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Wüstenbildung?
14|09|2010



Nicht nur Hertie hat Wilhemshaven verlassen ...

Nun "älter" geworden, Rentner, ist man etwas lässiger in Sachen Bekleidung.

Da reicht oft das T-Shirt und die Jeans, obwohl der Schrank voll hängt mit Klamotten für jede Gelegenheit, die auch den "Alleenbummler" noch hip verkleiden könnten. Aber die Anlässe für eindrucksvolle Kostümierung haben sich irgendwie zurückgezogen. Liegt´s an Boomtown, oder an mir? Ich weiß es nicht. Wenn einer mit frischgebügeltem Schlafanzug, Wollsocken und Sandalen durch die Marktstraße liefe, würde er kaum auffallen.
 
Vor den EinEuroShops sehen viele so aus - ungebügelt.
 
Man muß sich eben beruflich nicht mehr so vorzeigen. Und läuft man mal mit Schlips und dunklem Sakko, fragt gleich einer: "Ist was mit Oma?"

Gut angezogen ist man irgendwie nicht integriert, man fällt dumm auf.
 
Wenn ich mir meine Requisiten so anschaue - alles noch top modisch ....
Was natürlich die Frage aufwirft: "Was ist denn mit der Mode los? Steht die auch still? - Vielleicht sogar überall!?"
 
Alle meine "Guten Sachen", gekauft in Fachgeschäften die es nicht mehr gibt.
"Wo sind all die Läden hin, wo sind sie ge-blie-hie-ben?" - Weg sind sie! Die hat der Kulturverfall im Galopp verloren. Sie wurden weg ge-KIK-t.
 
"Aber, hier kriegste ja auch nix mehr", sagte mir einer, der das wahrscheinlich zur eigenen Entschuldigung oben auf seinem Zettel hatte - zum Vorsagen. Wir haben ja immerhin noch Leffers und Bartsch, und sollten uns darüber freuen, daß die sich solche Mühe geben - und durchhalten
 
Doch ansonsten - Oh, oh.

Will man einen Samsung Laserdrucker kaufen: "Den führen wir nicht. Können wir auch nicht bestellen." - im größten Elektronik-Fachgeschäft der Stadt.

Einen Braun Reisewecker- hier nicht zu kriegen.

Einen Kinderwagen, der in den Lupo paßt, da gibt's nur einen - hier, wie gehabt.

Eine Olympus DSLR Kamera - Oldenburg ist die Olympusgrenze.

Baby Wickelaufsatz für die Badewanne - Fehlanzeige

Gitarrensaiten - gibt es erst ab Jever.


Eine bekannte Markenuhr - Jever hat sie.

Twinings Earl Grey, Lea & Perrins Worcestershire Sauce, Lloyd Slipper ...

Such, such!
 
Die Vielfalt der Tabakwaren in den Fachgeschäften, von cleveren, jungen Marketingstrategen auf Automatenniveau "gesundgeschrumpft" . Der Einheitsbrei aus dem Rechenschieber, weggeexelt von der Umsatzstatistik. - Oh, grause Einfalt !

Die Liste kann sich jeder selbst verlängern.
 
Viele Markenartikel machen inzwischen leider um Wilhelmshaven einen großen Bogen, manchmal einen sehr großen.
 
Sucht man im Internet die Händlernachweise für bestimmte Artikel, die sonst weltbekannt sind, hat man den Eindruck, die Stadt umgibt eine unsichtbare Mauer. Die Kaufmöglichkeiten enden meist in Oldenburg. Von dort führt eine Grenze weiter über Aurich bis nach Emden. Wilhelmshaven nimmt nicht teil, boomt im Abseits. No-go-Area für Gebrauchsgüter, die es sonst überall in Westdeutschland gibt?

Hat man uns vergessen? Sind wir die Ossis des Nordens? Die Nordies der Republik? Laßt endlich diese Waren über die Grenze!
 
Verstehen muß man schon, daß es bei uns nicht mehr alles gibt. Man ist ja regelrecht umzingelt, von Beuteschlauis und Schnäppchenjägern, die in den Fachgeschäften die Ware befummeln, sich gründlich erklären lassen ... und dann im Internet nach dem niedrigsten Preis googeln und dort bestellen.
 
Das ist natürlich eine soziale Sauerei, weil man sein Geld ja da ausgeben sollte, wo man wohnt, arbeitet und lebt - wenn es geht. Das gehört sich so im Zusammenleben, in einer sozialen Gemeinschaft. Doch kriegst du nicht, was du suchst, fährst du nach Oldenburg, Bremen oder nach Hamburg. Von den günstigen Bahn Gruppenreisen wird regelrecht geschwärmt - und der Ausflug ist inklusive. Und wenn man schon mal da ist ... zack, ist auch viel Geld ausgegeben - und weg aus Wilhelmshaven. Pech gehabt.

Oder Amazon springt ein, und erfüllt die Wünsche in 24 Stunden - vom Sofa aus - da muß man nur noch aufstehen, wenn der Postman klingelt. Der Beutegeier geht gezielt aus dem Haus - zum Leichenfleddern zu Hertie oder zu anderen, wenn sie am Ende sind - denen er sein Geld vorher nie gönnte.
 
Was war zuerst?

Hat der schlecht sortierte Einzelhandel das Internetgeschäft stark gemacht, oder hat das Internet den Handel in die Ecke gedrängt?

Ist es das egoistische "Geiz ist geil", das die Innenstädte verödet und die Gemeinschaft sprengt? Wurde vielleicht der Slogan extra dafür erfunden? - Von der FDP? ... Ach Quatsch. - Obwohl, die können ja gut mit Metro.

 
Unsere Einkaufsgewohnheiten sind sehr viel primitiver geworden. Tchibo, statt WMF und Villeroy & Boch, Dänisches Bettenhaus, statt Omnia und Interlübke. Das mußte erspart werden und man freute sich darauf. War nicht billig, aber schön - und machte unheimlich anhänglich.

Es gab auch noch Hochzeitstische und Aussteuer für die Kinder. Ex und Hop war kein
Lebensmotto und reich war keiner, den man kannte.

Finde heute ´mal eine weiße Waschschüssel. - Aber nein: "Es ist ja alles so schön bunt hier." Neongrüne, ergonomische Sportwagenschalthebel, die als Zahnbürste verkauft werden, kriegt man an jeder Ecke. Die Läden sind zugeballert mit Krempel in den schrillsten Farben. Wo soll man sowas hinstellen? Da knurrt der Blindenhund. Das Zeug verschandelt jede Deponie.
 
Und der Fachhandel?
Aldi als Elektronik Fachmarkt müßte ein Witz sein, über den alle lachen. Aber, man kauft sie, die häßlichsten Fernseher - Hauptsache billig und flach, passend zum Programm. Keinen Sinn mehr für Material, Design und Schönheit. Praktisch und zweckmäßig reicht aus.

Grillwurst & Co. ... Es grüßt Familie Feuerstein.

"Sag an Kultur, wo bist Du nur?" - ... wohl mehr in den Herzen und Köpfen.
 
Nun mag so manches Sonnenblumenkind sagen: "Äußrer Schein und weltlich Tand, was soll das?" ... Weiß ich auch nicht. Mir gefällt das so gut. Und ich würde es bedauern, wenn das so sang- und klanglos untergeht.
 
"Ältere" sind eben auch sentimental.
 
Wegen der schönen Felsbilder, möchte ich mich bei den Feuersteins entschuldigen.
 
P. S.:
Oh, ich höre es schon: "Deine Sorgen müßte man haben!!" ...
 
Ja, natürlich gibt es größere, nicht erst neuerdings.
Aber, das gezielt geplante Verarmen großer Teile der Gesellschaft - und die daraus erwachsene Not - ist nicht die Wurzel, es verstärkt und beschleunigt den Verfall. Die traurigen Ergebnisse der Pisa Studien sind ja auch nicht nur monetär zu erklären. Ein Blick in den verlotterten Kurpark von Wilhelmshaven macht deutlich, was da
abhanden kommt.

So ein Kurpark würde heute gar nicht mehr entstehen! Das wäre ein Filetgrundstück oder ein Altlastenparkplatz.
 
Die Linie von Woodstock bis Bushido ist eine senkrechte.
Schaut Euch nur die Handschriften eurer Urgroßeltern an und vergleicht sie mit dem Mickymaus Schriftbild eurer Kinder. ... Da ist was im Sinkflug.

Etwas Liebe zu den Dingen gäbe wieder Auftrieb, könnte beflügeln. Zweckmäßigkeit versklavt die Schönheit ... und den Menschen, der bereits nach Zweckmäßigkeit und Brauchbarkeit zugerichtet und gehandelt wird ... und dann froh ist, sich überhaupt verkaufen zu dürfen. Da kommt nichts mehr zur Blüte.
 
Wir sind heute nicht tolerant und ungezwungen, sondern gleichgültig und schlampig. Das sieht man dem Bild an, das wir in die Welt stellen - nicht zuletzt unserem Stadtbild.

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Wilhelm Schönborn
Investigativer Rentner

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Kommentare

Heidi Berg
Lieber Herr Schönborn!  Sie haben die Zukunftsstrategie unserer Stadt- und Hafenoberen immer noch nicht verstanden: Die Markenware gibt es alle wieder - als Outlet direkt vom Erzeuger aus Fernost auf unserem neuen Containerhafengelände! Wer braucht DANN noch eine Marktstraße!

Liebe Grüße
von Heidi Berg

P.S. Freilich müssen wir uns alle allerdings noch etwas gedulden - so etwa bis 2025?  Dann gibt es den nächsten Weltwirtschaftsboom, von dem auch gewiss Wilhelmshaven profitieren wird!





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