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Obama lässt morden
08|02|2013



Auch Obamas Wandlungsfähigkeit ist legendär. Er vollendet seine einstigen Wahlziele auf seine ganz eigene Art und umschreibt sie möglichst schwammig.

Der asymmetrische Krieg kennt keine Regeln

"Mit chirurgischer Präzision und Laser-genauem Fokus können wir damit den Krebstumor namens Al-Kaida-Terrorist ausschalten." Das erzählt, stolz grinsend, der von Präsident Obama gewünschte CIA-Chef John Brennan. Noch sitzt er im Keller des Weißen Hauses und leitet den Drohnen-Einsatz, die angeblich genau gezielte Tötung von Terroristen. Wer Terrorist ist, entscheidet er.

Ein Verfahren, gar ein Gericht oder so etwas wie die Genver Konvention kennt dieser Techno-Mord nicht. Dass es in diesen Tagen ein wenig Aufregung um die Hinrichtung von möglichen Terroristen gibt, verdankt die Öffentlichkeit der Tatsache, dass es auch amerikanische Staatsbürger erwischt hat. Für die sollte doch das amerikanische Gesetz mit seiner Unschuldsvermutung gelten, meinen einige US-Kongressabgeordnete.

Für den Rest der Welt gilt offenkundig gar nichts:
Seit Obamas Amtsantritt wurden rund 400 Drohnenangriffe in Pakistan, im Jemen und in Nordafrika durchgeführt: Insgesamt 3000 Menschen starben, darunter sollen 50 Al-Kaida-Terroristen gewesen sein. Bleiben, wenn man den Zahlen glauben darf, 2950 Kollateral-Menschen aller Art. Frauen, Kinder, Omas und Opas. Auch die deutschen Medien sorgen sich ein wenig um die amerikanischen Opfer. Geradezu niedlich nennt die FRANKFURTER RUNDSCHAU den Keller-Killer John Brennan "Drohnen-Papst", als habe er dann und wann Segnungen zu exekutieren und nicht lebendige Menschen. Ein Lohnschreiber des Berliner TAGESSPIEGEL weiß von den "Drohnen der drei Tauben", weil die neuen Drohnen-Verantwortlichen der US-Regierung keine Falken seien sondern eher auf Dialog setzen würden, und die unglaublich linke TAZ titelt gar "Legale Lizenz zum Töten". Das wird der Autor sicher für witzig halten.

Schon seit langem tobt der asymetrische Krieg weltweit. Ein Krieg, der unter dem Etikett "Terrorismus" keineswegs das Wesen dieser Auseinandersetzung begreift. Das Bild des Terroristen wird im ach so zivilisierten Westen vom bärtigen, islamischen Glaubenskrieger bestimmt. Dass es hinter diesem Schreckensbild schlichte soziale und ökonomische Wirklichkeiten gibt, dass es sich natürlich auch um einen Rohstoff-Krieg handelt, in dem die hochgerüsteten westlichen Armeen, die nicht von den Afghanen, den Pakistani oder den Jemeniten in ihr Land eingeladen wurden, einer schlecht bewaffneten Guerilla gegenüberstehen, darüber schreibt man ungern. Aber am Beispiel Afghanistan ist schnell zu begreifen, dass die Taliban zum Beispiel ziemlich gut in der afghanischen Bevölkerung verankert sind. Sonst gäbe es sie, angesichts des Milliardenaufwands, den der Westen zu ihrer Vernichtung betreibt, schon lange nicht mehr.

Die wesentliche Drohnenbasis der USA liegt in Saudi Arabien. Das dort herrschende wahabitische System, mit seiner brutalen Frauenunterdrückung, seiner Todesstrafe bei Glaubenswechsel, Homosexualität oder Ehebruch und die tägliche Folterpraxis in der saudischen Diktatur entsprechen genau jenem Terrorismus gegen die eigene Bevölkerung, der von den USA angeblich bekämpft wird. Es sollte müßig sein zu erwähnen, dass die tapferen Anti-Terror-Kämpfer in Deutschland dem Saudi-Regime nur zu gern Waffen aller Art liefern. Aber diese Doppel-Moral spielt in der deutschen Debatte eher eine geringe Rolle. Über die aus Saudi Arabien verschossenen Drohnen weiß der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, zu faseln: "Diese Angriffe sind legal, sie sind ethisch korrekt und sie sind klug." - Und die Erde ist eine Scheibe.



Uli Gellermann

Quelle: Rationalgalerie

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