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Klinikfusion 2.0
27|09|2013



Ginge es nach den Wünschen von Frau Aulkemeyer oder Andreas Wagner, würde das St. Willehad Hospital schon "morgen" Geschichte sein.

Während in der Wesermarsch der Klinikpoker tobt, geht Wilhelmshaven "Goldenen Klinikfusionszeiten", gesponsort durch die Landesregierung entgegen?

Mindestens 25 Millionen Euro muss die Stadt Wilhelmshaven schon selbst mitbringen, zu den "vielleicht 75 Millionen Euro Steuergeld des Landes", soll das "Klinikum Wilhelmshaven" überhaupt Realität werden. Hinzu kommen die paar 20 Millionen schon bestehende Schulden.

Weiterhin geht man davon aus, dass sich das Krankenhaus mehr oder weniger "von selbst" trägt:
Zitat [Frage 6]: " ...  Ist es überhaupt realistisch, dass das neue Krankenhaus kostendeckend oder zwangsläufig sogar gewinnbringend arbeitet, so dass eine Privatisierung nicht notwendig ist [Wirtschaftsplan]?
 
Zitat [Antwort]:
Diesseits wird davon ausgegangen. ... "
[Quelle: Fragenkatalog | BASU | 10-09-2013]

Vielleicht hat Andrea Aulkemeyer das beim Bau des St. Elisabeth-Krankenhauses auch gesagt, bis dann das Rhön-Klinikum quasi wie bestellt vor der Tür stand und das mit Steuermitteln "aufgepimpte" Klinikum übernahm [2004 - Trägerwechsel: Tochterunternehmen der Rhön-Klinikum AG Bad Neustadt/Saale].

Auch eine eventuelle "Bauverteuerung" könnte das schöngezeichnete Projekt in eine für die Kommune Wilhelmshaven bittere, unbezahlbare Realität verändern, die das schöne neue Klinikum direkt in die Privatisierung führt.

Allein eine Kostensteigerung bei den Angestellten, ausgelöst durch eine Tariferhöhung würde beim derzeitigen schmalen "Selbstfinanzierungsbrett" ausreichen, um die monetären Umstände so zu verändern, dass ein Verkauf unumgänglich wäre, weil sich die Kommune eine Dauerbezuschussung bei der Haushaltslage gar nicht leisten darf und kann.

Eine Kostenexplosion oder ein weiteres Pleiteprojekt wird es in Wilhelmshaven natürlich nie und nimmer geben, der "Containerterminal Wilhelmshaven" lässt grüßen.

Die Andeutung, dass das Land Niedersachsen 75 Millionen Euro in den Haushalt eingeplant hätte, ist eher als vages Versprechen zu deuten, zumal diese Option an eine schwindelerregende Beschleunigung der Fusionsverhandlungen knüpft.

Die Schlagzeilen einer eventuellen Bezuschussung kommen natürlich wie gerufen, um eine öffentliche Diskussion im Keim zu ersticken, die Ursula Biester [CDU] vor einigen Jahren begann und die durch die BASU am 18. September 2013 in einer "Aktuellen Stunde" im Rat der Stadt und einem vorausgegangenen, völlig berechtigten Fragenkatalog fortgesetzt wird.

Dass ein eventueller Klinikneubau nur eine gute Sache ist, kann wohl niemand so recht nachvollziehen, denn es werden nur Symptome einer politisch falschen Weichenstellung behandelt, eine grundlegende Strukturreform der Gesundheitsreform zieht man wieder nicht in Betracht.

Masse statt Klasse - die "Schlachtbank" ist eröffnet

Daher werden auch in Zukunft Zielvereinbarungen mit Ärzten am Reinhard-Nieter-Krankenhaus getroffen, die aber nicht zu einer grundlegenden Gesundung der Patienten beitragen werden. Die Fallpauschalen tun ihr übriges dazu, und führen zur reinen Ökonomisierung eines Berufes, der auf Erfahrung und Gewissheit [Evidenzmedizin] fusst. Die Masse der Patienten wird so zur eigentlichen Wirtschaftsbetrachtung und konterkariert, dass sich alles um das Wohl der Menschen dreht, die in einem Krankenhaus behandelt werden.

Es ist fraglich, ob man sich dieses selbst wünscht, und man sollte auch einmal in Betracht ziehen, dass man selbst unter die Kriterien dieser Medizinindustrie fallen kann. Man stelle sich nur vor, dass das geplante "Klinikum Wilhelmshaven" nicht soviele Patienten durchschleusen kann, wie zur eigentlichen Wirtschaftlichkeit nötig wären, um Schwarze Zahlen zu schreiben.

Dann klagt man über Hüftschmerzen und einige Tage später wacht man mit einem künstlichen Hüftgelenk wieder auf, das völlig unnötigerweise implantiert wurde, zur Finanzierung des Krankenhauses aber dringend notwendig erscheint.

"Heilen wie am Fließband" heisst ein Film, der Aufschluss darüber gibt, wie pervertiert unser Gesundheitssystem inzwischen ist. "Standartisierung und Effizienz erfassen einfach keinen ganzen Menschen und Ärzte werden dazu angehalten, nach Gebrauchsanweisung zu handeln" heißt es in dem Dokumentarfilm und weiter:
Zitat: " ... In Europa wird soviel operiert, wie noch nie. Spitzenreiter ist Deutschland mit fast 20 Millionen Eingriffen, doppelt soviele wie in Frankreich.
Allein in Deutschland verschlingen Gesundheitskosten 290 Milliarden Euro. Wie in Frankreich macht dies rund 11 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Die Medizinmaschine läuft auf vollen Touren, doch, macht dies die Menschen auch gesünder? Die Journalisten Sonia Mikich hat erlebt, was es heißt, in das Räderwerk der modernen Medizin zu geraten. ... "
[Quelle: Dokumentarfilm "Heilen wie am Fließband"]

Ignoranz und Pfusch regieren immer mehr im System Krankenhaus, weil Zeit Geld ist. Durch ein neues Klinikum wird sich dieser Umstand nicht wegdiskutieren lassen, sondern nur durch grundlegende Reformen, nach denen sich Ärzte und Angestellte eines Krankenhauses z. B. wieder "kostbare Zeit" für Patienten nehmen können.

Dazu gehört auch eine öffentliche Diskussion, die die Privatindustrie und die derzeit Verantwortlichen anscheinend scheuen, wie der Teufel das Weihwasser. Das Lokale Heimatblatt suggeriert uns über einen Artikel:
Zitat: " ... Die aktuelle Debatte über Details der Fusion interessiere in Hannover nicht, sagte Ansmann. Aus seiner Sicht sei es aber wichtig, dass die Einigung nicht auf die lange Bank geschoben werde. ... "
[Quelle:  Lokales Heimatblatt | Holger Ansmann [SPD] | S. 3 | 26-09-32013]

Wie aber soll man letztendlich Gewissheit über eine Entscheidung erlangen, die uns weiter bringt, als ein Schnellschuss und somit als die abermalige Bekämpfung von Symptomen? Diese Fürsprechern solcher Formulierungen wünschen sich garantiert nicht, in die "Fänge dieser Medizinindustrie" zu gelangen - höchstwahrscheinlich aber brauchen sie diese schmerzliche Erfahrung für ihre spätere Erfahrungs- und Entscheidungsreife.

Ähnliches gilt für die Hornorierung von Angestellten, deren Innenleben man unter den derzeitigen Bedingungen der Gesundheitsreform betrachtet mit Demotivierung zusammenzufassen kann. Krankenschwestern haben uns berichtet, dass sie früher gern zur Arbeit gegangen sind, was sich aber mit der Zeit grundlegend geändert hat. Leistungsdruck und Überlastung beherrschen inzwischen ihr Tagesgeschäft, der Patient wird zur Ware und auch in der Pflege treten Behandlungsfehler auf.

Auch viele Ärzte verweigern sich zunehmend einem System, dass ihren eigentlicher Beruf ökonomisiert. Die Heilung der Patienten tritt immer mehr in den Hintergrund, was zu Unzufriedenheit und Fehldiagnosen führt. Die Ärzte werden immer mehr Getriebene einer Medizinindustrie und neigen zu Überbehandlung, um Standards zu erfüllen und um Klagen zu vermeiden.

Wieder einmal sollen sich die Wilhelmshavener mit einer hastig geschaffenen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und somit den Vorgaben einiger Protagonisten ohne "Plan B" unterwerfen, sonst verfällt die Förderung. Der geplante Neubau eines Klinikums scheint somit alternativlos. Ein ganzheitlicher Ansatz ist in diesem System nicht vorgesehen, es muss funktionieren, wie ein Apparat - der Patient inmitten von einem Heer von Spezialisten – Zeit ist Geld.

Wo bleibt da die Kunst der Medizin?

Wird das geplante "Klinikum Wilhelmshaven" ohne grundlegende Strukturveränderungen im Gesundheitswesen Realität, forciert das unnötigerweise einen Verdrängungswettbewerb zwischen Sande und der Jadestadt, denn jedes Krankenhaus möchte zukünftig überleben.

Langfristig ist unter den derzeitigen Betriebsbedingungen der Gesundheitsreform eine Klinik "auf der Grünen Wiese" zwischen beiden Städten denkbar, wenn nicht sogar unausweichlich. Schon vor zehn Jahren ist über diese Fusion nachgedacht worden, mit dem Plan, das St. Willehad Hospital als kleines Stadtkrankenhaus zu erhalten.

Die Politiker konnten sich damals nicht für dieses Konzept erwärmen und produzierten das derzeitige Dilemma, weil kommunale Volksvertreter in Aufsichtsräten ohne wesentliche medizinische Fachkenntnisse und ohne wesentliche Beratung von Fachleuten "Krankenhaus spielten". Nun weigern sie sich ihre geschaffene Realität anzuerkennen, die bedeuten würde, reichlich Krankenhauspersonal abbauen zu müssen. Die PolitikerInnen "kaufen wieder einmal Zeit auf Steuerkosten" – sich Fehler einzugestehen ist in diesem System nicht vorgesehen, man will ja wiedergewählt werden.

Hinzu kommt, das in der Zusammensetzung von Leitlinienkommissionen über 50 Prozent einen Interessenkonflikt mit der pharmazeutischen Industrie haben, die Leitlinienvorsitzenden sogar zu 75 Prozent, was der ganzen Arbeit nicht gut tut. Das führt dazu, dass, wenn man zum gleichen Thema arbeitet, international unterschiedliche Ergebnisse entstehen - Unabhängigkeit und Objektivität treten in den Hintergrund - die Ökonomisierung machts möglich! Das ist für die Ärzte eine Katastrophe, mal ganz abgesehen vom Patienten.

Ob die Fusion gelingt wäre so betrachtet zweitrangig. Es wäre viel wesentlicher, sich mehr Zeit zu nehmen, um die zukünftige Struktur vernünftig ohne Überhastung planen zu können – grundlegende Strukturreformen wären nötig und nicht die reine Ökonomisierung.

Genau genommen müsste die Ökonomie der Medizin dienen, statt dessen dienen die Ärzte der Ökonomie und Frau Aulkemeyer, die neue Geschäftsführerin des Reinhard-Nieter-Krankenhauses, tut nichts anderes, als diesem Prinzip der reinen Wirtschaftlichkeit zu folgen.

Sogar der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie sagte anlässlich des Organskandals, dass wir nur das operieren sollten, was notwendig ist. Hinter dieser Aussage steckt, dass man auch Behandlungen vornimmt, die nicht notwendig sind und er belegt so die Befürchtungen, die sich aus einer Ökonomisierung der Medizin ergeben.

Es ist zu befürchten, dass die ortsansässigen PolitikerInnen den Fusionsprozess nicht von sich aus entschleunigen werden. Die kommunalen Volksvertreter werden eher dazu neigen, sich erneut ein Denkmal auf Steuerkosten zu setzen, weil Mutlosigkeit und somit auch "ich frag ´mal lieber nicht genau nach" inzwischen zu einer vertrauten Urtugend geworden ist. Hinzu kommt, dass ein JadeWeserPort anscheinend nicht ausreicht, um zu begreifen, was es bedeutet, eine grundlegende Veränderung anzuschieben, um eine nachhaltige Entscheidung zu treffen, die sich dem ach so verlockenden und logisch erscheinenden "mainstream" entzieht.

Wollen wir ´mal hoffen, dass diese Entscheider nie in ein Krankenhaus eingeliefert werden, in dem die Ärzte der Ökonomie dienen.


Wolf-Dietrich Hufenbach
Dokumentarfilmer | Wilhelmshaven


Downloads:
Fragenkatalog | BASU | 10-09-2013

Links:
23|09|2013: Krankenhausfusion: Willkommen in der Realität
22|09|2013: Hafenprojekt an der Nordsee vor Pleite - Der Geisterhafen
18|09|2013: Fusion von St. Willehad Hospital und Reinhard-Nieter-Krankenhaus Wilhelmshaven geplatzt?
16|09|2013: Attac kritisiert Übernahme von Rhön-Krankenhäusern durch Fresenius
16|05|2013: Krankenhausbau Marke: Tabula Rasa
06|05|2013: Verkauf in Offenbach: Sana soll Klinikum fit machen
24|02|2013: Reinhard-Nieter-Krankenhaus: Wagner ebnet Weg in die Privatisierung
Versorgungsauftrag
www.klinikbewertungen.de
Hospitalgesellschaft Jade-Weser mbH

Videos:
Krankenhauspoker in der Wesermarsch | 25|09|2013
"HEILEN WIE AM FLIESSBAND | 17-09-2013
"Der Nächste bitte!" - Pflegenotstand Krankenhaus | 03-06-2013
Andrea Aulkemeyer zum geplanten Klinikum Wilhelmshaven | 21-05-2013
VERDI Pressekonferenz Krankenhausfusion Wilhelmshaven | 15-03-2013


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