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Die großen 20
19|02|2013



Mutti Merkel träumte wohl noch vom Landtagssieg in Niedersachsen oder einem neuen Rüstungsexport, während der G20-Gipfel ohne Staatschefs stattfand.

Die Welt ist reif für eine neue Ordnung

Nun haben sie sich getroffen, die großen 20, die angeblich wichtigsten Industrie- und Schwellen-Ländern der Welt. Schön, sie haben den möglichen "Währungskrieg" verhindern können. Berichten die Medien.

Doch das Thema kann nicht so wichtig gewesen sein. Denn anwesend waren nur die Finanzminister und die Notenbankchefs der Länder. Die Staatschefs waren gleich zu Hause geblieben. Ja, wenn es um einen richtigen, ordentlichen Krieg gegangen wäre. Aber so. Ausgerüstet für Kriege aller Art sind manche der bei der Konferenz in Moskau beteiligten Ländern. Mit den dort vorhandenen Arsenalen ließe sich jederzeit eine Serie von Weltkriegen herstellen. Das Heidelberger Institut für Konfliktforschung zählte jüngst noch 20 akute Kriege. Zwar waren es zumeist eher Bürgerkriege. Aber da die immer mit internationaler Hilfe angefeuert wurden - Syrien, Libyen und Afghanistan sind nur Beispiel für fast alle - stellt sich schon die Frage nach der G-20-Zusammensetzung und der Rangreihung. Bisher wird die Hierarchie der großen 20 nach dem Brutto-Inlands-Produkt [BIP] festgestellt, dem Gesamtwert aller Güter, die in den jeweiligen Landesgrenzen hergestellt werden. Aber hilft das im Kriegsfall? Die Konferenz braucht neue Maßstäbe.

Auf den vorderen Plätzen der G-20 scheint die Rang- und Reihenfolge noch in Ordnung zu sein: Die USA geben mehr als 700 Milliarden Dollar für allerlei Waffentechnik aus. Das ihr folgende China hat logisch und eher zufällig auch mit dem BIP Wert den zweiten Platz in der Rüstungs-Etat-Hierarchie. Doch schon bei den rund 63 Milliarden, die von England für ihrer Majestät Streitkräfte ausgegeben werden, stockt die Rangreihung: Das Vereinigte Königreich gibt deutlich mehr Geld für die Verteidigung aus als zum Beispiel Japan. Aber es ist ungerecht das Königreich hinter das japanische Kaiserreich zu stufen, nur weil in Japan mehr Leute wohnen und die Japaner mehr als das zweifache an BIP ausweisen. Gegen wen muss sich Gross-Britannien verteidigen, wer bedroht das Land? Schön, einst wurde es von den Normannen besessen, wollen die England jetzt wiederhaben? Droht die Republik Irland mit der Eroberung des englisch besetzten Nordens? Man weiß es nicht.

Oder nehmen wir mal Israel. Das Land kommt, obwohl dort nur 7 Millionen Menschen wohnen auf immerhin gut 10 Milliarden Ausgaben für die Rüstung. Aber es ist einfach nicht bei den G-20 vertreten! Anders Indonesien. Obwohl dort mehr als 240 Millionen Menschen leben, geben die Indonesier schäbige 2,3 Milliarden für Rüstung aus. Da spielen die G-20 eindeutig verkehrte Welt. Zumal den Israelis deren Atombomben als Bonuspunkte angerechnet werden müssten. Wenn solcherlei Ungerechtigkeiten nicht anderswo auch vorkämen, könnte man den Ausschluss Israels glatt für Antisemitismus halten. Aber mit den Nordkoreanern verhält es sich ähnlich. Zwar hat Südkorea einen deutlich höheren Kriegshaushalt als der Norden, aber der Norden verfügt über A-Waffen. Doch nur der Süden ist Mitglied des exklusiven 20er Klubs. Da stimmt doch was nicht.

Warum verweigert man den Griechen die G-20-Mitgliedschaft? Sicher deren BIP ist unterirdisch. Aber ihre Rüstungsausgaben liegen pro Kopf der Bevölkerung bei stolzen 217 Dollar, während die Chinesen nur auf ärmliche 37 Dollar kommen aber in der Rangreihung der G-20 glatt den zweiten Platz einnehmen. Auch Deutschland ist benachteiligt. Zwar darf das Land wegen seines BIP den vierten Platz bei den G-20 einnehmen, aber es hat unangefochten den dritten Platz bei den Rüstungsexporten. Diese Leistung für die internationale Gemeinschaft darf nicht unterschätzt werden. Gehen doch von Deutschland große Impulse für die internationale Entwicklung aus: Die ständigen Waffenlieferungen nach Saudi Arabien könnte die Saudis - wenn sich endlich die Platzierung nach dem Wehr-Etat durchsetzen würde - von ihrem undankbaren viertletzten Platz ins Mittelfeld befördern. Was Länder wie Südafrika, gerade mal vier Milliarden wird dort für Waffen ausgegeben, oder Mexiko [etwa sechs Milliarden] bei den G-20 zu suchen haben, bleibt rätselhaft.

Längst ist die Welt reif für eine neue Ordnung. In einer Zeit, in der die Krieg über das Wohl und Wehe der Nationen entscheiden. In der die Waffen die Rohstoff-Lieferungen bestimmen und das Recht des Stärkeren längst das Völkerrecht abgelöst hat, ist auch eine neue Ehrlichkeit angesagt: Die G-20-Hierarchie muss vom Kopf auf die Füße gestellt, muss nach den Rüstungs-Etats gegliedert werden. Vielleicht kommen dann auch wieder Staatschef persönlich zu Konferenzen, um den wahren Wert ihrer Länder zu präsentieren.



Uli Gellermann

Quelle: Rationalgalerie

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