verweigert. Die Politik verweilt größtenteil in einem Zustand, der diese alte Form des Wirtschaftsdenkens stützt. Schon in einigen Jahrzehnten könnte diese Denkweise dazu führe, so Professor Dr. Michael Braungart, das wir unsere Mülldeponien wieder aufgraben müssen, weil es sich lohnt, die Rohstoffe wiederzuverwerten.

Es herrscht immer noch der Glaube, man könne mit einem kleinen Restrisiko fast alle Gefahrenpotentiale beherrschen und deshalb wird sich so schnell auch nichts ändern. Man stelle sich nun vor, eine solche Katastrophe ereignet sich mitten in einem Hafen oder z. B. auf der Elbe und ein havariertes Schiff liesse sich gar nicht löschen oder es ereignen sich Explositionen direkt unter einer Containerbrücke.

Hans Werner Monsees, der Leiter des Havariekommandos meinte dazu, das sich Hilfsmaßnahmen, träte eine solche Hafenhavarie auf, sogar besser beherrschen lassen, weil die Einsatzkräfte schneller an das Schiff herankämen.

Nebenbei erfuhren wir von ihm, dass der JadeweserPort gar keine Werksfeuerwehr besitzt. Es gibt einen Vertrag zwischen der Feuerwehr und dem zukünftigen Hafenbetreiber, d. h. die Wilhelmshavener Berufsfeuerwehr ist für den JadeweserPort zuständig. Die Feuerwehr soll dafür bestens gerüstet sein, fügte Monsees hinzu.

Jetzt stellen wir uns ´mal einen solchen Fall vor und so ziemlich alle Berufsfeuerwehren müssten auf den Containerhafen – was passiert dann mit Wilhelmshaven selbst, denn für die Berufsfeuerwehrleute springt die Freiwillige Feuerwehr ohne Rettungssanitäterausbildung ein.

Man gewinnt langsam einen Eindruck, das trotz aller Versicherungen, mit einem Restrisiko versehene Ungücksfälle beherrschen zu können, in diese Rechnung viele Unbekannte hineinzurechnen sind.

Hans Werner Monsees unterstrich in seinen Ausführungen immer wieder, dass von der Flaminia z. Zt. keine Gefahr ausgehen würde.

Eine interne Lagemeldung des Havariekommandos vom 09. September 2012 klingt da wesentlich dramatischer:

Zitat: " ... Als Gesamtfazit konnte festgestellt werden, dass zwar gegenwärtig kein Austritt gefährdender Emissionen von der „Flaminia“ stattfindet. Da im betroffenen Bereich aber mit den üblichen Risiken einer Großbrandstelle zu rechnen ist, ist gleichwohl nach wie vor von einer akuten Gefahr derartiger Austritte – insbesondere auch von Treibstoffen – auszugehen, so dass weiterhin Maßnahmen zur Verhütung drohender Gewässerverunreinigungen geboten sind. ... "

Varels Bürgermeister Gerhard Wagner wünscht sich genau das nicht, wie wohl viele andere ebenfalls. Deshalb werden laufend Untersuchungen angestellt und der Zugang zum Schiff selbst nicht authorisierten Personen grundsätzlich verweigert.

Die Bergung der Stoffe und Container soll laut Aussagen Monsees rund 3 Monate dauern, ein geschätzter Erfahrungswert aus ähnlichen Vorgängen.

Daß der Containerterminal Wilhelmshaven, selbst von Problemen, Pannen und explodierenden Kosten gezeichnet, gleich mit einem havarierten Problemfrachter noch vor seiner Eröffnung bestückt wurde, liegt wohl in der Ironie seiner Entstehungsgeschichte.


v. l. n. r.:  Jörg Bode und Stefan Birkner.

Trotz aller Beteuerungen auf der Pressekonferenz, alles menschenmögliche dafür tun zu wollen, dass von der Flaminia keine Gefahren für Umwelt und Menschen ausgehen sollen, war unser ehrlicher Eindruck, dass Jörg Bode [Wirtschaftsminister Niedersachsen], Dr. Stefan Birkner [Umweltminister Niedersachsen] und Hans Werner Monsees [Leiter Havariekomando] auf der Pressekonferenz nicht die Zuversicht ausstrahlten, die in ihren Worten lagen.

Unser Fazit:
Wir sollten uns auch auf Überraschungen gefasst machen.


Wolf-Dietrich Hufenbach
Dokumentarfilmer | Wilhelmshaven

Downloads: Ladungsliste Flaminia

Ladungslist online [sie müssen auf der Seite herunterscrollen]: Maritime Bulletin

Lesen Sie dazu auch:
10|09|2012: Containerschiffe: Tickende Zeitbomben
10|09|2012: "Flaminia": Bergung der Fracht wird heikel

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