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Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt verhöhnt Opfer des Zugunglücks
07|02|2011



Die Induktive Zugsicherung [Indusi] wurde schon 1930 versuchsweise an z. B. diesem D-Zug ausprobiert [Quelle: Deutsches Bundesarchiv | 1930]

Wolfgang Böhmer, gern gesehener Gast beim letzten Treffen des "Club ZU Wilhelmshaven" um sich nach einem freien Zugang zum Meer seines kleinen Bundeslandes zu erkundigen, fand bei der Trauerfeier für die Opfer des tragischen Zusammenstosses zweier Züge in Sachsen-Anhalt am Samstag im Dom zu Halberstadt folgende einfühlsamen Worte:

„In der veröffentlichten Debatte fällt der Ruf nach mehr Sicherheitstechnik auf. Wir Menschen im 21. Jahrhundert haben ganz offensichtlich in technische Sicherheitsanlagen mehr Vertrauen, als in die menschliche Beobachtung und Reaktionsfähigkeit.“

Wenn ein Politiker, meist die aus dem konservativen Lager, von „veröffentlichter Meinung“ oder wie hier „veröffentlichter Debatte“ sprechen, statt von „öffentlicher Meinung“ usw., so soll dieser scheinbar feine Unterschied nichts anderes suggerieren als daß das, was dann im folgenden von diesen Politikern zitiert wird, eben NICHT die ÖFFENTLICHE Meinung ist, sondern nur eine vernachlässigenswerte Mindermeinung irgendwelcher Verirrter, die nicht wissen, was die Wahrheit ist, und nur verirrten Medien sei es zuzuschreiben, daß eine solche Mindermeinung überhaupt ins Licht der Öffentlichkeit gerät. Pauschale Medienschelte, um von etwas anderem, um das es wirklich geht, abzulenken. Eine sehr beliebte Politikermasche.

Und richtig:
Prof. Böhmer holt dann auch gleich anschließend aus gegen die Kritiker der Deutschen Bahn, die sich letzte Woche meldeten, weil die bereits 1930 [PZB 90!] entwickelten automatischen Bremsen bei Signalüberfahrung auf einigen Ost-Strecken der Republik noch immer nicht installiert seien. Grund allein: „Einsparung“ und „Vorbereitung auf den Börsengang der Deutschen Bahn AG“ [und damit vollständigen Enteignung des Deutschen Volkes]: „Wir Menschen im 21. Jahrhundert haben ganz offensichtlich in technische Sicherheitsanlagen mehr Vertrauen, als in die menschliche Beobachtung und Reaktionsfähigkeit.“


Im Klartext heißt das:
Wenn der Güterzuglokführer aufgepaßt hätte, wäre es zu dem Unglück nicht gekommen, ganz gleich ob da eine automatische Bremse genau für solch einen Fall schon eingebaut ist, oder nicht. Prof. Böhmer möchte den Fall des Sparens am falschen Ende herunterspielen. Die ZDF-Kamera zeigt während des Abspielens seiner Rede in Großaufnahme Rüdiger Grube, den Chef der Deutschen Bahn, also einen Hauptverantwortlichen des Unglücks, wenn es auf falsche Einsparungen zurückzuführen wäre.


Aber Prof. Böhmer spricht den Lokführer nicht ausdrücklich an. Stattdessen nimmt er gleich die ganze Menschheit in Haftung für das Unglück: „Wir Menschen ...“.  Was meint er denn nun damit? Meint er damit, daß die Jugendlichen in der Disco ja rechtzeitig aus dem Zug hätten springen können, wenn es denn rechtzeitig eine entsprechende Durchsage des [nun nicht mehr lebenden] Zugführers gegeben hätte? Oder hätten diese schnell ihr Handy zücken sollen, wenn sie aufgrund ihrer Beobachtungsgabe [in der Nacht und außerdem bei Nebel und ohne webcam aus dem Lokführerstand?] das Unglück selbst rechtzeitig hätten sehen können und dann mit ihrem Handy schnell den Lokführer des Güterzuges hätten anrufen können, daß er doch bitte seine Geschwindigkeit etwas reduziere??

Die Umstände des Unglücks sind einfach so, daß Nachtfahrten IMMER gefährlicher sind, als Tagfahrten, und Fahrten auf EINGLEISIGEN Strecken IMMER gefährlicher sind, als auf zweigleisigen, und wenn dann noch Nebel aufkommt, in der Nacht, braucht es eben nicht viel, daß irgendwann mal solch ein Unglück TROTZ aller Fähigkeit des Menschen zur „Beobachtungsgabe und Reaktionsfähigkeit“ [Prof. Böhmer] sich zusammenbraut, eben aus der Verkettung mehrerer Havarie-Faktoren.

Daß eine solche Verkettung mehrerer Gefährlichkeitssteigerungsfaktoren tatsächlich nicht völlig außerhalb jeglicher menschlicher und technischer Wahrscheinlichkeit sind, geht aus dem Bericht des heute-journals direkt im Anschluß an die Rede Prof. Böhmers hervor:

„Jetzt wurde bekannt, daß die Bahn schon lange wußte, wie gefährlich die Strecke ist. So gab es im Februar 2008 eine Beinahekollision, die Situation offenbar damals fast genauso, wie beim Unglück vergangene Woche.“ „Der private Bahnbetreiber Veolia bestätigte gegenüber dem ZDF, daß man gefährliche Vorfälle gemeldet habe. Darüber hinaus haben wir in den Jahren 2006 – 2009 mehrfach gegenüber DB Netz deutlich gemacht, daß eine Erhöhung der Sicherheit auf der Strecke dringend erforderlich ist, z.B. durch Zwangsbremsanlagen, PZB.

Eigentlich ist die Sache klar:
Die Hauptverantwortung für das Unglück liegt nicht bei dem Lokführer des Güterzuges, sondern bei der Organisationseinheit, die sämtliche technischen und menschlichen Mittel zur Betreibung des Bahnverkehrs, der immer potentiell gefährlich ist, in der Hand, d.h. unter Kontrolle hat: der Deutschen Bahn AG.

Stattdessen daß jetzt bei der Trauerfeier im Dom zu Halberstadt der Bahnchef, der mit in der Kirchenbank sitzt, stellvertretend für die Deutsche Bahn AG den Teil der Verantwortung übernimmt, der leicht vermeidbar gewesen wäre, nämlich einfach den Einbau einer automatischen Bremse für sage und schreibe nur 5.000 Euro, versucht der Ministerpräsident des Landes, in dem das Unglück geschehen ist, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit offensichtlich ganz bewußt abzulenken, indem er plötzlich davon spricht, daß DIE MENSCHEN ALLGEMEIN im 21. Jahrhundert ZU VIEL Vertrauen in Technik hätten. Das ist ja wohl mehr als nur zynisch! Was steckt hinter dieser unscheinbar dahergesagten „Selbstkritik“ [Prof. Böhmer gehört ja auch zu dem Menschen des 21. Jahrhunderts]?

Jetzt plötzlich sollen die Menschen NICHT mehr vollständig in Technik vertrauen?

Das ist ja nun mal was ganz Neues. Solche Töne haben wir von einer Wirtschaftsfortschrittspartei [CDU] tatsächlich bisher noch nie gehört!


Ist Ministerpräsident Böhmer glaubhaft?

Dann könnte er doch als erstes den Airbag seines Dienstwagens ausbauen und den Erlös den Opfern zukommen lassen, denn sein Chauffeur wird doch mit Sicherheit über genügend BEOBACHTUNG und REAKTIONSFÄHIGKEIT verfügen, falls ihm, der Ministerpräsident im Fond des Wagens, mal ein Geisterfahrer auf der Autobahn entgegen kommt oder ähnliches. Dann braucht es also überhaupt keinen Airbag.

Die Rhetorik des Ministerpräsidenten ist leider nur allzu durchsichtig.

Dies finde ich erschreckend. Welcher Stil hat sich unter Politikern, die für uns in manchen Dingen die hauptverantwortlichen Entscheidungen treffen, durchgesetzt? Nur noch Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft, gute Zahlen und glänzende Jahresergebnisse zählen. Das ganz normale Glück des Menschen, und in diesem Falle das ganz normale Vertrauen, das ein Bahnkunde dem Betreiber der technischen Geräte, also auch der Gleisanlagen, entgegen bringen darf, in einem Eisenbahnwaggon hat man, einmal eingestiegen, gar keine eigene Möglichkeit mehr, auf ein mögliches Unfallgeschehen zu reagieren, dieses ganz normale Vertrauen ist der Führung des nun endlich seit Privatisierung der Bahn GEWINNORIENTIERTEN, und offenbar nicht mehr sicherheitsorientierten, Unternehmens aus dem Blickfeld geraten.

Und damit ein Unglück mit 10 Toten und vielen Schwerverletzten vergangene Woche an dem allgemeinen Konsens der Bevölkerung an der Gewinnorientierung von allen öffentlichen Aufgaben nichts ändert [existiert solch ein Konsens überhaupt, oder wird der uns nur von der – hier ist der Ausdruck richtig – veröffentlichten Meinung einiger Einzelpolitiker und Unternehmensverbandssprecher eingeredet, solange, bis wir alle daran glauben], damit sich also am allgemeinen Konsens nichts ändert, daß immer sprudelnde Gewinne von Großunternehmen höher stehen als einzelne Menschenleben, deshalb hat Prof. Böhmer in seiner Rede am Samstag in der Kirche in Halberstadt den oben mehrmals zitierten Satz gesprochen.

Sehr geschickt.

Und:
Pfui!

Heidi Berg

"P.S. Ministerpräsident Tillig aus Sachsen hat heute [Sonntag, 6. Februar, DLF] den Grund für den Investitionsstau in Bahn Ost bekannt gegeben: Vorrangig bei der Deutschen Bahn Deutschland sei in diesem Fall eine Fahrtzeitverkürzung von 12 Minuten auf der Strecke Stuttgart München gewesen. Kommentar: der Bahn ist die wertvolle Arbeitszeit von Geschäftsreisenden eben wichtiger als das sichere Ankommen von ostdeutschen Jugendlichen in einer Disco am Wochenende [überhaupt ankommen lebend!].

Links: Trauerfeier für die Getöteten

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