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Geld, Geld, Geld: kein Boykott der UEFA-EM in der Ukraine
26|04|2012



Der Sog des Geldes - da schaut man schon ´mal über Befindlichkeiteten wie Menschenrechte hinweg.

Bundesinnenminister Friedrich [CSU], gleichzeitig Sportminister [seine Unterschrift ist auf die Urkunden der Bundesjugendspiele gedruckt], verkündete am Mittwoch, 25.4.: Er halte Boykott-Ideen im Bereich des Sports grundsätzlich für nicht geeignet, weil Sport ja eigentlich für das "Völkerverbindende und den fairen Wettbewerb der Jugend" stehe. Friedrich mahnte die Ukraine, die "Chance, ihr Land positiv zu präsentieren", nicht zu vernachlässigen.

Friede, Freude, Eierkuchen ist gewünscht. Und viel Geld. Internationaler Fußball ist ein Millionengeschäft. Sendelizenzen, Prestige, alles Werte, die jetzt eigentlich mit SPORT so direkt nichts zu tun haben. Aber zum treibenden und beherrschenden Faktor im Sport geworden sind.

„Fairer Wettbewerb der Jugend“ sei das Ziel der Fußball-Europa-Meisterschaft in der Ukraine, gibt Friedrich vor. Fairer Wettbewerb in der noch jungen Demokratie ist allerdings nicht mehr gegeben. Was jetzt als Ereignismeldung in die Medien gerutscht ist, ganz zum Mißfallen der Sportfunktionäre, ist eine gewaltmäßige Verlegung der letzten Ministerpräsidentin des Landes gegen ihren Willen aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus in der Stadt, in der das Fußballspiel Deutschland gegen die Niederlande stattfinden soll. Frau Julija Tymoschenko ist jetzt dann auch noch zu allem Überfluß [aus der Sicht der friedliebenden Politiker] in einen Hungerstreik getreten. Ärzte aus Deutschland sollen jetzt zu ihr in das Krankenhaus reisen [und sie vermutlich zum Abbruch ihres Hungerstreiks überreden].

Dahinter steht ein bereits jahrelanges Gerangel zwischen unterschiedlich orientierten Politikern in der Ukraine:

Die einen sind mehr Pro-Westen, andere halten lieber engere Tuchfühlung mit dem direkten Nachbarn und ehemaligen Vaterstaat Rußland, und innerhalb der Opposition ist man sich auch noch mal uneinig.

Bereits zu den Präsidentschaftswahlen 2004, der Amtsinhaber Kutschma konnte nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten, kam es zu turbulenten Ereignissen. Erster Wahlgang und anschließende Stichwahl wurden von massiven Manipulationsvorwürfen begleitet, infolge derer Bürgermassenproteste in der „orange-farbenen Revolution“ mündeten, die keine eigentliche Revolution war, sondern lediglich das Erzwingen erneuter, diesmal fairer Wahlen. Bei denen obsiegte dann Wladimir Juschtschenko. Dieser war im Gegensatz zu Janukowytsch westlich und nicht rußlandorientiert. Vor den eigentlichen Wahlen wurde Juschtschenko Opfer eines Mordanschlags durch Dioxin, vermutlich seinem Abendessen beigemischt bei einem Treffen mit zwei Chefs des Inlandsgeheimdienstes auf einer Datscha.

Nur durch viel Glück überlebte Juschtschenko diesen Angriff auf sein Leben. Im Zusammenhang dieser Ereignisse setzte Juschtschenko Julija Tymoschenko als seine Stellvertreterin ein. Später wurde sie unter ihm Premierministerin der Ukraine. Dies blieb sie aber nur 7 Monate, bis sie in Folge veränderter Koalitionen im Parlament zusammen mit dem gesamten Kabinett abgewählt wurde. 2007 gelang ihr allerdings eine zweite Amtszeit . Diese war 6 Monate später bereits wieder gefährdet.


Ihr früherer Förderer Juschtschenko und Tymoschenko waren sich nicht mehr ganz einig in verschiedenen Fragen. Laut wikipedia unternahm sie Verhandlungen über Gaslieferungen mit Rußland ohne Absprache mit Präsident Juschtschenko. Diese sollen betragsmäßig zu 137 Millionen Euro zum Nachteil von der Ukraine abgeschlossen worden sein. Durch Unterlagen von US-Anwälten wurde später Anklage gegen sie erhoben und sie auch verurteilt wegen Amtsmißbrauchs. Nicht von Vorteil war dabei offensichtlich auch Unbeherrschtheit gegenüber dem Richter des Verfahrens. Bei allem möglicherweise gegebenen Fehlverhalten Frau Tymoschenkos bleibt trotzdem das Geschmäckle, daß der gesamte Prozess und die Haftstrafe auch oder vor allem der Ausschaltung unliebsamer politischer Konkurrenz durch den jetzigen Präsidenten Janukowytsch dienen könnte.

Damit wären wir wieder bei der Frage des „Wettbewerbs“ und der Frage der dazugehörenden Fairness oder auch nicht. Wettbewerb gibt es bei uns in der westlichen Welt in der Wirtschaft, in der Politik und natürlich auch im Sport. In Rußland zur Zeit wohl vor allem im Sport. So unterschiedlich sind derzeit noch die westliche und östliche Hemisphäre.

Ist Sport unpolitisch? Kann man, so wie es die DFB-Funktionäre gerne tun, und auch gerade die Formel 1-Geschäftemacher beim Rennen in Bahrein, so einfach „logisch“ trennen, Sport sei ja Freizeit und Erholung, und habe mit Politik nichts zu tun, sei ja geradezu das Gegenteil davon, weil Entspannung vom Alltag?

Ja, wenn es um das Drehen von Jogging-Runden im Stadtpark geht. Ja, wenn es um das lokale Hallenbad geht nach der Arbeit. Aber wie ist das bei so internationalen Wettbewerben, für die dann das gesamte Fernsehprogramm in zig Staaten geändert wird?

Spätestens seit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin ist klar, daß internationale Sportwettbewerbe mit solchem Rang nicht deshalb unpolitisch sind, weil es von den Interessierten daran einfach so behauptet wird. Im Alten Rom bereits galt der politische Herrschergrundsatz: Brot und Spiele. Gemeint waren das gegenseitige Abschlachten von Gladiatoren zur allgemeinen Volksbelustigung. Um von politischen Fragen und Konflikten ABZULENKEN.

Welchen Sinn hat „Fairer Wettbewerb der Jugend“ [CSU-Friedrich], wenn die Erwachsenen den politischen Wettbewerb manipulieren? Oder sogar aktiv verhindern, wie im Falle der Oppositionsführerin Tymoschenko, der möglicherweise ein Delikt angehängt wird, um sie politisch auszuschalten? Sind das faire Mittel des Wettbewerbs, oder ist da schon eine Grenze überschritten?

Es wäre vielleicht fiktiv damit zu vergleichen, wenn Helmut Kohl [CDU] nach seiner Wahl 1983 frisch im Amt seinen Vor-Amtsvorgänger Willy Brandt [SPD] angeklagt hätte vor einem Strafgericht wegen Veruntreuung und Verschwendung öffentlicher Mittel im Zuge Brandts verhandlerischer Annäherung an den kommunistischen Erzfeind [aus Sicht der CDU] DDR, also seine Ostverträge, Deutschlandvertrag, Reiseerleichterungen für Bundes- und DDR-Bürger in beide Richtungen usw.

Die von Brandt gegen die Ideologie und rhetorische Hetze der CDU damals erzielten Lebens- und Kontakterleicherungen für durch die Mauer zerrissene deutsche Familien in Ost und West kosteten eine Stange Geld. Devisen. Die die DDR dringend brauchte, um ihr desolates System aufrechtzuerhalten, und auch um so einigen Luxus in den oberen Etagen, die es ja eigentlich nicht gab, erlauben zu können. Willy Brand hat so gesehen den westdeutschen Haushalt „geschädigt“. Da hätte man ihn doch strafrechtlich für belangen können? Wenn man so vorgehen würde wie die Ukrainer?

Na gut, Willy Brandt war durch die Intrige des BND [Guillaume] schön von den Konservativen herein gelegt worden und auch sein innerparteilicher Konkurrent Wehner war da irgendwie nicht auf Zack. Der war aus dem Rennen. Es bestand kein Handlungsbedarf mehr beim Thema „politischer Wettbewerb“. [Und natürlich haben wir NOCH ein paar mehr rechtsstaatlicher Sicherungen in unserem Grundgesetz gegen solche Art von Manipulationsversuchen im Gegensatz zur Ukraine.]

„Der jugendliche Sport soll im Vordergrund stehen.“ [Friedrich]

„Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen!“, so CDU-Fraktionsgeschüftsführer zu seinem Fraktionskollegen Wolfgang Bosbach im politischen Wettbewerb der Meinungen im Deutschen Bundestag [Griechenland-Hilfe und EFSF] letztes Jahr.

Die UEFA hat der Ukraine die Fußball-EM in Reaktion auf die Vorgänge der „orange-farbenen Revolution“ im Land vergeben. Demokratisierungs-Bemühungen am Rande der EU sollten damit honoriert werden. Jetzt kann der Anti-Demokrat Janukowytsch aber die Ernte einfahren. Jedenfalls wenn die vielen Erntehelfer aus den bereits demokratischen EU-Staaten zum Turnier kommen.

Durch das Fußballfest in der Ukraine kann Amtsinhaber Janukowytsch öffentlich bestmöglich von der Affäre Tymoschenko ablenken.

Daß die Ukraine wichtiger Gas-Lieferant für die EU ist, ist bis jetzt noch nicht erwähnt worden. Man will tunlichst jegliche Vermischung von Politik, „Sport“ und dann auch noch womöglich Wirtschaft in der Öffentlichkeit vermeiden.

Fazit: Es geht nur um Sport!

Heidi Berg

Links:
25|04|2012: Berlin tief besorgt über Gesundheitszustand Timoschenkos

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