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Die Toten von Papenburg
25|07|2013



Für das profitorientiert Wirtschaftswachstum wird nicht nur in der Werftenbranche so mancher Sozialstandard geopfert.

Von den beiden Brandopfern hätte in der deutschen Öffentlichkeit wohl kaum jemand Notiz genommen, wenn diese beiden osteuropäischen Werkvertragsarbeiter in irgendeiner anderen deutschen Stadt das Schicksal ereilt hätte.

Nun aber ist es in dieser niedersächsischen Kleinstadt geschehen, in Papenburg – diesem fast noch Dorf an der Ems, das durch die Produktion überdimensionierter Luxuskreuzfahrtriesen auf der dort ansässigen Werft die Reichen der Welt zu seinen selbstverständlichen Protagonisten zählt. Mit diesen Proteges im Rücken hat der Werftchef bislang auch jede Forderung an die Politik zu Eingriffen in die Natur hinsichtlich des Werftwachstums durchsetzen können. In welcher Farbe die jeweilige Niedersachsen Regierung bei anstehenden Entscheidungen, die Forderungen der Werft betreffend, gewandet waren, spielte bislang überhaupt keine Rolle. Besonders verständig gegenüber den Papenburger Wachstumserfordernissen war da der spätere Basta-Kanzler der Sozialdemokraten, Schröder. Man denke nur an Gandersum.

Nun ist aber etwas geschehen, was die Welt umdreht.

In einer Kleinstadt, in der jeder wegen seiner Werftzugehörigkeit, wegen seiner Werftabhängigkeit irgendwie Meyer heißt, haben sich die sogenannten Werksvertragsgesetze der Bundesrepublik Deutschland als ein Instrument der gnadenlosen Sklaverei und der rücksichtslosen und unmenschlichen Unterdrückung menschlicher Wesen, zum Vorteil des Kapitals, offenbart.

In allen anderen vorausgegangen und gleichgelagerten Fällen auf diesem Gebiet haben die Gewinnler an diesen Machenschaften der Politik und der Öffentlichkeit selbstherrlich die kalte Schulter gezeigt.

Am brutalsten und deutlichsten haben es doch kürzlich die Fleischbarone inszeniert. Sie fühlen sich stark, sie meinen sie dürfen es, und noch viel mehr. Haben doch die Politiker mit den Werkvertragsgesetzen den Bossen die Türen - zu diesem für sie Schlaraffenland und für ihre Beschäftigten Hölle - geöffnet.

Nach dem Geschehen im Emsstädtchen sieht die Welt nun plötzlich, dass es anders geht, als wie die Wirtschaftsvertreter es bisher den Menschen im Lande vorzugaukeln versuchten.

Plötzlich liegt wie aus dem Ärmel gezaubert eine von der Werft inszenierte Sozialcharta mit bis dato als unmöglich deklarierten Erklärungen, Zugeständnissen und Regeln auf dem Tisch.

Der große Meyer hat offenbar erkannt, dass der Bogen überspannt worden ist. Seine Furcht, die vielen enttäuschen und getäuschten Pseudomeyers der Kleinstadtidylle Papenburg würden ihm sein Ansehen als Patron zerfressen, hat diese Wandlung wohl bewirkt.

Die böswillge Eierei der Bosse der deutschen Industrie zur Verteidigung ihrer zu großen Teilen unehrenhaft, menschenverachtend und unmoralisch aufgebauten Pfründe, könnte mit einem Schlage beendet werden.

Es bedürfte nur eines Federstriches der Bundes-Regierung, um den Moloch Werkvertragsgesetzgebung ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Die Regierung sollte es tun, bevor sie vielleicht Gefahr läuft, durch einen Federstrich selber aus der Welt geschafft zu werden.

Ewald Eden


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